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Ratgeber Medikamentenabhängigkeit von Elsesser, Karin (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag
eBook (ePUB)
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Ratgeber Medikamentenabhängigkeit

Der Ratgeber informiert darüber, welche Medikamente zu einer Abhängigkeit führen können, wie sich verschiedene Formen von Medikamentenabhängigkeit entwickeln und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Medikamentenabhängigkeit bleibt oft lange Zeit vom Betroffenen selbst, seinen Angehörigen und häufig auch von Ärzten unerkannt. Für Betroffene und Angehörige bietet der Ratgeber daher Checklisten und genaue Beschreibungen zur Entstehung und zum Verlauf einer Medikamentenabhängigkeit, die dabei helfen, den eigenen Medikamentenkonsum kritisch zu durchleuchten und eine mögliche Abhängigkeit und Entzugssymptome zu erkennen. Aufgezeigt wird außerdem, was Betroffene selbst tun können, um ihre Abhängigkeit zu überwinden, wie sie aktiv die Behandlung mitgestalten können und welche Hilfestellungen ihnen dabei von Therapeuten zur Unterstützung angeboten werden. Die Autoren Dr. Karin Elsesser, geb. 1962. 1983-1989 Studium der Psychologie in Wuppertal. 1995 Promotion. 1989-1997 Tätigkeit in Forschung, Lehre und Therapie an den Universitäten Wuppertal und Dortmund. 1997-1998 Vertretung des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Wuppertal. Seit 1999 Leitung eines Forschungsprojektes zur Posttraumatischen Belastungsstörung an der Universität Wuppertal. Prof. Dr. Gudrun Sartory, geb. 1945. 1963-1969 Studium der Psychologie in Wien. 1969 Promotion. 1969-1986 Forschungstätigkeit im Bereich der Angststörungen am Institute of Psychiatry, Universität London; dort Lecture bzw. Senior Lecture in Psychologie. Seit 1986 Professorin für Klinische Psychologie an der Universität Wuppertal.

Produktinformationen

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Ratgeber Medikamentenabhängigkeit

3 Was kann man gegen eine "Medikamentenabhängigkeit" tun? (S. 36-37)

3.1 Die ersten Schritte auf dem Weg aus der Abhängigkeit

Ein erster und sehr wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Medikamentenabhängigkeit ist es, sich mit der eigenen Krankheit auseinander zu setzen. Dazu gehört, sich die persönlichen Folgen des Medikamentenkonsums zu verdeutlichen bzw. einzugestehen und damit den Weg für mögliche Veränderungen zu ebnen. Für viele Patienten ist es zunächst sehr schwer, die Diagnose Medikamentenabhängigkeit zu akzeptieren. Gerade bei der Niedrigdosis- Abhängigkeit von Benzodiazepinen fühlen sich die Betroffenen oft ungerecht behandelt, wenn ihre jahrelange, verordnete Einnahme von Medikamenten plötzlich als Abhängigkeit bezeichnet wird. Abhängige stellen sich viele als Menschen vor, die jeglichen sozialen Halt verloren haben, verwahrlost sind, auf der Straße leben, deren Verhalten durch den Konsum auffällig ist (z.B. die lallen, schwanken oder aggressiv sind), die zur Unterhaltung ihrer Sucht kriminell werden oder willensschwach sind. Diese falschen Vorstellungen passen nicht zur eigenen Person und erschweren es so zusätzlich, das eigene Abhängigkeitsproblem zu akzeptieren. Wie im ersten Teil dieses Ratgebers beschrieben, ist die Entwicklung und das Erscheinungsbild bei Medikamentenabhängigen auch weit entfernt von diesen Bildern über Abhängige.

Das Arbeitsblatt 2 im Anhang des Buches (vgl. S. 65) bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre eigene Medikamentengeschichte zu skizzieren, den Verlauf genauer zu untersuchen und so für sich selbst ein klareres Bild von der eigenen Situation zu erhalten.

Vielleicht ist Ihnen beim Ausfüllen des Arbeitsblattes deutlich geworden, dass Sie gegenüber Ihren Medikamenten Toleranzeffekte entwickelt haben und/oder Ihr Medikamentenkonsum immer stärker zugenommen hat, und Sie vielleicht trotz Dosissteigerung eigentlich nicht beschwerdefrei sind bzw. Ihre körperliche und psychische Verfassung immer schlechter geworden ist.

Vielleicht haben Sie aber auch feststellen können, dass die Medikamente Ihnen von Beginn an Symptomlinderung verschafft haben, Sie keine Dosiserhöhung benötigten, um diese Wirkungen zu erhalten und eventuelle bisherige Absetzversuchen mehr oder weniger unproblematisch erlebt haben und die Abstinenz auch über lange Zeit aufrechterhalten konnten. Dann gehören Sie wahrscheinlich zu jenem Teil der Patienten, die trotz längerer Einnahme von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial bislang noch keine deutlichen Anzeichen von körperlicher und/oder psychischer Abhängigkeit entwickelt haben. Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung ist damit jedoch nicht ausgeschlossen, da dieses mit der Einnahmedauer zunimmt.

In beiden Fällen stellt sich die Frage nach den möglichen Vor- und Nachteilen der weiteren Einnahme oder anders gefragt: Was können Sie gewinnen und was können Sie verlieren, wenn Sie einen neuen oder auch ersten Versuch starten, auf die Medikamente zu verzichten?

Zu Beginn einer Behandlung der Medikamentenabhängigkeit bestehen bei den meisten Patienten sehr gemischte oder ambivalente Gefühle. Auf der einen Seite ist oftmals zumindest ein ungutes Gefühl in Bezug auf die eigene Medikamentengeschichte oder manchmal auch der konkrete Wunsch, von den Medikamenten loszukommen. Auf der anderen Seite machen sich verschiedene Ängste und Befürchtungen breit, wie etwa die Behandlung nicht durchzustehen, die auftretenden Schwierigkeiten im Entzug nicht meistern zu können oder davor, ohne die Medikamente nichts mehr gegen die eigenen Probleme/Beschwerden in der Hand zu haben.

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