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Das Gewaltpotenzial der Religionen

  • Erscheinungsdatum: 27.11.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Das Gewaltpotenzial der Religionen

Die abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, nach eigenem Bekunden Religionen des Friedens, stehen gerade auch heute wieder in Zusammenhang mit brutalen Kriegszügen und Terrorakten im Fokus des medialen Interesses. Es liegt daher nahe zu fragen, ob den monotheistischen Religionen neben dem Friedens- auch ein Gewaltpotenzial gemeinsam ist: So haben nicht nur Kreuzzüge und Türkenkriege auf den Seiten aller Beteiligten Spuren hinterlassen, die bis heute Denken und Verhalten prägen; bereits in den Heiligen Schriften der drei großen monotheistischen Religionen finden sich Passagen, die ohne die notwendigen hermeneutischen Kenntnisse den Anderen zu diffamieren scheinen oder angeblich gar zu seiner Vernichtung aufrufen. Angesichts einer Entwicklung, in der gesellschaftliche und politische Konflikte zunehmend unter Zuhilfenahme religiöser Argumente ausgetragen werden, ist eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dieser Thematik dringend geboten.

Prof. Dr. Dr. Ina Wunn lehrt Religionswissenschaft an der Universität Hannover. Prof. Dr. Beate Schneider, Vizepräsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, lehrt dort Medienwissenschaften.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 27.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170256446
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Serie: Religionsforum Bd.11
    Größe: 2343 kBytes
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Das Gewaltpotenzial der Religionen

Religion als Ursache von Frieden und Konflikt

Gerard Tlali Lerotholi , OMI

Abstract

Religion ist ein menschliches Phänomen, das von keiner Gesellschaft oder Regierung ignoriert werden kann und mit dem vorsichtig umgegangen werden muss, weil es dazu dienen kann, die Gesellschaft aufzubauen oder zu vernichten, menschliches Leben zu retten oder zu zerstören. Religion hat das Potenzial, in beide Richtungen eingesetzt zu werden, und wurde in beide Richtungen benutzt. Die Geschichte zeigt, dass mit religiöser Praxis oftmals Gewalt einhergeht. Alle großen Religionen sind trotz ihres Anspruchs, auf Frieden gegründet zu sein, und der Behauptung, Frieden zu predigen, mit Gewalt behaftet. Ihre jeweiligen Texte und Rituale stiften nicht nur Beziehungen zwischen ihren Anhängern und Gott, sie begründen auch Haltungen anderen Religionen gegenüber: Sie verpflichten ihre Anhänger zu einer Reihe von Glaubensinhalten und Dogmen, die andere Religionen ausschließen. Dadurch kann es zu religiöser Intoleranz und zu religiösem Extremismus kommen. Nicht Religion an sich ist der Grund für Konflikte, es sind diejenigen, die Religion für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Das Streben nach Weltfrieden ist die Aufgabe jedes Einzelnen: Entweder leben wir zusammen in Frieden und Harmonie, oder wir gehen gemeinsam im Streit unter. Aufgrund der Unwissenheit im Bezug auf andere Religionen ist es notwendig, die religiösen Lehren und Praktiken des anderen zu studieren. Von den Gläubigen muss eine bewusste Anstrengung unternommen werden, Liebe und Verständnis zwischen unterschiedlichen Menschen zu fördern. Sie müssen davon absehen, Religion politisch einzusetzen, um Feindschaft und Gewalt anzufachen. Letztlich müssen sie davon Abstand nehmen, ihre eigene Religion als anderen Religionen überlegen, als die einzig wahre oder endgültige zu bezeichnen. Religiöse Konflikte haben eine lange Geschichte. Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, aber wir können die Zukunft gestalten.
1. Was ist Religion?

Bekanntermaßen gibt es keine allgemein anerkannte Definition von Religion, denn der Begriff Religion kann für verschiedene Menschen ganz unterschiedliche Bedeutung haben, und Menschen können völlig unterschiedliche Handlungen im Namen ihrer Religion und als essenziellen Bestandteil ihrer Religion ausführen. Was für den einen Religion ist, kann für den anderen bloßer Aberglaube sein, und was der eine als heilige Handlung vollzieht, ist für den anderen sinnloses Tun, bedeutungsloses Tun oder sogar ein krimineller Akt. Religion ist also ein schwieriges, aber nichtsdestoweniger mächtiges Phänomen, das mit Sorgfalt behandelt und betrachtet werden muss.

Wir sollten daher gar nicht erst versuchen, eine allgemein gültige Definition zu formulieren, denn wir würden unweigerlich scheitern. Wir werden uns stattdessen an die Wurzeln der Weltreligionen begeben und den Begriff zunächst einmal einer etymologischen Betrachtung unterziehen. Der Begriff "Religion" lässt sich auf drei lateinische Worte zurückführen: auf "ligare", binden; auf relegere mit der Bedeutung von wieder auflesen, wieder aufsammeln, bedenken und beachten; und zuletzt auf "religio", Bedenken, Gewissenhaftigkeit, aber auch Bindung. Die etymologische Bedeutung des Begriffs "Religion" macht also deutlich, dass Religion etwas ist, das Menschen aneinander bindet, das Menschen vereint und sie in eine Beziehung zueinander oder aber auch zu etwas bringt. Religion bindet in zweierlei Weise: mit Gott einerseits und mit den Mitgeschöpfen andererseits.

Sie verbindet den Adoranten mit Gott (oder mit der transzendenten Person oder Kraft, an die er glaubt), sie vereint ihn mit Gott und stellt eine Verbindung zu Ihm her. Gleichzeitig bindet Religion ihre Anhänger untereinander und stellt auch hier Bindungen her. Religion ist also immer beides: individuell und auf die Gruppe bezogen, genau wie der Mensch selbst

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