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Selbst und Individuation Facetten von Subjektivität und Intersubjektivität in der Psychoanalyse von Lesmeister, Roman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.08.2012
  • Verlag: Brandes & Apsel Verlag
eBook (PDF)
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Selbst und Individuation

Die moderne Psychoanalyse ist über weite Strecken eine Psychologie des Selbst. Was genau aber ist dieses Selbst? Der Autor nähert sich dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven und gibt Einblicke in die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Selbst als übergeordnetem Persönlichkeitsganzen und den Prozessen der Konstitution und Transformation von Ich-Identität. Durchgehendes Anliegen ist es, das Selbst als eine psychische Wirklichkeit zu begreifen, die das Ganze der Person vergegenwärtigt. So wird ein Weg zum Verständnis von Selbst und Individuation gewiesen, der sowohl die Positionen der postmodernen Subjektkritik wie die paradigmatischen Neuerungen des zeitgenössischen Intersubjektivismus würdigt, ohne den Einseitigkeiten dieser Denkansätze zu verfallen. Dabei sucht Lesmeister eine zeitgemäße Idee von Individualität zu begründen, die es ermöglicht, auch unter den Bedingungen von Uneindeutigkeit und Gebrochenheit 'ein Selbst zu sein' und dieses Konzept für die therapeutische Arbeit fruchtbar zu machen. Der Autor Roman Lesmeister, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis. Dozent, Supervisor und Lehranalytiker (DGPT) der Akademie für Psychotherapie, Psychosomatik und Psychoanalyse Hamburg und am C. G. Jung-Institut München. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Theoriegeschichte von Psychoanalyse und Analytischer Psychologie sowie zu kulturtheoretischen und klinischen Themen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 09.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783860999639
    Verlag: Brandes & Apsel Verlag
    Größe: 2443 kBytes
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Selbst und Individuation

Einleitung
Der Seiltänzer
Seit meiner Jugendzeit begleitet mich eine Grafik Paul Klees. Es ist der Seiltänzer, eine Farblithografie aus dem Jahre 1923 (das Bild ist auf dem Cover dieses Buches zu finden). Das Bild zierte über viele Jahre Wände aufeinander folgender Behausungen, bis es bei einem Umzug verschwand. Trotzdem war es irgendwie immer "da". Als ich vor längerer Zeit begann, mich eingehend mit den Themen von Selbst und Individuation zu befassen, tauchte es wieder auf. Dies war der Anlass für mich, auf Klees Darstellung einen nochmals neuen Blick zu werfen.
Im Zentrum des Blattes erblickt man eine Konstruktion aus überwiegend geraden Linien, die den Eindruck eines Gerüstes abgeben, wie man es aus dem Zirkus oder von ähnlichen Gelegenheiten artistischer Darbietungen her kennt. Das Besondere daran ist, dass diese Konstruktion keine feste Verankerung am Boden aufweist, sie schwebt förmlich frei in der Luft und sieht im Übrigen nicht sonderlich vertrauenserweckend aus. Von irgendeiner Stelle aus führt so etwas wie eine Strickleiter nach oben zum Seil, und auf dem bewegt sich ein ebenfalls in streng geometrischer Linienführung gefertigtes Männchen, der Seiltänzer, der sich mit Hilfe einer langen Balancierstange im Gleichgewicht hält. Diese Technik, die äußerstes Geschick erfordert, ist auch das Einzige, worauf er sich verlassen kann. Denn bei einem etwaigen Sturz nach unten wäre da kein Netz, gar nichts, was ihn auffangen könnte. Da oben hilft ihm keiner. Sicherheit über der Bodenlosigkeit findet er nur, indem er Schritt für Schritt seine Lage neu ausbalanciert, indem er fortlaufend auf feinste Schwankungen und Differenzen im Gefüge der Kräftewirkungen reagiert. Er kann sich nur halten, indem er ständig seinen Schwerpunkt neu ermittelt.
Wenn man sich nun den Akrobaten genauer anschaut, stellt man fest, dass er um seine Lage und die zu vollbringende Aufgabe nicht besonders besorgt scheint. In Haltung und Gestus bemerkt man nichts Ängstliches oder Angestrengtes. Im Gegenteil, der Seiltänzer vermittelt eine Leichtigkeit, ja Gewitztheit und Keckheit, die man angesichts der insgesamt recht instabilen Gesamtsituation nicht ohne Weiteres erwarten würde. Selbst das in bedrohliche Schieflage gerutschte monumentale Kreuz im Hintergrund der Komposition scheint ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Dem sicheren Vertrauen darauf, die Mittel zur Herstellung eines ausreichend stabilen Zustandes jederzeit in den eigenen Händen zu haben, vermag offenbar auch die Lockerung der großen Seinskoordinaten nichts anzuhaben. Man kann vielleicht nachvollziehen, weshalb es mir in den Sinn gekommen ist, den Seiltänzer an seinem prekären Ort, den Seiltänzer im permanenten Wagnis seines Unterfangens, den Seiltänzer aber auch in der gelassenen Heiterkeit und Souveränität seines Voranschreitens als Bild des auf sich gestellten Subjektes in einer Welt ohne sichere Fundamente zu verstehen.
Das Selbst?
Im vorliegenden Buch werden Facetten des Selbst und der Selbstwerdung (Individuation) untersucht. Wer so etwas tut, kommt nicht an der Frage vorbei, was er sich unter einem Selbst eigentlich vorstellt. Eine herausragende Besonderheit der Selbstthematik besteht nun aber darin, dass man mit dieser Frage mitten in den zu untersuchenden Problemen angelangt ist. Auch wenn man sich auf das engere Spektrum der psychologischen und namentlich psychoanalytischen Theorien des Selbst und seiner Entwicklung beschränkt, gibt es heute niemanden mehr, der sich eine Definition des Selbst zutrauen würde, die Aussicht auf allgemein akzeptierte Gültigkeit hätte. Die vielfältigen Weisen, vom Selbst zu sprechen, scheinen vor allem die explizite oder häufiger implizite Philosophie der Sprecher widerzuspiegeln. Und es scheint kein anderes psychologisches Phänomen zu geben, das nachhaltiger die Philosophie seiner Interpreten wiederspiegelt als das Selbst. Man kann diese Philosophien des Selbst herauspräparieren und feststellen, dass sie

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