text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ich und andere Irrtümer Die Psychologie der Selbsterkenntnis von Ayan, Steve (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2019
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ich und andere Irrtümer

"Erkenne dich selbst!" Dieses Motto des antiken Orakels von Delphi lebt bis heute in den Köpfen vieler Menschen fort. Doch unser Ich ist viel facettenreicher und wandlungsfähiger, als es uns subjektiv erscheint. Anhand vieler Studien und praktischer Beispiele illustriert der Wissenschaftsjournalist Steve Ayan, wie unser Selbstbild entsteht und warum es verzerrt, ja oft sogar falsch ist. Sie wollen ihr wahres Ich verstehen, um im Einklang damit glücklich zu werden. Doch was, wenn es gar kein wahres Ich gibt? Wie wir uns selbst wahrnehmen, hat weitreichende Folgen für unser Denken, Fühlen und Handeln. Statt ein vermeintlich genaues Profil unseres Ichs zu zeichnen, sollten wir uns die nötige Offenheit bewahren, um die zu werden, die wir sein können. Steve Ayan bietet uns auf Basis der neuesten psychologischen Forschung einen faszinierenden Einblick in die Wissenschaft der Persönlichkeit und Selbsterkenntnis. Steve Ayan, geboren 1971, ist Psychologe und Wissenschaftsautor/-journalist. Der langjährige Redakteur der Zeitschrift "Gehirn & Geist" in Heidelberg gilt als ein genauer Kenner der Neuropsychologie und Bewusstseinsforschung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 20.04.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608115550
    Verlag: Klett-Cotta
    Größe: 3625 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ich und andere Irrtümer

Einleitung

Gnothi seauton , "Erkenne dich selbst!", ist einer der berühmtesten Sätze der Philosophiegeschichte. Er zierte neben anderen Ratschlägen wie "Nichts im Übermaß" und "Bürgschaft bringt Unheil" die Vorhalle des Apollon-Tempels von Delphi am Berg Parnass. Hier befand sich etwa ab dem 7. Jahrhundert vor Christus eine Orakelstätte, in der die Hohepriesterin Phytia Besuchern die Zukunft weissagte. Laut antiken Quellen galt der Appell "Erkenne dich selbst!" ursprünglich allerdings nicht dem Ausloten persönlicher Eigenarten. Vielmehr sollte der Ratsuchende beim Betreten des Heiligtums die eigene Sterblichkeit und die Hinfälligkeit des Menschen bedenken. Sich in diesem Sinn als schwach und begrenzt zu erkennen, dieser Akt der Demut galt als Gegengift zur verbreiteten Hybris, dem Hochmut. "Erkenne dich selbst!" war somit dem Ursprung nach die Antithese zu jener egozentrischen Selbstbespiegelung, für die diese Maxime heute oft steht.

Die Idee, man müsse seine individuellen Eigenarten und Talente möglichst gut ergründen und ausschöpfen, war den alten Griechen eher fremd. Ihr Ideal des "dem eigenen Wesen gemäßen" Lebens, die Eudaimonie, zielte noch nicht auf Selbstverwirklichung und die Optimierung der eigenen Potentiale, sondern auf einen Zustand der Seelenruhe, eine Art glückseligen Stillstand, den wir uns heute, in einer Zeit der permanenten Veränderung, kaum noch vorstellen können. Gleichwohl stand der Appell zur Selbstvergewisserung, zum Nachdenken darüber, was den Menschen ausmache, am Beginn der abendländischen Kultur. Und dieses Erbe wirkt bis heute fort.

Zu wissen, wer man ist, so glauben wir, sei die beste Gewähr, das für einen selbst Richtige zu tun. Viele Weichenstellungen der persönlichen Lebensgestaltung, etwa bei der Berufs- oder Partnerwahl, machen wir von den Eigenschaften, Fähigkeiten und Bedürfnissen abhängig, die wir an uns und anderen entdecken. Schließlich klappt es mit dem Job oder mit der Beziehung wohl nur dann, wenn das Matching stimmt, wenn Profil und Anforderung, Wunsch und Wirklichkeit zusammenpassen. Selbsterkenntnis soll uns hierbei als Kompass dienen. Mit ihrer Hilfe wollen wir sicher durch die stürmischen Gewässer des Lebens navigieren. Wer sich selbst genau kenne und sich von äußerlichen Zwängen und Täuschungen freimache, wer also selbstbestimmt und authentisch handele, der werde quasi unvermeidlich glücklich. Für manche besteht darin gar der tiefere Sinn des Lebens.

Doch wie macht man das - sich selbst erkennen? Eine sichere Methode dafür gibt es nicht. Zwar mangelt es kaum an Leuten, die uns Antworten auf die große Frage "Wie bin ich?" versprechen. Zu allen Zeiten wurden Theorien darüber ersonnen, wie sich unser Charakter erfassen und beschreiben lasse. Doch die meisten davon halten einer näheren Prüfung kaum stand. So zum Beispiel die vom Schweizer Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung (1875-1961) entworfene Typenlehre, die zwischen in sich gekehrten, introvertierten sowie geselligen, extrovertierten Denk-, Fühl-, Empfindens- und Intuitionsmenschen unterscheidet. Demnach gibt es etwa den "extrovertierten Empfindenstyp", der vor Lebenskraft strotzt und nach Genuss strebt, oder den "intuitiven Denktyp", der den Kopf in den Wolken hat und wenig praktisches Geschick besitzt. Jungs Panoptikum der Klischees ließ Katherine Briggs (1875-1968), eine US -amerikanische Hausfrau mit einem Collegeabschluss in Agrarwirtschaft, zusammen mit ihrer Tochter Isabel Myers (1897-1980) in das Modell des Myers-Briggs-Typenindikators ( MBTI ) einfließen. Es kombiniert vier von Jung inspirierte Begriffspaare wie "Fühlen versus Denken" oder "Urteilen versus Wahrnehmen" derart miteinander, dass unter dem Strich 2 4 = 16 Charaktertypen herauskommen. Allerdings scheiterten sämtliche seriösen Versuche von Persönlichkeitsforschern, dieses Schema als trennscharfe, reproduzierbare Beschreib

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen