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Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei Kindern von Wittenberger, Annegret (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
30,99 €
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Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei Kindern

Entsprechend dem Verlauf von analytischen und tiefenpsychologisch fundierten Kinderpsychotherapien wird die Arbeit des Kinderanalytikers geschildert von der Diagnose über die theoretischen Grundlagen bis zum analytischen Prozess. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Rahmen, Haltung und Beziehung, einschließlich eines kurzen Kapitels zur Elternarbeit. Fallbeispiele und Beispiele aus der Literatur veranschaulichen die wissenschaftlich fundierte Darstellung und machen das Buch auch für den Anfänger verständlich. Fragen und vertiefende Literaturhinweise regen zum weiteren Studium an.

Annegret Wittenberger ist Psychoanalytikerin für Kinder und Jugendliche (VAKJP), Dozentin und Supervisorin am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Kassel sowie an der Ausbildungsstätte für psychoanalytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie der Universität Kassel.

Produktinformationen

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Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bei Kindern

2 Anamnese und psychologische Untersuchung

Wenn Eltern sich Sorgen machen, weil ihr Kind Auffälligkeiten zeigt, die auf eine Störung in seiner seelischen Entwicklung hinweisen, kommen sie mit ihm zum Kinderanalytiker. Dieser lernt die Familie kennen und macht sich ein Bild. Er beginnt also immer mit einer sorgfältigen Diagnostik . Die Eltern benennen das, was ihnen problematisch erscheint, und er lässt sich von ihnen schildern, wann die Symptomatik aufgetreten ist und wie sie sich bis jetzt entwickelt hat. Darüber hinaus interessiert er sich für die bisherige Lebensgeschichte des Kindes (seine Genese) und die der Eltern, auch im Zusammenhang mit der Familiengeschichte. So erhält er Informationen über Beziehungserfahrungen, Belastungen und Bewältigungsstrategien, Störungen und Ressourcen. Er weiß aufgrund seiner Ausbildung, dass ein Kind immer im Beziehungsgefüge der Familie zu sehen ist und dass es viel dafür tut, ein intrafamiliäres Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, unter Umständen dafür sogar Symptome entwickelt. Wenn es sich um ein pathologisches Gleichgewicht handelt, sorgt der Indexpatient , also der Symptomträger, der als behandlungsbedürftig vorgestellt wird, mit der Entwicklung seiner Symptomatik dafür, dass die übrigen Familienmitglieder bleiben können, wie sie sind. Gleichzeitig veranlasst er durch seine störende Symptomatik, dass die Familie sich Hilfe sucht. In diesem Fall ist das auffällige Kind das gesündeste Familienmitglied, weil es die Eltern veranlasst, etwas zu verändern, auch wenn ihnen zu dem Zeitpunkt meist noch nicht klar ist, dass auch sie selbst sich verändern müssen.

2.1 Das "Hören mit dem dritten Ohr"

Während der Analytiker den Eltern zuhört, nimmt er nicht nur die von ihnen berichteten Daten und Fakten auf, sondern er achtet auch auf sein eigenes Erleben im Kontakt mit ihnen. Das kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal ergibt sich ein geordnetes Bild, und es fällt leicht, die Mitteilungen aufzunehmen in einer Gestimmtheit wohlwollender Aufmerksamkeit. Bei anderen Eltern fällt es schwer, sich eine klare Vorstellung von den geschilderten Ereignissen zu machen, man gerät unter Druck oder in Verwirrung und hat womöglich große Mühe, das Gespräch nach den dafür vorgesehenen 50 Minuten zu beenden. Das, was der Analytiker beim Zuhören fühlt, umfasst auch Körperreaktionen, Phantasien, Fehlleistungen wie Versprechen, Vergessen, Überhören, etc. und wird unter dem Begriff Gegenübertragung zusammengefasst. Diese Reaktion hat immer mit dem zu tun, was unter oder hinter den Worten des Gegenübers mitschwingt. Während seiner langen und fundierten Ausbildung, die nicht nur Theorie und Praxis, sondern auch Selbsterfahrung in einer eigenen Psychoanalyse, der sogenannten Lehranalyse , umfasst, hat der Analytiker gelernt, in einer Haltung der gleichschwebenden Aufmerksamkeit auf seine spezifischen Reaktionen im Kontakt zu achten, weil gerade sie auf unbewusste Komponenten in der Persönlichkeit des Gegenübers hinweisen, die die Familienatmosphäre oft nachhaltiger prägen als die bewussten. So kann es z. B. sein, dass Eltern sich beklagen über das schwierige Verhalten ihres Kindes und der Analytiker beim Zuhören plötzlich eine gewisse Kurzatmigkeit bei sich bemerkt, die er sonst von sich nicht kennt. Und erst dann, nachdem er nach weiteren Symptomen gefragt hat, erfährt er von asthmatischen Beschwerden des Kindes. Hier hat er über seine eigene Körperreaktion etwas erfahren von einer atemabschnürenden Familienatmosphäre und der Befindlichkeit des Kindes in ihr.

Von Anfang an nutzt der Analytiker also seine Gegenübertragung, um nicht nur bewusste, sondern auch unbew

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