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Ab auf die Couch! Wie Psychotherapeuten immer neue Krankheiten erfinden und immer weniger Hilfe leisten von Mary, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2013
  • Verlag: Blessing
eBook (ePUB)
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Ab auf die Couch!

Hauptsache gestört - müssen wir alle zur Therapie?
In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft mit hohem Leistungsdruck nehmen psychische Probleme zwangsläufig zu. Die drei Behandlungsmethoden, die in Deutschland von den Krankenkassen anerkannt werden - Tiefenpsychologische Psychotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie - reagieren darauf, indem sie jeder psychischen Störung Krankheitswert zuweisen. Arbeitssucht, Internetsucht, Burn-out, Depression usw. - jedes Problem erscheint plötzlich therapiewürdig. Gleichzeitig steigt die Einnahme etwa von Antidepressiva beinahe um das Fünffache: Ein Volk wird für psychisch pathologisiert und psychopharmakologisch angefüttert.
Michael Mary wirft einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Psychotherapie. Denn seit sie unter staatliche Aufsicht gestellt ist, geht es mit ihr bergab. Um Menschen mit normalen Problemen oder durch Krisen begleiten zu können, müssen sie für psychisch krank erklärt und in ein fragwürdiges Diagnose- und Behandlungssystem gezwängt werden. Dabei wird so getan, als könnte Psychotherapie wissenschaftlich sein, als wären Gutachten und Diagnosen objektiv und als könnte Effizienz garantiert werden.
Der Autor zeigt aber, dass die meisten psychischen Probleme keinen Krankheitswert haben, sondern in Wahrheit schon den Keim zu ihrer Lösung in sich bergen. Daher kann nur ein Therapeut, der sich nicht an Vorgaben und Ziffern orientiert, sondern der sich auf sein Gegenüber einlässt, nicht in Form einer Behandlung, sondern nur in Form einer Beletigung gemeinsam mit dem Klienten einen Weg aus einer Krise finden. Zudem entwirft der Autor im Buch den Grundriss einer 'Psychotherapie des Graubereichs'. Damit ist eine Psychotherapie gemeint, die in psychischen Problemen ganz normale Phänomene sieht - die unvermeidbar in einer Gesellschaft entstehen, in der man nicht mehr mit einer einzigen Identität auskommt, in der man nicht mehr nur eine Person sein kann, in der man nicht über eine klar definierte Persönlichkeit verfügt, sondern in der man gezwungen ist, 'viele' Personen zu sein.

Michael Mary arbeitet seit fast 30 Jahren als Berater für Einzelpersonen und Paare, leitet Seminare und Fortbildungen. Er hat zahlreiche Sachbücher geschrieben, die hohe Auflagen erreicht haben und in mehrere Sprachen übersetzt worden sind, darunter Bestseller wie '5 Lügen, die Liebe betreffend' oder 'Mythos Liebe'. Michael Mary lebt und arbeitet in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 11.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641102180
    Verlag: Blessing
    Größe: 754 kBytes
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Ab auf die Couch!

I

WOZU GIBT ES DIE PSYCHOTHERAPIE?

Doch worin besteht der ureigene Auftrag der Psychotherapie? Er besteht nicht darin, die Psyche eines Menschen so zu behandeln wie ein Arzt den Körper seines Patienten, sondern vielmehr darin, den Menschen durch schwierige Lebensphasen zu begleiten.

Dieser These nach wäre die Basis der Psychotherapie weder Medizin noch Ingenieurskunst, weder Wissenschaft noch Technik, sondern ganz im Gegenteil die menschliche Zuwendung. Diese Zuwendung hätte zum Ziel, eine individuelle Orientierung im Leben zu ermöglichen oder in einer menschlich schwierigen Lage einen Sinn zu finden. Die Betonung liegt hier auf den Begriffen 'individuell' und 'menschlich', was so viel heißt, dass es in der Psychotherapie nicht um 'allgemeine' Störungen, sondern vielmehr um 'nicht verallgemeinerbare' Störungen geht. Um Befindlichkeiten, die von den individuellen Unterschieden der Menschen abhängen. Um ganz unbestimmte Zustände, für die es ganz eigene Spezialisten braucht.

Lassen Sie mich die These von dem unüberbrückbaren Unterschied zwischen Psychotherapie und Medizin anhand eines Beispiels erläutern.

Eine junge Frau namens Helga, 26 Jahre alt, ist bedenklich abgemagert, keiner weiß, warum. Sie läuft von Arzt zu Arzt und lässt über ein Jahr hinweg den Darm, die Schilddrüse, den Hormonhaushalt, den Magen, das Blut und alles Mögliche untersuchen, ohne dass etwas Greifbares gefunden wird. Schließlich gelangen ihre Ärzte zu der Überzeugung, die Ursache ihrer Erkrankung müsse psychischer Natur sein. Helga, die inzwischen nur noch 40 Kilo wiegt, wird mit der Diagnose 'Magersucht' an eine psychotherapeutische Klinik überwiesen. Dort nimmt sie an etlichen Therapiesitzungen teil, doch den Psychologen scheint sie psychisch recht normal zu sein, kein Vergleich zu den übrigen Magersüchtigen. Daher werden weitere ärztliche Untersuchungen veranlasst, unter anderem eine Computertomografie. Diese zeigt eine Entzündung im Gehirn. Nun wird Helga aus der Klinik entlassen und wieder einer medizinischen Betreuung zugeführt.

Das Beispiel macht sehr deutlich, wann eine Psychotherapie zum Einsatz kommt. Die Laborergebnisse zeigen keinen Befund, und die körperliche Untersuchung ergibt kein schlüssiges Symptombild. Die Ärzte können dem lebensbedrohlichen Zustand der Patientin keine Ursache zuordnen und sind daher mit ihrem Latein am Ende. Sie leugnen nicht das Leid der Helga, aber wenn es offenbar nicht körperlich verursacht ist, dann muss es wohl 'psychisch' bedingt sein, so vermuten sie, und daher sollen sich Psychotherapeuten mit der Frau befassen. Vielleicht erbricht sie sich ja heimlich nachts und ist unerkannt magersüchtig. Folgerichtig wird sie an eine psychotherapeutische Klinik überwiesen.

Halten wir also fest:

Psychotherapeuten kommen zum Einsatz, wenn nichts (medizinisch) Greifbares gefunden wird und die Mittel der Ärzte versagen.

Das Beispiel zeigt auch, wann Psychotherapie nicht angebracht ist. Nämlich dann, wenn eine greifbare Ursache für einen Leidenszustand gefunden wird. Deshalb wird die Patientin nach dem Ergebnis der Computertomografie wieder in ärztliche Behandlung zurückgeführt. Ein Psychotherapeut kann bei einem entzündlichen Vorgang im Gehirn nämlich auch nichts ausrichten.

Nun wird der Unterschied zwischen Medizin auf der einen und einer Psychotherapie auf der anderen Seite nachvollziehbar. Handelt es sich um einen Zustand, dem eine klare Ursache zugeordnet werden kann und für den eine eindeutige Diagnose zur Verfügung steht, dann kommen Ärzte (und Psychiater) als Behandler zum Einsatz. Handelt es sich um einen unklaren Zustand, für den man nicht auf medizinische Fakten zugreifen kann und für den man auf die Vermutung psychischer Gründe angewiesen ist, dann kommen Psychotherapeuten als Begleiter zum Einsatz.

Der Unterschied zwischen Medizin und Psychotherapie ist demnach der Unterschied zwis

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