text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Identität Wie sie entsteht und warum der Mensch sie braucht von Bohley, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2016
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
23,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Identität

Die menschliche Identität - hervorgegangen aus ursprünglichen Instinkten wurde sie im Verlauf der Evolution zu einem zentralen Bestandteil des Menschseins. Identität ermöglicht Orientierung - ob einem einzelnen Menschen, einer Familie, einer Stadt oder einem Nationalstaat - und spendet die Kraft, dieser Orientierung zu folgen. Identität hat den Menschen von Biotopabhängigkeit befreit und ihm ermöglicht, sich überall auf der Erde seinen Lebensraum einzurichten. Aus der menschlichen Identität entstanden menschliche Kulturen. Bis heute ist die Bedeutung von Identität für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ungeschmälert. Kein Wunder also, dass die UNESCO identitätsstiftende Kulturdenkmäler und -landschaften als Welterbe der Menschheit unter Schutz stellt. Tatsächlich ist das Thema 'Identität' aktuell wie nie: Denn eine befriedigende Bewältigung von Flüchtlingskrisen kann nur gelingen, wenn kollektive Identitäten berücksichtigt werden, sowohl auf Seiten der Flüchtlinge, als auch auf Seiten der sie aufnehmenden Bevölkerung.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Identität

2

Identität als Ergebnis der Evolution

Der Mensch als Mängelwesen und andere Besonderheiten des Menschen -Selbstempfindung eigener Unvollkommenheit seitens des Menschen - Totemismus als kollektives Mittel der Überwindung von Unvollkommenheit - Befähigung des Menschen, zu sich selber Abstand zu nehmen - Exzentrische Positionalität als Unterscheidungskriterium von Mensch und Tier - Aus Instinkten hervorgegangene Identität - Das Geheimnis der Identität: Identität als Lebenshilfe - Erkennen menschlicher Sterblichkeit

Bevor auf wissenschaftliche Weise versucht wurde, dem Geheimnis menschlicher Identität auf die Spur zu kommen, haben neben Theologen vor allem Philosophen und Schriftsteller Antworten auf Fragen nach dem spezifisch Menschlichen gesucht. Es war naheliegend, diese Suche mit der Frage nach dem Unterschied des Menschen vom Tier zu beginnen. Eine diesbezüglich klassisch gewordene Antwort stammt von dem Schriftsteller, Philosophen und Theologen Johann Gottfried Herder (1744-1803). Er hat den Menschen im Vergleich zum Tier als ein Mängelwesen bezeichnet. Als Mängel angesehen hat er nicht nur die organische Unspezialisiertheit des Menschen, d.h. seine fehlende Ausstattung mit körperlichen Organen für Angriffszwecke oder für die Jagd auf Beute, für die Flucht vor Feinden oder für den Schutz vor den überall lauernden Gefahren der Natur, sondern daneben auch seine zwar nicht völlig fehlende, jedoch reduzierte Instinktausstattung. 2

Eine andere Möglichkeit für die Unterscheidung des Menschen vom Tier bestand darin, den Menschen als das einzige Lebewesen anzusehen, das in seiner Existenz nicht wie typischerweise das Tier auf ein bestimmtes Biotop als seinen Lebensraum fixiert beziehungsweise angewiesen ist. Das Fehlen der Fesselung an ein bestimmtes Biotop betrachteten viele Schriftsteller als das entscheidende Kriterium zur Unterscheidung von Mensch und Tier. Die Befreiung des Menschen von der Bindung an ein bestimmtes Biotop wurde als die " Weltoffenheit " des Menschen bezeichnet: Diese bedeute neben Nichtabhängigkeit von einem bestimmten Biotop Lebensfähigkeit überall auf der Erde, am Pol und unter dem Äquator, auf dem Wasser und auf dem Lande, in Wald, Sumpf, Gebirge und Steppe. Der Mensch sei dort lebensfähig, wo er eine für ihn geeignete Umwelt finden könne oder wo er eine vorgefundene Umwelt für seine Zwecke umgestalten könne.

Von Friedrich Nietzsche (1844-1900) schließlich stammte die Formel vom Menschen als dem noch nicht festgestellten, also gewissermaßen noch unfertigen Tier, d.h. "nicht auf einen bestimmten Vollzug seines Lebens festgelegten Wesen" 3 . Daher gehöre für den Menschen Selbstzucht und Züchtung für sein "In Form kommen" und "in Form bleiben" zu seinen Existenzbedingungen. 4

Als dann versucht wurde, dem Spezifischen der menschlichen Natur mit wissenschaftlichen Methoden auf die Spur zu kommen, nahm man die Stammesgeschichte des Menschen ins Visier. Diese nahm ihren Anfang vor mehreren Millionen Jahren, als Menschen und Menschenaffen sich aus ihrem gemeinsamen Vorfahren herauszuentwickeln begannen. Durch Ausgrabungen, aus der Analyse von Knochenfunden und durch Entschlüsselung des Erbguts hat man inzwischen zwar einiges über die geographische Herkunft des Menschen und über die Wege seiner Ausbreitung auf verschiedene Kontinente herausgefunden, doch bleibt unser heutiges Wissen im Wesentlichen immer noch auf die Gewissheit beschränkt, dass der Mensch tierische Vorläufer gehabt haben muss. Alles, was wir über die einzelnen Entwicklungsstadien im Lauf der Evolution zu wissen glauben, müssen wir aus plausiblen Annahmen ableiten, wie sie sich aus naturwissenschaftlichen Beobachtungen biologischer Prozesse ergeben. Die von Charles Robert Darwin (1809-1882) beschriebene Entstehung der Arten kann be

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen