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Psychische Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter Exzessives Schreien, Schlaf- und Fütterstörungen von Bolten, Margarete (eBook)

  • Verlag: Hogrefe Verlag
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Psychische Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Säuglinge und Kleinkinder, die exzessiv schreien, quengeln und Probleme mit dem Schlafen und Essen haben, können Eltern an ihre Belastungsgrenzen bringen. Die Bewältigung dieser Verhaltensprobleme hängt von der Balance zwischen kindlicher Regulationsfähigkeit und den intuitiven Regulationshilfen der Eltern ab. Deshalb brauchen sowohl Eltern als auch das Kind Unterstützung, um ein Persistieren solcher Schwierigkeiten zu vermeiden. Dazu stehen wirksame Therapien zu Verfügung. Der Leitfaden stellt praxisorientierte Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Schrei-, Schlaf-, und Fütterstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter dar und gibt konkrete Hinweise für ihre Anwendung in der klinischen Praxis. Nach einem kurzen Überblick über Entwicklungspsychologische Grundlagen des Schreiens, Schlafens und Essens, wird der derzeitige Forschungsstand zu Ursachen, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten von kindlichen Problemen mit dem Schreien, Schlafen und Füttern vermittelt. Das konkrete Vorgehen bei der Diagnostik und Therapie der einzelnen Störungsbilder wird dargestellt. Durch die Bereitstellung zahlreicher Materialien für den diagnostischen und therapeutischen Proszess sowie verschiedener Fallbeispiele soll die Umsetzung der Leitlinien im klinischen Alltag erleichtert werden.

Produktinformationen

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Psychische Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter

Bei der "Fütterstörung der reziproken Interaktion" wirken Mütter abwesend und wenig freudig, sie gehen nicht auf die Signale des Kindes ein, der gegenseitige Austausch von Lauten, Blicken und Körperkontakt ist gestört. Es kann zum Abbruch der Füttersituation, wie auch forciertem Füttern kommen. Fehlende Gewichtszunahme und Deprivationszeichen sind mögliche Folgen beim Kind.

Andere Kinder werden als wach, neugierig und motorisch aktiv beschrieben. Sie werden leicht durch äußere Reize abgelenkt, sind an Spielen und Exploration interessiert, jedoch durch das Essen gelangweilt. Schlafstörungen und Wutanfälle können auftreten. Das Hauptsymptom des fehlenden Appetits spiegelt sich in dem Namen "Frühkindliche Anorexie" wieder. Mütter versuchen, ihre Kinder mit Spielen abzulenken oder sie mit Belohnungen zu bestechen. Die kindliche Nahrungsverweigerung ist jedoch oft hartnäckig und führt zu eskalierenden Auseinandersetzungen. In der Folge zeigen auch diese Kinder Gewichtsund Wachstumsprobleme.

Manche Kinder bestehen darauf, nur eine beschränkte Auswahl von Nahrungsmittel zu essen, die durch eine bestimmte Farbe, Geschmack, Geruch, Konsistenz oder sogar Marke gekennzeichnet ist. Während die bevorzugten Nahrungsmittel problemlos gegessen werden, verweigern sie hartnäckig alle anderen, vor allem neue, empfohlene Nahrung. Es kann zu spezifischen Ernährungsdefiziten und zu Eltern-Kind-Konflikten durch dieses hartnäckige Bestehen auf bestimmte Nahrungsmittel kommen. Diese Störung wird deshalb als "Sensorische Nahrungsverweigerung" bezeichnet.

Für Kinder mit chronischen Erkrankungen kann die Fütterund Esssituation sehr belastend sein. Sie sind beim Füttern gequält, haben Atemnot oder Schmerzen und brechen bei zunehmendem Stress das Füttern ab. Gedeihstörungen sind ebenfalls bei dieser "Fütterstörung assoziiert mit medizinischen Erkrankungen" möglich.

Wiederum andere Kinder zeigen eine anhaltende Verweigerung von Flaschennahrung, fester oder sogar jeglicher Nahrung. Schon beim Hinsetzen oder beim Anbieten von Nahrung wirken sie gestresst und wehren sich. Sie schieben das Essen beiseite oder spucken es aus. Die Fütterund Essenssituation ist angstbesetzt als Folge eines vorangegangenen traumatischen Erlebnisses, wie Würgen, Verschlucken, Absaugen oder der Sondenernährung. Diese Störung wurde früher "Posttraumatische Fütterstörung" genannt, neuerdings wird sie als "Fütterstörung assoziiert mit Insulten des Gastrointestinaltraktes" bezeichnet.

Diese Liste möglicher Fütterund Essstörung ist nicht vollständig. Wie im nächsten Abschnitt ("Definition und Klassifikation") dargelegt, gibt es im Schulalter eine Reihe von atypischen Essstörungen, die auch bei Vorschulkindern auftreten können. Manche Kinder verlieren den Appetit im Rahmen einer depressiven oder Angststörung, obwohl sie gerne zunehmen würden. Dies wird als "Emotionale Störung mit Nahrungsvermeidung" bezeichnet. Andere Kinder zeigen eine objektbezogene Angst, d.h. eine selektive Phobie vor bestimmten Nahrungsmitteln, ohne dass unbedingt ein dramatisches Ereignis vorangegangen sein muss. Diese Störung wird als "Nahrungsphobie" bezeichnet. Andere Kinder haben beim Schlucken Schwierigkeiten, vor allem von festen Nahrungsmitteln und vermeiden deshalb die Nahrungsaufnahme. Wenn organische Ursachen ausgeschlossen wurden, wird dies als "Funktionelle Dysphagie" bezeichnet. Schließlich kann die Essensverweigerung eine primär aggressive Handlung darstellen. Dann ist sie eher als ein Teilsymptom im Rahmen einer Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem Verhalten zu werten. Die Nahrungsverweigerung ist dabei nur eines von vielen "Schlachtfeldern", auf denen ein oppositionelles Verhalten gezeigt wird. Eskalierende Interaktionskonflikte sind dabei typisch für diese oppositionelle Form der Nahrungsverweigerung.

Die Kenntnis der speziellen Symptomatik ist für eine exakte Diagnosestellung wichtig. Diese wiederum ermöglicht er

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