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Das Auto steht an der Brücke. Es tut mir leid Ein Vater versucht, den Selbstmord seiner Tochter zu verstehen von Brooks, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.09.2016
  • Verlag: Beltz
eBook (ePUB)
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Das Auto steht an der Brücke. Es tut mir leid

An einem Dienstagmorgen erleben John Brooks und seine Frau den Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind stirbt. Casey beendet ihr Leben durch Suizid. Auf der Suche nach Antworten erzählt John Brooks von der schwierigen und dramatischen Beziehung zu seiner Tochter Casey mit einer solchen Offenheit und Ehrlichkeit, dass man sich seiner Geschichte keine Sekunde lang entziehen kann. Gab es Anzeichen, die John Brooks und seine Frau hätten erkennen können? Haben sie etwas falsch gemacht? Wann schlug die Teenager-Rebellion in Selbstzerstörung um? Diese Fragen verfolgen den Vater. Eindringlich erzählt er von den Wutanfällen seiner Tochter, die immer unerreichbarer wird für die Liebe der Eltern und der auch mehrere Therapeuten nicht helfen können. Erst nach ihrem Tod begreifen die Eltern, dass Casey an einer Bindungsstörung litt, die nicht behandelt worden war.

John Brooks arbeitete als Finanzexperte in der Werbe- und Medienbranche. Seit dem Tod seiner Tochter widmet er sich ganz dem Schreiben, u.a. auf dem Blog www.parentingandattachment.com. Für sein Buch wurde er 2015 von der Independent Book Publisher's Association ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 255
    Erscheinungsdatum: 09.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783407864185
    Verlag: Beltz
    Originaltitel: The Girl Behind the Door. A Father s Quest to Understand His Daughter s Suicide
    Größe: 3020kBytes
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Das Auto steht an der Brücke. Es tut mir leid

Drei

I m Juli 1991 quetschte ich meine eins achtundachtzig in einen etwas schmutzigen roten Nissan, mit dem wir zu eben jenem Waisenhaus fuhren. Zu dieser Zeit herrschte in Polen eine Hitzewelle. In dem Nissan gab es keine Klimaanlage und nicht einmal Sicherheitsgurte. Ganz zu schweigen von Beinfreiheit. Erika saß neben mir, schweißbedeckt wegen der drückenden Hitze.

Renata, unsere polnische Anwältin, die wir für die Adoption engagiert hatten, saß vorn auf dem Beifahrersitz. Sie war Anfang oder Mitte vierzig, wirkte aber wegen der dunklen Ringe um ihre Augen ein wenig älter. Trotzdem war sie immer noch eine attraktive, schlanke Frau mit dunkelblonden, schulterlangen Haaren. Marian, ihr Mann, saß am Steuer. Er schien als eine Art Mädchen für alles zu fungieren: Fahrer, Bürovorsteher, Anwaltsgehilfe. Wegen seiner drahtigen Statur und seines kantigen Gesichts erinnerte er mich an typische Anwaltsdarsteller aus amerikanischen Fernsehserien der Achtzigerjahre.

Er war früher sogar Richter gewesen, aber diese Laufbahn hatte er aufgegeben, als Renatas Familienrechtspraxis mit ihrem Schwerpunkt auf Adoptionen sich als ausgesprochen lukrativ erwies. Pro Fall konnte sie bis zu 15 000 Dollar Honorar verdienen, während sich Marians Richtergehalt auf umgerechnet 150 Dollar im Monat belief. Trotz unserer spürbaren Anspannung waren beide ausgesprochen freundlich, entspannt und verhielten sich absolut professionell. Offenbar waren sie gewöhnt an den häufigen Umgang mit zukünftigen Adoptiveltern aus dem Westen, die unter Jetlag und Nervosität litten.

Vorangegangen war eine Geschichte, die so oder so ähnlich vielen Paaren passiert. Rund zwei Jahre lang hatten wir mit aufwendigen Fruchtbarkeitstests, Hormonspritzen und genau auf den Eisprung getimtem Sex experimentiert, bis Erika und ich uns eingestehen mussten, dass uns ein eigenes Kind aller Voraussicht nach verwehrt bleiben würde.

Wie wäre es also mit einer Adoption?

An einem eiskalten Januarabend gingen wir zu einer Informationsveranstaltung im Gemeindehaus der Unitarier ganz in der Nähe unseres damaligen Hauses in Simsbury im Bundesstaat Connecticut. Die Veranstaltung war für Paare mit Problemen wegen Unfruchtbarkeit, die nach Alternativen suchten. Wir hofften beide auf eine schnelle Lösung, aber die Realität sah etwas anders aus.

So erfuhren wir, dass die Wartelisten für eine normale Adoption durch eine Agentur in den USA so lang waren, dass man sich auf ungefähr zehn Jahre einstellen musste. Die andere Möglichkeit, eine Adoption unabhängig von einer Agentur durch einen Anwalt zu arrangieren, war nicht nur teuer, sondern auch mit dem Risiko verbunden, dass die leibliche Mutter es sich schließlich doch noch anders überlegte. Als weitere Alternative kam die Adoption eines ausländischen Kindes infrage, insbesondere wenn man bereit war, ein etwas älteres oder schwer erziehbares oder leicht behindertes Kind in Betracht zu ziehen; aber auch das war nicht ohne Risiken. So konnte man nie genau vorhersagen, wann und für wie lange sich ein "Adoptionsfenster" öffnete und wieder schloss. Das hing manchmal von den politischen Umständen ab oder von der gerade herrschenden öffentlichen Meinung. Der gesamte Adoptionsprozess konnte leicht ein Jahr oder mehr in Anspruch nehmen und man musste damit rechnen, dass ein Kind, das man bereits ins Herz geschlossen hatte, am Ende doch im Waisenhaus bleiben musste. Außerdem beschränkte sich die Herkunftsliste auf vereinzelte Länder in Fernost, der Dritten Welt, dem ehemals kommunistischen Europa sowie Kolumbien, Guatemala und Äthiopien.

Nach dem Ende der Veranstaltung begaben wir uns beide ziemlich niedergeschlagen in Richtung Ausgang. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits das typische Leben von Kinderlosen, die sich ersatzweise hauptsächlich um ihre Karriere und irgendwelche Nichten oder Neffen kümmern, ansonst

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