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Wie wir heute sterben Über die Biologie des Todes und wie sich das Ende unseres Lebens verändert hat von Warraich, Haider (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2017
  • Verlag: mvg Verlag
eBook (ePUB)
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Wie wir heute sterben

Wir alle müssen sterben. Trotzdem ist der Tod eines der größten Tabus unserer Zeit. Der amerikanische Wissenschaftsjournalist und Kardiologe Dr. Haider Warraich begegnet dem Tod jeden Tag und zeigt, was es unter den Gesichtspunkten der modernen Medizin bedeutet, zu sterben, wie sich unser Sterben verändert hat und wie wir uns den Sterbeprozess vorstellen. Hochspannend führt er anhand berührender Patientengeschichten und persönlicher Erfahrungen an das Thema heran, gewährt tiefe Einblicke in die Biologie des Todes, die Möglichkeiten der Palliativmedizin und beschreibt ungeschönt die gewichtigen Auswirkungen von Politik, Kultur und Glauben auf den Prozess und die Bewältigung des Sterbens. Ein befreiendes und ehrliches Statement über den Tod in der heutigen Zeit, das die Angst vorm Sterben nimmt, Trost spendet und Hoffnung gibt. Haider Warraich ist Arzt am Duke University Medical Center in North Carolina. Er schreibt regelmäßig Kommentare in der New York Times sowie für den Guardian, das Wall Street Journal und die Los Angeles Times. Auch publiziert er in namhaften medizinischen Fachzeitschriften, darunter das New England Journal of Medicine und das Journal of the American Medical Association. Er war unter anderem auf CNN, Fox, CBS und der BBC World Service zu Gast. Haider Warraich is a fellow in cardiovascular medicine at Duke University Medical Center and the author of the book, Modern Death - How Medicine Changed the End of Life (St Martin's/Macmillan). He is a regular Op Ed contributor for the New York Times, as well as the Atlantic, Guardian, Wall Street Journal and LA Times amongst others. He has also contributed to academic publications including the New England Journal of Medicine, Journal of the American Medical Association, JAMA Cardiology, Lancet and Circulation. He has appeared on CNN, Fox, CBS, PBS, and on NPR shows like Fresh Air with Terry Gross, The Diane Rehm Show, The World, Marketplace and the BBC World Service.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 13.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783961210985
    Verlag: mvg Verlag
    Größe: 773kBytes
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Wie wir heute sterben

Wie das Leben (und der Tod) verlängert wurden

Bevor John Graunt, geboren 1620, als Erster systematisch alles studierte, was die Menschen im London des 17. Jahrhunderts umbrachte, lebte er unter anderem als Herrenausstatter, Soldat und Gemeinderat. 1 Das London, in dem er aufwuchs, unterschied sich kaum von der heutigen Stadt: überfüllt, mit Fahrzeugen vollgestopft und von Einwanderern überflutet. Die Wirtschaft brauchte demografische Daten über die Lebenden ebenso wie über die Sterbenden. Als der Herr Moses befahl, die erwachsenen Israeliten zu zählen (4. Buch Mose), ging es darum, Spender für die Bundeslade zu werben, die tragbare Wohnstätte Gottes, welche die Juden während des Exodus mit sich herumtrugen. Zudem sollten die Waffen gezählt werden, die für den Fall eines Krieges verfügbar waren. Auch als Thomas Cromwell, der Generalvikar Heinrichs VIII., Kirchenbücher einführte, wollte er Händler darüber informieren, ob potenzielle Kunden in einem bestimmten Gebiet zahlreicher wurden oder an der Pest starben.

Erst 1661, mehr als 120 Jahre nach der Einführung der Kirchenbücher, untersuchte John Graunt sie systematisch und veröffentlichte seine Befunde. 2 In seinen Beobachtungen zur Statistik der Todesursachen sammelte er Daten aus Kirchenbüchern, die mehrere Jahrzehnte erfassten. Graunt war bestenfalls ein "praktischer Intuitionist" mit fehlenden oder geringen mathematischen Kenntnissen; dennoch stellte er die ersten modernen Querschnittsdaten über den Tod zusammen. Als erster und einziger "zufälliger" Statistiker wurde er in die Royal Society aufgenommen und gilt heute als Vater und Kolumbus der Statistik. 3 Graunts Beschreibung des Todes im London des 17. Jahrhunderts ist sowohl lebhaft als auch rätselhaft, verfasst in einer Zeit, als die wissenschaftliche Methode eben volljährig wurde. Die Ursachen des Todes, über die Cromwell berichtet, sind teils erschreckend und makaber, teils geheimnisvoll amüsant. Menschen wurden von Wölfen und Würmern gefressen und von Furcht und Kummer verzehrt. Manche fand man "tot auf den Straßen", andere starben durch "Verhungern", "Schusswunden" oder "Ohnmacht im Bad". Viele im Bericht erwähnten Krankheiten sind heute nur noch eine historische Kuriosität. "Königsleiden" war der bevorzugte Name für die Tuberkulose der Lymphknoten im Hals, deren Symptom oft ein käsiges Sekret aus dem Hals war. Angeblich konnte der englische König diese Krankheit heilen. Man erzählte, Heinrich VIII. berühre jedes Jahr bis zu 4000 Menschen mit Tuberkulose. Zum Headmouldshot kam es, wenn die Schädelknochen sich bei Kleinkindern übereinanderschoben; häufige Folgen waren Krämpfe und Tod. Vieles, was als Todesursache aufgezählt wurde, zum Beispiel impostume (Abszess), livergrown (vergrößerte Leber), dropsy (Wassersucht) und thrush (Soor) waren lediglich Symptome einer möglicherweise nicht diagnostizierten anderen Krankheit.

Manche Krankheiten hatten andere Namen als heute. Tuberkulose hieß Auszehrung, Epilepsie war Fallsucht, Geschlechtskrankheiten nannte man Franzosenkrankheit, Psychosen hießen Mondsucht, ein Schlaganfall mit Lähmung war ein Gehirnschlag und Keuchhusten hieß raising of the lights (Aufgehen der Lichter). 4 Und einige Haupttodesursachen, etwa "Zahnen" oder "Magenanhalten" ... nun, wer weiß, woran diese armen Menschen litten. Zum Glück sind viele Krankheiten, zum Beispiel Windpocken und die Pest, inzwischen ausgerottet und andere, etwa Skorbut, Rachitis und Marasmus, hat die bessere Ernährung in den Industrieländern beseitigt.

Graunt wies nach, dass Frauen länger lebten als Männer und dass das Sterberisiko während der Kindheit am höchsten war. Interessant war seine Beobachtung, dass die Sterbewahrscheinlichkeit sich bei Erwachsenen abflachte und das Sterberisiko eines Zwanzigjährigen gleich hoch war wie das eines Fünfzigjährige

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