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Bindung und Trauma Risiken und Schutzfaktoren für die Entwicklung von Kindern

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Bindung und Trauma

Die Beiträge dieses Bandes führen die teilweise auf unterschiedlichen Wegen entstandenen Erkenntnisse der beiden Richtungen zusammen. Eines wissen wir ganz sicher: Eine sichere Bindungserfahrung in der Kindheit - wenigstens eine! - ist ein ganz wichtiger Schutz gegen das Aufkommen psychopathologischer Symptome nach einem traumatischen Erlebnis. Die Erkenntnisse der Bindungsforschung haben in jüngerer Zeit in psychoanalytische und psychotherapeutische Überlegungen Einzug gehalten. Dieses Buch führt nun erstmals die bisher weitgehend unabhängig voneinander operierenden Richtungen Bindungsforschung und Psychotraumatologie zusammen. Es wird dargestellt, wie Bindungsverhalten und -störungen mit traumatischen Trennungs- und Verlusterlebnissen zusammenhängen oder auch mit anderen traumatischen Ereignissen wie körperlicher und emotionaler Mißhandlung oder sexueller Gewalt. Die Bindungsforschung hat herausgearbeitet, wie solche ungelösten Traumata sich auf gestörtes Verhalten bei Kindern und auf Bindungsrepräsentationen bei Erwachsenen auswirken können. Parallel dazu hat sich die Psychotraumatologie bei ihren Untersuchungen eher darauf konzentriert zu erforschen, welche psychopathologischen Symptome durch ungelöste Traumatafolgen ausgelöst werden können. Bedeutsam sind auch neue Erkenntnisse darüber, wie Kinder ein akutes Trauma überstehen können und welche Schutzfaktoren zu ihrer psychischen Stabilisierung beitragen. Mit Beiträgen von Anni Bergman, Lutz-Ulrich Besser, Marc H. Bornstein, Arne Hofmann, Klaus E. Grossmann, Gerald Hüther, Mechthild Papousek, Peter Riedesser u.a. Karl Heinz Brisch, Prof. Dr. med. habil., ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin, Nervenheilkunde, Psychoanalytiker, leitet die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München und hat den weltweit ersten Lehrstuhl und das Forschungsinstitut für "Early Life Care" an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg inne. Seine klinische Tätigkeit und sein Forschungsschwerpunkt umfassen den Bereich der frühkindlichen Entwicklung und der Psychotherapie von bindungstraumatisierten Menschen in allen Altersgruppen. Brisch entwickelte die Präventionsprogramme "SAFE® - Sichere Ausbildung für Eltern" und "B.A.S.E® - Babywatching". Er ist Gründungsmitglied der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit (GAIMH e. V. - German-Speaking Association for Infant Mental Health) und war dort viele Jahre lang im Vorstand. (www.khbrisch.de). Karl Heinz Brisch ist Veranstalter der Internationalen Bindungskonferenz, die ab 2017 jährlich in Ulm stattfindet. (www.bindungskonferenz.de)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608101188
    Verlag: Klett-Cotta
    Serie: Fachbuch
    Größe: 7345 kBytes
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Bindung und Trauma

Klaus E. Grossmann

EMMY WERNER:
ENGAGEMENT FÜR EIN LEBENSWERK ZUM VERSTÄNDNIS MENSCHLICHER ENTWICKLUNG ÜBER DEN LEBENSLAUF

Emmy Werner gehört zu den wenigen Wissenschaftlerinnen, die in der Psychologie der Entwicklung über den Lebenslauf zu dem Fundament beigetragen haben, auf dem sie ruht. Sie ist eine der seltenen Autorinnen, die der Entwicklungspsychologie das Wichtigste gegeben haben, das sie braucht: Längsschnittuntersuchungen, in denen Menschen von der Geburt an über viele Jahre beobachtet, gemessen, geprüft, befragt und in ihren Lebensvollzügen dargestellt werden. Meisterlich war die Grundlegung ihrer Untersuchung, deren Teilnehmer 1955 geboren wurden und die bis 1995, als sie 40 Jahre alt waren, viele Male besucht wurden. Unser Wissen über gute Entwicklungsbedingungen hat durch Emmy Werner außerordentlich gewonnen und auch unser Wissen darüber, wodurch Schwierigkeiten, Beeinträchtigungen, Handikaps und ein schlechter Lebensanfang überwindbar werden.

Emmy Werner pflegt ihre Bücher mit einem Gedicht zu beginnen. Das neueste Buch (2001) heißt "Journeys from Childhood to Midlife: Risk, Resilience and Recovery". Der Titel zeigt die in der positiven Grundstimmung ausgedrückte Hoffnung, die für viele, wenn auch nicht für alle in den Lebensläufen dokumentiert ist. Das dem Buch vorangestellte Gedicht von Robert Louis Stevenson (1850-1894) lautet:

Life is not a matter

of holding good cards,

but of playing

a poor hand well

In einfacher Sprache, so sagt die Laudatio von ZERO TO THREE des US National Center for Infants, Toddlers, and Families (1999) in Anerkennung von Emmy Werners Lebenswerk, vermittelt sie Weisheit und Wissen darüber, wie aus Kindern verantwortungsbewußte Jugendliche und junge Erwachsene werden und gebende Mitglieder der Gesellschaft. Emmy Werner schreibt über Zuversicht, Kompetenz und Sorge für den Nächsten und darüber, welche Entwicklung es braucht, um gut zu lieben, gut zu arbeiten, gut zu spielen und Gutes zu erwarten. Sie schreibt über den Wert der Verbindung mit Freunden und Verwandten, mit der Familie und mit der Gemeinschaft. Sie schreibt über Risiko, Schutz, Resilienz und Überwindung von allzu großer Unbill.

Emmy Werner hat 1949 zum ersten Mal von entwicklungspsychologischen Längsschnittstudien gehört. Sie war davon fasziniert. Fünf Jahre später, 1954, war sie in Berkeley, Kalifornien, und arbeitete mit drei berühmten Entwicklungspsychologinnen: Nancy Bayley, Jean W. Macfarlane und Marjorie Honzik. Dort entwickelte sie die Idee, zu untersuchen, was geschehen müßte, damit ein schlechter Lebensstart durch ein Geburtstrauma sich nicht zu einem Lebenstrauma entwickelt. Sie nahm alle 698 Kinder, die im folgenden Jahr auf der Insel Kauai im Hawaii-Archipel geboren wurden, in ihre Untersuchung auf, den gesamten Jahrgang. Den verletzlichsten unter ihnen widmete sie ihre besondere Aufmerksamkeit. Sie wollte verstehen, was ihnen half, ihr großes Handikap zu überwinden, und was sie so widerstandsfähig machte. Viele Male während der 40 folgenden Jahre haben wir von Emmy Werner gelernt, welche Gabe die mütterliche Kompetenz, aber auch die von Geschwistern, Großeltern, Lehrern und Freunden sein kann, um dem Leben mit Freude und Tatkraft zu begegnen und dabei zu gewinnen.

In ihrem Buch über Kinder im Zweiten Weltkrieg, das auch auf deutsch erschienen ist, zeigt Emmy Werner (2001) in Wort und Bild das Schicksal von Kindern aus vielen Ländern, die Krieg und Trennung erleiden mußten und grauenvolle Ereignisse von Zerstörung und Tod, die ihre Kindheit überschatteten. Zuvor bereits hatte sie dies für die längst vergessenen Kinder des amerikanischen Bürgerkriegs getan (Werner, 1995). In beiden Werken dokumentiert sie die psychologische Wirklichkeit der Kinder, die unter Terror, Hunger, Elend und Unsicherheit leben mußten. Ohne den mitfühlenden Blick und ohne ein Herz für das Leid dieser und aller Kinder in solchen entsetzli

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