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Mein Gehirn und ich 10 Gebote für eine gute Zusammenarbeit von Kahn, René (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
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Mein Gehirn und ich

Wir kümmern uns um unser Herz, pflegen unseren Darm, trainieren unsere Muskeln. Und was ist mit unserem Gehirn? Auch und gerade unser Gehirn braucht unsere Aufmerksamkeit! Dabei geht es nicht um Gehirnjogging oder Zahlenrätsel. In zehn klugen 'Geboten' bringt der renommiere Neurowissenschaftler René Kahn auf den Punkt, was unser Gehirn wirklich braucht, um gut zu funktionieren und uns in Schwung zu bringen. Ob Musik, Freundschaften, Spiel oder Lernen: Wer sein Gehirn pflegt und fordert, bleibt flexibler, meistert Herausforderungen leichter und ist insgesamt gesünder. Dr. René Kahn ist Professor für Psychiatrie und Neurowissenschaft an der Universität Utrecht. Er beschäftigt sich unter anderem mit psychischen Auffälligkeiten wie Schizophrenie, ADHS und Autismus sowie mit der Funktionsweise des Gehirns.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843607049
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 3383 kBytes
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Mein Gehirn und ich

2. Schlafe!

Schlaf im Tierreich

Haben Sie schon einmal ausgerechnet, wie viel Lebenszeit Sie (ver)schlafen? Ich rechne es Ihnen mal vor: Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren (78 Jahre für Männer, 82 für Frauen) und einer Nachtruhe von 8 Stunden verschlafen Sie 27 Jahre Ihres Lebens - und immerhin noch gut 20 Jahre, wenn Sie pro Nacht mit 6 Stunden Schlaf auskommen. Es ist so, als hätten Sie Ihre ganze Jugend und Ihre junge Erwachsenenzeit mit Schlafen zugebracht. Ein viertel Jahrhundert ihrer Zeit auf Erden befinden Sie sich ziellos und nutzlos im "Tod von jedem Lebenstag" ("the death of each day's life") 2 .

Wir stehen damit nicht allein da: Alle Tiere schlafen. Schlaf ist ein Phänomen, das sich in der Entwicklungskette vom Menschen bis weit hinab ins Tierreich zieht. Auch Kakerlaken schlafen: Zumindest befinden sie sich zeitweise in einem Zustand, in dem sie sich nicht bewegen und nur schwer zu Aktivität anregen lassen, was daher als Schlaf interpretiert wird. Dasselbe gilt für Skorpione. Sogar die Fruchtfliege kennt einen klaren Tag-und-Nachtrhythmus. Auch Schildkröten, die sich ja tagsüber nicht gerade übermäßig anzustrengen scheinen, schlafen, und wenn man sie stört, holen sie den notwenigen Schlaf später nach. Selbst Delfine, von denen man sich nur schwer vorstellen kann, wie sie im Schlaf überleben können (schließlich müssen sie zum Atmen regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen), kennen eine Nachtruhe. Sie haben dazu eine geniale Lösung gefunden: Sie schlafen abwechselnd mit nur einer Hälfte des Gehirns. So können Sie während ihres - buchstäblichen - Halbschlafs weiterschwimmen. Das Schlafbedürfnis ist jedoch nicht bei allen Tierarten gleich stark ausgeprägt. Wenn Sie glauben, dass wir Menschen viel Schlaf brauchen, sollten Sie sich mal die Fledermäuse ansehen, die 20 von 24 Stunden verschlafen. Der Elefant und die Giraffe dagegen nur 3. 3

Schlaf ist im Tierreich also ein (ziemlich) universelles Phänomen und daher eine Eigenschaft, die im Laufe der Evolution bewahrt wurde. Das legt die Annahme nahe, dass Schlaf lebenswichtig ist; warum sollte ein solches Phänomen sonst viele Millionen Jahre der Entwicklung überstanden haben? Es ist schwer vorstellbar, aus welchem Grund wir - und die anderen Tiere - einen so großen Teil unseres doch allzu kurzen Erdendaseins in einem Zustand wehrloser Abhängigkeit verbringen sollten, wenn wir nicht davon ausgingen, dass dieser Zustand auch seine nützlichen Seiten hat.

Die Bedeutung von Schlaf wird zudem von den Symptomen bekräftigt, die sich bei uns zeigen, wenn wir ihn unterbrechen: Schlafentzug führt immer (jedenfalls beim Menschen - und, wie gesagt, bei der Schildkröte) zu einem starken Schlafbedürfnis. Langfristiger Schlafmangel ist gerade wegen dieses stärker werdenden Drangs einzuschlafen eine äußerst unangenehme Erfahrung. 4 Der Schlaf drängt sich in unser Dasein, sogar ohne dass es uns bewusst wird - was zum Beispiel natürlich im Verkehr sehr gefährlich ist. Es gibt sogenannte Mikroschlafphasen (Sekundenschlaf), die man auch bei Fliegen, Fischen, Mäusen, Ratten, Kaninchen, Hamstern und Delfinen beobachten kann. Der Körper setzt alles daran, dem Schlafmangel abzuhelfen, und sei es in den kleinstmöglichen Dosierungen, die sich mit dem Leben vereinbaren lassen (oder wie im Verkehr eben gerade nicht). Der Schlaf, der dem Schlafentzug folgt, dient dazu, die sogenannte "Schlafschuld" auszugleichen: Er ist tiefer, und wenn sich die Möglichkeit dazu bietet, auch länger. Auch das ist ein ziemlich universelles Phänomen, ein Merkmal, das wir mit den eher einfachen Geschöpfen der Erde teilen: Wenn Fruchtfliegen keine Möglichkeit zum Schlafen bekommen, zum Beispiel weil die Flasche, in der sie sich befinden, immer wieder ausgerechnet in dem Moment, in dem sie einschlafen wollen, umgedreht wird, werden sie den verlorenen Schlaf

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