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Die Legende von der christlichen Moral Warum das Christentum moralisch orientierungslos ist von Edmüller, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2015
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Die Legende von der christlichen Moral

Sind Kirchen und christliche Religion tatsächlich moralisch so kompetent, wie sie immer behaupten? Ist das nicht Wunschdenken? Denn wie kann es sein, dass zu fast jeder moralisch wichtigen Frage durchaus gläubige wie kompetente Christen so gut wie jede mögliche Antwort ernsthaft vertreten und vertreten haben: Christen plädieren für Pazifismus und Kriegsbereitschaft, für Sozialismus und Kapitalismus, für die Gleichberechtigung und die Unterordnung der Frau, für und gegen gleichgeschlechtliche Liebe und homosexuelle Ehe, Empfängnisverhütung und Sterbehilfe. Wie ist diese moralische Orientierungslosigkeit einer Religion zu erklären, die sich hartnäckig immer wieder selbst als Hüterin der Moral versteht? Andreas Edmüller kommt in seinem Buch zu einem überraschenden Ergebnis: Eigentlich verfügt das Christentum über keinerlei ernstzunehmende Morallehre. Denn was man findet, ist lediglich ein in sich unstimmiges und unsystematisches Konglomerat an Geboten und Verboten, Gleichnissen und biblischen Erzählungen, sind Appelle an Autoritäten, antike Präzedenzfälle, Missverständnisse und oft kaum haltbare Interpretationen der angeblich heiligen Schriften. Und selbst wenn da mehr wäre - es ließe sich nicht vernünftig begründen. Das ganze Gebilde der christlichen Moral hängt wie eine esoterische Pseudo-Lehre in der Luft. Edmüllers Fazit: Die moralische Relevanz des Christentums ist im Rahmen verantwortungsvoller und vernünftiger Diskussion vernachlässigbar, ja oft genug sind christliche Positionen sogar schädlich.

Dr. Andreas Edmüller ist Privatdozent für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 257
    Erscheinungsdatum: 30.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828863293
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 1147 kBytes
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Die Legende von der christlichen Moral

2. Kapitel: Die normative Beliebigkeit des Christentums

In diesem Kapitel geht es mir um die Plausibilisierung der empirischen These, dass zu normativen Fragen so gut wie keine einheitlichen oder berechenbaren Antworten von Seiten des Christentums zu erwarten sind. Dies gilt nicht nur interkonfessionell, also im Vergleich der einzelnen christlichen Glaubensrichtungen, sondern auch intrakonfessionell - z.B. im Rahmen der katholischen Variante des Christentums. Für diese Datensammlung trenne ich aus Gründen der Übersichtlichkeit den Bereich des Normativen in die Fragen nach der politischen Gerechtigkeit und der Moral im engeren Sinne. Ab dem nächsten Kapitel gehe ich dann der Frage nach, wie diese normative Beliebigkeit erklärt werden kann.

Politische Gerechtigkeit

In diesem Abschnitt geht es um die Fragen, wie ein gerechter Staat strukturiert sein sollte, welchen Einfluss er auf das Leben der Bürger nehmen sollte und in welche Lebensbereiche sich der Staat nicht einmischen sollte. Natürlich kann ich nicht für das gesamte Christentum eine umfassende Bestandsaufnahme liefern. Ich beschränke mich deshalb auf so typische wie wichtige und aussagekräftige Beispiele zur Stützung der Beliebigkeitsthese.

Erste Indizien

Betrachten wir die deutsche Parteienlandschaft, so fällt auf, dass mit Ausnahme der Linken überall bekennende Christen in führenden Positionen vertreten sind. Auf jedem Kirchentag treten sie medienwirksam in Erscheinung, halten Reden und leiten Workshops. Gepredigt wird auch von Zeit zu Zeit. Gleiches gilt für die Laienorganisationen der christlichen Kirchen. Bekannte Politiker gehören dort zur Stammbesetzung. Ich glaube nicht, dass dieses Engagement für den Glauben ausschließlich oder vorwiegend auf wahltaktische Überlegungen zurückzuführen ist. Man wird bei uns - ganz im Gegensatz zu den USA - auch ohne Bekenntnis oder aktiven Bezug zur christlichen Religion gewählt. 12 Umso überraschender scheint, dass es offenbar nicht möglich ist, unter aufrichtigen Christen zu einheitlichen Antworten auf wichtige politische Grundsatzfragen zu kommen. Grüne Christen schaffen es nicht, sich mit liberalen Christen auf die Grundlagen der Wirtschaftspolitik zu einigen. Sozialdemokratische Christen haben eine andere Einstellung zu Fragen des Rüstungsexports als christsoziale. Christdemokratische Christen wollen eine grundlegend andere Familienpolitik als grüne oder liberale Christen. Und für Themen wie Sterbehilfe oder Abtreibung gilt genau das Gleiche. Und so weiter ....

Dieser erste Eindruck eines sehr, sehr breit gefächerten christlichen Gerechtigkeitspluralismus wird durch einen Blick in die Regale jeder gut sortierten Buchhandlung oder deren Angebot im Internet verstärkt. Unter Bezug auf Jesus Christus und seine Lehre wird vom klassischen Kapitalismus über den Sozialstaat bis hin zum konsequenten Sozialismus so ziemlich jede politische und wirtschaftliche Systemvariante vertreten. Hier ein paar Titel zur Veranschaulichung:

- Jesus, der Kapitalist: Das christliche Herz der Marktwirtschaft.

- Christentum und Sozialismus: Ein gesellschaftspolitischer Brückenschlag.

- Gieriges Geld: Auswege aus der Kapitalismusfalle - Befreiungstheologische Perspektiven.

Auch hier gilt: Offensichtlich kommen gleichermaßen engagierte und gebildete Christen nach ausführlicher Überlegung zu grundlegend unterschiedlichen Resultaten. Und zwar auf Basis derselben Heiligen Schrift, der Bibel. Wie kann das sein? Die bisher genannten Beispiele mögen harmlos erscheinen, sind sie doch im Rahmen demokratischer Meinungsvielfalt prinzipiell vertretbar.

Politische Gewalt

Dieser Eindruck der Harmlosigkeit ändert sich, wenn man den Blick erweitert und auf die nähere deutsche Vergangenheit richtet. Die Geschichte des Christentums im Nationalsozialismus liefert die ganze Bandbreite möglicher Positionen. Viele Christ

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