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Allein zu zweit Mein Mann, das Asperger-Syndrom und ich von Bentley, Katrin (eBook)

  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Allein zu zweit

Als Katrin im Januar 1987 nach Australien reiste, ahnte sie nicht, dass sie dort Gavin, die Liebe ihres Lebens, finden würde. Nur wenige Monate später machte er ihr einen Heiratsantrag, den sie bedenkenlos annahm. Für diesen ungewöhnlichen Mann war die 27-jährige Lehrerin gern bereit, ihre Heimat am Thunersee, ihre Familie und ihre Freunde zu verlassen und nach Down Under zu ziehen. Bald schon aber zeigten sich die ersten Schwierigkeiten. Warum, fragte sich Katrin, lässt Gavin sich durch Kleinigkeiten dermaßen aus der Ruhe bringen? Warum verhält er sich Gästen gegenüber so taktlos? Warum hat er ein so großes Bedürfnis, allein zu sein? Warum interessieren ihn die Gefühle anderer nicht? Und vor allem: Warum steht er mir nie zur Seite, wenn es mir nicht gut geht? Die emotionale Unbeholfenheit ihres Mannes machte ihr immer mehr zu schaffen. Mehr als einmal war Katrin, inzwischen Mutter zweier Kinder, der Verzweiflung nahe. Aber aufgeben war für sie keine Option, und so suchte sie nach einer Erklärung für Gavins Verhalten. Siebzehn Jahre nach der Hochzeit war die Diagnose endlich gestellt: Asperger-Syndrom. Katrin begann sich intensiv mit diesem Autismus-Phänomen auseinanderzusetzen, machte eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin und eröffnete ihre eigene Praxis, um Menschen mit dem Asperger-Syndrom und deren Partner zu beraten und Ehen retten zu helfen.

Katrin Bentley, geb. 1960 in Thun, machte das Lehrerseminar, reiste 1987 nach Australien, lernte dort Gavin, ihren zukünftigen Mann und Vater ihrer beiden Kinder, kennen und ließ sich definitiv in Australien nieder. Das Zusammenleben erwies sich als schwierig; warum, das wurde dem Paar erst siebzehn Jahre später klar, als es herausfand, dass Gavin vom Asperger-Syndrom betroffen ist. Heute ist Katrin Bentley eine Expertin auf dem Gebiet von Asperger-Ehen. 2007 schrieb sie unter dem Titel 'Alone Together' ein Buch, das auf Englisch und Japanisch veröffentlicht wurde, und legt jetzt unter dem Titel 'Allein zu zweit' ein neues Buch für den deutschen Sprachraum vor. Katrin Bentley lebt in Brisbane, kommt aber immer wieder in die Schweiz, um auch hier Seminare zu geben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635780
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 1694kBytes
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Allein zu zweit

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Ich wurde am 11. Mai 1960 im Spital Thun geboren. Meine Eltern hatten zu der Zeit bereits einen dreijährigen Sohn und freuten sich, nun auch ein Töchterchen zu haben. Wir wohnten im Schönau-Quartier in einer kleinen Wohnung im obersten Stock eines Mehrfamilienhauses, und mein Vater war Lehrer an der Mädchensekundarschule Thun, wo er so beliebt war, dass einige Schülerinnen angeblich weinten, als er eines Tages einen Verlobungsring trug. Meine Mutter arbeitete bis zu ihrer Hochzeit als Chefsekretärin, dann wurde sie Hausfrau und schaute zu uns Kindern.

Wir waren nicht reich, aber ich hatte immer alles, was ich mir wünschte. Meine Großmutter, die auf einem Bauernhof aufgewachsen war, nähte mir wunderschöne Kleider, in denen ich mir wie eine Prinzessin vorkam. Leider durfte ich sie nur an besonderen Tagen tragen, weil bei meinen Eskapaden immer wieder Löcher in den Strümpfen entstanden. Ich war ein abenteuerlustiges Kind, und da wir in einem Block wohnten, hatte ich immer viele Spielgefährten. Im Sommer bauten wir im Sandkasten Burgen, verkleideten uns als Indianer, spielten Sitzball und Badminton oder fuhren Trottinett.

Manchmal flog ich auf einer der Schaukeln, die es zwischen den Wohnblöcken gab, so hoch ich konnte. Dabei wünschte ich mir, dass es mir eines Tages gelingen würde, über die Berge hinweg nach Italien zu springen. Mir gefiel dieses Land mit den feinen Gelati, den tollen Lasagnen und dem riesigen Meer. Unsere jährlichen Familienferien dorthin waren für mich immer ein Höhepunkt des Sommers.

Aber auch in Thun war es zu dieser Jahreszeit schön. Sobald es warm wurde, durfte ich mit meiner Familie ins nahe gelegene Strandbad, das mit seinen vielen Becken, dem Sprungturm und dem schönen See Besucher aus der ganzen Welt anlockte. Meist nahmen wir ein Picknick mit, aber an besonderen Tagen aßen wir im Restaurant Wienerli und Kartoffelsalat.

Selbst im Winter langweilte ich mich nie. Mein Kinderzimmer mit Sicht auf die Alpen war ein Paradies, in dem ich stundenlang spielte. Egal, ob ich meine Puppen verarztete, im Krämerladen imaginären Kunden Waren verkaufte, zeichnete, malte, Puzzles legte, mich verkleidete, als Postbeamtin Einzahlungsscheine ausfüllte oder ganz einfach Büchlein anschaute, glücklich war ich immer. Brauchte mein Bruder eine Spielgefährtin, war ich gern bereit, auch mit Autos zu spielen oder seine Indianer mit Cowboys anzugreifen. Kamen Freunde zu Besuch, passte ich mich ihren Wünschen an, und wenn ich genug vom Spielen hatte, ging ich ins Wohnzimmer und tanzte zu meinen Lieblingsplatten. "Schön ist es, auf der Welt zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschwein", sang ich inbrünstig, bis meine Mutter hereinkam und die Lautstärke zurückdrehte - worauf ich mich verlegen nach einer neuen Beschäftigung umsah.

Sobald genug Schnee lag, packte ich meinen Schlitten, wanderte auf den kleinen Hügel hinter unserem Block und sauste übermütig mit den Nachbarskindern hinunter. Hatten wir genug vom Schlitteln, bauten wir Schneemänner oder hohe Burgen. In einem besonders kalten Winter gelang es uns sogar, eine Schlittschuhbahn anzulegen, auf der wir Pirouetten drehten. Ich wirkte dabei vermutlich nicht sonderlich elegant, aber das war mir egal. Hauptsache, wir hatten es lustig.

Kurz vor Weihnachten war es bei uns besonders gemütlich, da ich mit meiner Mutter Geschenke für die Verwandten basteln durfte. Ich war zwar kein Basteltalent, leimte, malte und klebte aber voller Freude, bis der Küchentisch farbig war und die Teller trotz heftigem Schrubben beim Abendbrot fast kleben blieben. In der Sonntagsschule führten wir jedes Jahr ein Krippenspiel auf, bei dem ich einmal sogar die Maria spielen durfte. Stolz spazierte ich an Josefs Arm durch die Kirche und genoss es, meine langen Haare einmal offen tragen zu dürfen. Im Alltag hatte ich Zöpfe, weil ich

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