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Wie das Individuum mit seiner Umwelt interagiert von Kalveram, Karl Theodor (eBook)

  • Verlag: Pabst Science Publishers
eBook (PDF)
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Wie das Individuum mit seiner Umwelt interagiert

Prinzipien der Verhaltenskontrolle werden biokybernetisch formuliert. Fußend auf der Systemtheorie wird ein Modell der Wechselwirkung zwischen einem Individuum und seiner Umwelt entworfen: Individuum und Umwelt werden als 'abstrakte Automaten' angesehen, wobei die Eingangsvariable des einen Automaten jeweils die Ausgangsvariable des anderen ist. Im Rahmen dieser Interaktion wird ein "vereinheitlichendes Funktionsmodell der psychischen Struktur" eines Organismus abgegrenzt. Unterschieden werden dabei die biologische und die psychologische Funktion. Während bei der biologischen Funktion der Selektionsdruck, der eine Verhaltensweise hervorgebracht hat, im Vordergrund steht, ist es bei der psychologischen die Aktualgenese, dh. Auslösung, Steuerung und Beendigung eines Verhaltensakts sowie dessen Ziel. Leitender Gesichtspunkt der Analyse ist derjenige der Werkzeugtransformation, welche das Verhalten der Umwelt beschreibt. Alle Arten zielgerichteten Verhaltens werden dann als Umkehrung der entsprechenden Werkzeugtransformation angesehen. Hauptbestandteile des Modells sind - neben Wahrnehmung und Motorik - der strategische Apparat (enthält die biologischen Verhaltenszwecke in Form von Verhaltensantrieben), der evaluativ-volitionale Apparat (enthält das Selbstwissen und koordiniert es mit den strategischen Anforderungen, mit den äußeren Gegebenheiten und mit kulturellen Normen) und der taktische Apparat (enthält das Umweltwissen und setzt es ein, um perzeptive Ziele mittels motorischer Algorithmen zur Beeinflussung der Umwelt zu realisieren). Für jeden dieser Apparate werden, entsprechend ihren spezifischen Aufgaben, spezifische Lernprozesse konzipiert, die sich jedoch nur teilweise mit den herkömmlich betrachteten decken.

Das Modell kann, obwohl noch erweiterungs-bedürftig, Verhalten und Verhaltensstörungen funktional erklären und läßt sich auch auf überindividuelle Kulturleistungen übertragen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 329
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783933151353
    Verlag: Pabst Science Publishers
    Größe: 2181 kBytes
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Wie das Individuum mit seiner Umwelt interagiert

1.4 Grundzüge eines psychischen Funktionsmodells (S. 31-.32)

Das obige Beispiel veranschaulicht an Hand einer stark vereinfachten Kind- Mutter-Interaktion die Individuum-Umwelt-Interaktion im Rahmen der Automatentheorie. Der Grundgedanke dabei ist, Individuum und Umwelt als Funktionselemente (abstrakte Automaten) aufzufassen, die so zu einem System zusammengeschaltet sind, daß der Ausgang des einen Funktionselements jeweils der Eingang des anderen ist. Innerhalb dieses fundamentalen Wirkungsgefüges muß die Umwelt dem Individuum auf dessen Anforderung die Lebensnotwendigkeiten zur Verfügung stellen, und das Individuum muß wissen, wie es die Umwelt veranlassen kann, ihm die Lebensnotwendigkeiten auch anzubieten. Welche innere Struktur, welche psychische Grundaustattung nun muß dann dem Individuum mitgegeben werden, damit es im Rahmen dieser Wechselwirkung bestehen kann - sprich: damit es die Umwelt 'passend' veranlassen kann? Dieser Frage soll nun zunächst überblickshaft, später dann im Detail nachgegangen werden.

1.4.1 Der grundlegende Ansatz von Konrad Lorenz

Konrad Lorenz (z.B. 1978) kommt das Verdienst zu, aus einer umfassenden Zahl von Beobachtungen eine Theorie der Instinktbewegung entwickelt zu haben, welche grundlegende Strukturen der Interaktion zwischen Individuum und Umwelt erklären kann und welche inzwischen wohl zum 'Standardwissen' der Ethologie gehört. Das Grundschema der Auslösung von Instinktbewegungen kann nach dieser Theorie kurz wie folgt beschrieben werden: Ein Ausschnitt aus der Umwelt, schematisch gekennzeichnet als 'Schlüsselreiz', trifft auf den genau darauf zugeschnittenen 'angeborenen auslösenden Mechanismus' (AAM) und ruft eine relativ formkonstante Bewegung, die 'Erbkoordination', ab, z.B. einen Beutefangschlag oder das Verschlingen von Nahrung, einen motorischen Akt also, der im Rahmen der Individuum-Umwelt-Interaktion eine feststehende Bedeutung hat. Die Auslösbarkeit der Erbkoordination und die Intensität ihres Ablaufs hängen dabei nicht nur vom Reizwert des Schlüsselreizes, also der aktuell vorliegenden Umweltsituation, ab, sondern auch von der endogen erzeugten aktionsspezifischen Erregung, die als Bereitschaft bezeichnet wird. Exogener Reizwert und endogene Bereitschaft können sich danach gegenseitig vertreten, was Auslösung und Intensität der Erbkoordination be trifft. Dieses Kernstück der Theorie wird von Lorenz als Prinzip der doppelten Quantifizierung bezeichnet. In seinem psychohydraulischen Modell (1978, s. Abb.1.9)) wird die aktionsspezifische Bereitschaft durch die Füllhöhe eines Flüssigkeitsbehälters dargestellt, während das Auslaufen des Flüssigkeitsbehälters dem Ablauf der Erbkoordination entspricht.

Das Auslaufen wird jedoch durch ein Ventil mit Rückhaltefeder zunächst verhindert. Im ursprünglichen Modell wird der Reizwert des Schlüsselreizes durch ein Gewicht veranschaulicht, welches das Ventil entgegen der Federkraft zu öffnen trachtet; ist das Gewicht groß genug, öffnet sich das Ventil schlagartig, und der Behälter entleert sich je nach Füllhöhe mehr oder weniger heftig.

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