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Das Höchste Was Menschen am Everest suchen, finden und verlieren von Repplinger, Roger (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2011
  • Verlag: Ludwig
eBook (ePUB)
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Das Höchste

Warum wir so verdammt hoch hinaus wollen

Sie kommen von überall her, gehören unterschiedlichen Religionen und Kulturen an und haben verschiedene Weltanschauungen. Männer und Frauen, die eines gemeinsam haben: Ihr Ziel ist der höchste Berg der Welt. Alle wissen: Der Gipfel ist weit und der Tod nah. Die Extremsituation am Berg konfrontiert sie mit existenziellen Fragen, die uns alle beschäftigen: Fragen nach Zufall und Schicksal, Angst und Selbstüberschätzung, Verantwortung und Sinn, Leben und Tod.

Was geht in Menschen vor, die sich freiwillig in Lebensgefahr begeben, um den höchsten Berg der Welt zu besteigen? Im Frühjahr 2010 hat Roger Repplinger an einer Everest-Expedition teilgenommen. Er beschreibt, wie es ihm im Basislager auf 5.000 Metern und im Advanced Base Camp auf 6.400 Metern Höhe erging. Er führte dort mit Bergsteigern, Bergführern und Sherpas intensive Gespräche. Er fragte nach ihrem Umgang mit Gefahr, Ehrgeiz, der Angst vor dem Tod, der Verantwortung gegenüber Familie und sich selbst, den Einsichten, die man gewinnt, wenn man sich seinen Ängsten stellt; er fragte nach dem, was man am Berg verliert, und nach Gott.

Roger Repplinger hat kein Buch nur für Bergsteiger geschrieben, und er führt uns keine Helden vor. Es geht ihm um die Grundfragen menschlicher Existenz. Am Berg müssen wir Antworten auf Fragen finden, denen wir sonst ausweichen. Am Berg können wir diesen Fragen nicht ausweichen, weil wir mit dem Rücken an der Wand stehen. Und nur wer schon ein paar Antworten hat, kommt nach oben.

Roger Repplinger, geboren 1958 in Stuttgart, hat in Tübingen studiert und im Fach Soziologie promoviert. Er arbeitet als freier Autor, wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und lehrt als Dozent an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg sowie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 17.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641055660
    Verlag: Ludwig
    Größe: 462 kBytes
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Das Höchste

Vorwort

Der Hut. Wenn ich gefragt werde, was vom Everest bleibt nach ein paar Monaten, dann sag ich: der Hut. Ich hab ihn für zwei Dollar in Lhasa gekauft, es ist ein grau-schwarzer mit zwei Löchern. In Tibet tragen viele so einen. Der Hut ist mit mir bis zum Himalaya gefahren, er lag im Basecamp in meinem Zelt auf 5 000 Meter Höhe, als ich ins Advanced Basecamp (ABC) auf 6 400 Meter gegangen bin. Er war noch da, als ich wieder zurückkam. Im Rucksack hat er den Rückflug überstanden, er wird mit dem Regen in Hamburg, dem bisschen Wind, dem Nebel und der Feuchtigkeit fertig. Das ist ein guter Hut.

Und außerdem war ich gar nicht so richtig auf dem Everest. Zwischen mir und dem Everest stand immer mindestens ein Berg, oder zwei. Ich war gar nicht unglücklich, wenn ich den großen Kerl nicht gesehen habe.

Ende März 2010 bin ich von Hamburg aus als Teilnehmer einer Expedition über Frankfurt nach Kathmandu geflogen, von dort nach Lhasa und von Lhasa mit Jeeps und Autobussen Richtung Everest gefahren. Den zu finden ist nicht schwer, so groß, wie er ist.

Ich habe mich vorbereitet, wie das auf der Meereshöhe geht, auf der Hamburg liegt. Ich bin gelaufen - die einzige Sportart, die ich halbwegs kann. In der Vergangenheit bin ich ein paar Marathonrennen und einmal 50 Kilometer und einmal 100 Kilometer am Stück gelaufen. Ich dachte, ich hätte Erfahrungen im Bereich Dauerleistung, und die würden mir irgendwie helfen. Aber es ist nicht die Dauerleistung, die auf dem Berg schlaucht, es ist die Höhe. Ich bin naiv an diese Expedition herangegangen. Anders als naiv hätte ich es nicht gemacht.

Ein typischer Tagesablauf im Februar und März 2010 sah so aus: Ab 7.30 Uhr zwei Stunden laufen, dann nach Hause, einen Schluck trinken, nicht duschen, Laufklamotten aus -, Zivilklamotten anziehen, mit dem Rad zum Berliner Tor, Trainingsklamotten anziehen und dann Rücken-Brust oder Bizeps-Trizeps-Schulter trainieren. Alles im Bewusstsein, dass der Berg die Mus keln fressen wird. Aber wenn er wenig zu fressen hat, dann schnappt er sich alles von dem Wenigen, was da ist, und wenn mehr da ist, bleibt vielleicht noch was übrig. Dachte ich. So gegen 13.30 Uhr war das Training zu Ende.

Ich war nicht neugierig auf den Berg. Ich wollte nichts von ihm wissen. Er hat mir dann doch was über sich erzählt. Und zwar so laut, dass ich es nicht überhören konnte. Und er hat mir was über mich erzählt. Ziemlich leise, aber sehr eindringlich. Vor allem aber stand er zwischen mir und den Bergsteigern. Wenn ich was von den Bergsteigern erfahren wollte, musste ich den Berg in Kauf nehmen. Ich bin ins Basecamp gefahren, von dort ins Advanced Basecamp (ABC) gestiefelt, weil sie dort sind, sonst hätten mich keine zehn Pferde dort hingebracht. Was ich im Basecamp, auf dem Weg ins ABC und in den Tagen dort erlebt habe, beschreibe ich im ersten Teil des Buches. Ich berichte davon, wie es mir an diesem Berg ergangen ist, mit der Offenheit, zu der ich in der Lage bin.

Ich war ein Neuling, das hat Vor- und Nachteile. Der Neuling sieht Dinge, die den Erfahrenen nicht mehr auffallen, aber möglicherweise sieht er sie zu scharf. Ich habe mich mehr als die anderen mit meiner Befindlichkeit auf dem Berg beschäftigt, weil ich mich weniger mit dem Berg und dem Versuch, ihn zu besteigen, beschäftigt habe. Der Gipfel lenkt ab, diese Ablenkung hatte ich nicht. Ich hatte genug mit mir zu tun.

Im zweiten Teil des Buches geht es darum, wie die Teilnehmer unserer Expedition auf die Frage nach dem Risiko solcher Abenteuer, die Frage nach Leben und Tod, nach Gott, der Angst, dem Schicksal, nach Aberglauben, dem Sinn, Verantwortung, nach Intuition, Glück und Zufall beantworten. Anders als die meisten anderen Menschen können Höhenbergsteiger vor diesen Fragen nicht ausweichen. Sie wissen, dass sie sich in Gefahr begeben. Auf dem Weg zum Everest-Gipfel und dem Weg zurück kommen sie an toten Bergsteigern vorbei. Jeder

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