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Das Elend des Christentums Ein Klassiker der Religionskritik in neuer Auflage von Kahl, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2014
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Das Elend des Christentums

1968: Der frische gebackene Doktor der Theologie Joachim Kahl tritt aus der Kirche aus und veröffentlicht im Rowohlt Verlag 'Das Elend des Christentums'. Das Buch des erst 27-jährigen erlebt einen beispiellosen Erfolg, verkauft sich in kürzester Zeit über 100.000-mal und wird in vier Sprachen übersetzt. Es liefert die religionskritische Begleitmusik zur Studentenbewegung und trifft einen Nerv der Zeit. Die jetzt vorliegende dritte Auflage ist ergänzt um ein neues Vorwort und ein beachtenswertes Interview mit Kahl. Dass Kahl schonungslos die Widersprüchlichkeiten von Kirche und Christentum aufzeigt, und dass er dies in einer wortgewaltigen und bildreichen Sprache tut, macht 'Das Elend des Christentums' zu einem Klassiker der Religionskritik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 16.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828860650
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 1026 kBytes
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Das Elend des Christentums

EINLEITUNG VON 1993

Nein, ich bereue meine Absage an den christlichen Glauben und meinen Kirchenaustritt nicht. Zwar sehe ich heute – nach mehr als fünfundzwanzig Jahren – vieles anders, vieles differenzierter, aber mein Nein zur christlichen Botschaft aus Gründen der Vernunft und des Gewissens findet sich immer erneut bestätigt.

Ja, ich bin geradezu froh, dass ich kein "Menschenfischer" geworden bin, der in der Nachfolge und auf Geheiß Jesu Menschen fischt (Markusevangelium, Kapitel 1, Vers 17). Ein verräterisches Sinnbild des christlichen Glaubens, Menschen wie Fische im Netz fangen zu wollen! Da gefällt mir die kauzig-provokative Art des griechischen Philosophen Diogenes schon besser. Er ging am hellichten Tag mit einer Laterne auf den Marktplatz, um dort Menschen zu suchen. So respektierte er die menschliche Freiheit und übte zugleich eine hintergründige Sozialkritik, die zur Nachdenklichkeit einlud.

Die Botschaft der christlichen Schlüsselgestalt "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich" (Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 6) ist anmaßend und bodenlos. Es gab und gibt viele Wege, jeder Mensch muss seinen eigenen suchen und selber gehen.

Der Personenkult, der in unserem Jahrhundert so schreckliches Unheil über die Völker gebracht hat, ist im christlichen Glauben vorgeprägt. Die christliche Zeitrechnung, der es gelang, zur vorherrschenden auf dem Erdball erhoben zu werden, sieht in dem Auftreten Jesu von Nazareth die Zeitenwende schlechthin. Aber die Einteilung der gesamten Menschheitsentwicklung in ein simples "vor" und ein "nach" Christi Geburt zeugt von einer aberwitzigen Selbstüberschätzung der christlichen Religion. Zugleich vertuscht sie einen peinlichen Umstand, der – paradox genug – den Aufstieg des Christentums zur Weltreligion erst ermöglichte: den grandiosen Irrtum Jesu und der Urgemeinde, den wunderbaren Ausbruch des "Reiches Gottes" in unmittelbarer Nähe zu wähnen und ebendeshalb auf den Untergang dieser Welt und die Schaffung eines "neuen Himmels" und einer "neuen Erde" zu hoffen.

Aber diese Welt ist nicht untergegangen. Sie besteht nach wie vor. Insofern dokumentiert die christliche Zeitrechnung das Scheitern der ursprünglichen Heilserwartung und zugleich den Aufstieg des Christentums zur Weltreligion durch geschickte Anpassung an die tatsächlich eingetretene Situation.

Seither verkünden die Kirchen: In Geburt, Wirken, Tod und Auferstehung Jesu Christi offenbare sich die Liebe Gottes zur Welt, habe sich bereits der entscheidende Schritt zum "Frieden auf Erden" und zur Erlösung der Menschen vollzogen. Franz Overbeck, der Baseler Altmeister unwiderlegter Bibel- und Christentumskritik, kommentierte sarkastisch: Das Christentum könne sein "Unterfangen, die Welt von Gottes Liebe zu überzeugen", "nur mit Atheismus abbüßen". 9

In der Tat: Wo war und wo bleibt die unendliche Liebe Gottes zu den Menschen vor und nach Christi Geburt? Wo zeigt sich, wie äußert sich – im wirklichen Leben von Mensch und Tier – die fürsorgliche Vatergüte, die aufhelfende Barmherzigkeit, die überquellende Freundlichkeit, die ewige Gerechtigkeit Gottes? Wofür sollen die Menschen "dem Herrn lobsingen", Gott demütig Dank darbringen, wie die Bibel und die kirchliche Liturgie unermüdlich fordern?

Die Nachrichten in der Zeitung und im Fernsehen strafen die Verheißungen der "frohen Botschaft" täglich Lügen und untergraben den Glauben. Kein gütiger

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