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Die Weltreligionen und wie sie sich gegenseitig sehen

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2014
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Die Weltreligionen und wie sie sich gegenseitig sehen

Wie bewertet der Islam das Christentum? Welche Gemeinsamkeiten existieren zwischen Judentum und Buddhismus? Inwiefern rezipierten hinduistische Gelehrte die Bibel? Wie sahen und sehen sich die Religionen gegenseitig? Wo berühren sie sich in ihrem Glauben oder in ihren heiligen Schriften? Und wo liegen unüberbrückbare Unterschiede? Der vorliegende Band befasst sich mit der wechselseitigen Wahrnehmung der fünf Weltreligionen: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem Christentum, das dementsprechend in Katholizismus, Protestantismus und Orthodoxie gegliedert ist. In sieben Kapiteln erfährt der Leser, wie sich der wechselseitige Blick historisch entwickelte, in welchen Institutionen sich der Dialog zwischen den Religionen manifestiert, und wie sich der Alltag des interreligiösen Zusammenlebens in verschiedenen Ländern und Kontinenten bis heute gestaltet. Mit Beiträgen von: Johann Figl, Vasilios Makrides, Ulrich Dehn, Gianfranco Miletto, Monika Tworuschka, Andreas Nehring, Frank Usarski, Rafal Shoji u. a. Udo Tworuschka ist Professor für Religionswissenschaft in Jena. Mit Beiträgen von: Johann Figl, Vasilios Makrides, Ulrich Dehn, Gianfranco Miletto, Monika Tworuschka, Andreas Nehring, Frank Usarski, Rafal Shoji u. a.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896788726
    Verlag: Primus
    Größe: 1191 kBytes
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Die Weltreligionen und wie sie sich gegenseitig sehen

Enterbte Synagoge oder unverzichtbarer Partner? Der Blick auf das Judentum

Eine blinde Frau (bzw. eine Frau mit verbundenen Augen) als synagoga (Synagoge), eine sehende als ecclesia (Kirche) - dieses aus der Kunstgeschichte bekannte Motiv vermag die über Jahrhunderte herrschende Einschätzung sprechend wiederzugeben. Die neuere theologische Diskussion bedient sich dagegen zunächst der Metapher Mutter-Tochter aus dem familiären Beziehungsgefüge. Inzwischen wird die Rede von zwei Geschwistern bevorzugt, da erst dieses Bild dem Umstand Rechnung trägt, dass sowohl das heutige Judentum als auch das heutige Christentum sich einem gemeinsamen jüdischen Nährboden verdanken, den sie jeweils in unterschiedlicher Weise aufgenommen und weiterentwickelt haben. - Was hier über die katholische Seite zu sagen ist, gilt natürlich für die Zeit vor den Kirchenspaltungen für das gesamte Christentum.

Eine erste Vorbemerkung lenkt den Blick auf die historische Entstehungsreihenfolge der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum, Islam (und evtl. auch Bahai): Aus religionsgeschichtlicher Perspektive hat sich die jeweils jüngere auf der Basis der älteren entwickelt - und damit viele von deren Vorgaben übernommen, einige modifiziert. Aus diesem Faktum folgt, dass die jeweils jüngeren Religionen in ihrem Selbstverständnis auf ihre Vorgängerinnen vielfach angewiesen sind und ihnen gegenüber ein argumentatives Legitimationsbedürfnis aufweisen, während umgekehrt für die jeweils älteren Religionen dieser Bedarf nicht in gleichem Maße besteht; sie können in ihrem Selbstverständnis durchaus ohne die späteren auskommen und diese auch als irrelevante Häresien (Ketzerei) aus ihrem Blickfeld ausgrenzen. Es ist hier nicht der Ort, diese These ausführlich zu belegen, es geht vielmehr darum, den Mechanismus als solchen zu benennen.

Eine zweite These thematisiert den Zusammenhang zwischen den vielen Konflikten im jüdisch-christlichen Verhältnis und der besonderen Nähe dieser beiden Religionen: Wie im persönlichen oder auch politischen Leben, so liegt auch in der Beziehung zwischen den Religionen das größte Konfliktpotenzial nicht zwischen möglichst weit voneinander entfernten Akteuren, sondern umgekehrt: Je näher, vertrauter man sich ist, je mehr einem mit dem anderen gemeinsam ist, umso mehr gibt es auch Stoff und Motivation für Auseinandersetzungen - mit meinen Nachbarn und Verwandten habe ich mehr Kämpfe ausgefochten als mit Herrn X aus Y, mit Frankreich hat Deutschland mehr Kriege geführt als mit China, mit dem Judentum hat das Christentum intensivere Konflikte ausgetragen als mit dem Buddhismus.

Diese letzte provokante These wird im Fall der Fragestellung zum Verhältnis von Christentum und Judentum nochmals dadurch verschärft, dass innertheologische Positionen in beiden Religionen infrage stellen, ob es sich bei Christentum und Judentum überhaupt um zwei verschiedene Religionen handelt. Natürlich ist die Frage der Trennung zwischen beiden Größen religionsphänomenologisch durchaus positiv zu beantworten - aber dennoch bleiben die Gegenargumente bestehen, und zwar interessanterweise auf beiden Seiten. Wem diese Überlegungen als überzogene Spekulationen erscheinen, dem sollte zu denken geben, dass die katholische Kirche auf struktureller Ebene ihre Beziehungen zum Judentum nicht, wie man erwarten könnte, im Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog angesiedelt hat, sondern im Bereich des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Jesus und die ersten Christen

Die enge Verbindung zwischen Judentum und Christentum zeigt sich am deutlichsten in den Anfängen, auch wenn dieser Sachverhalt über weite Strecken der Kirchen- und Theologiegeschichte paradoxerweise kaum Beachtung gefunden hat: Jesus von Nazareth, die zentrale Gestalt des christlichen Glaubens, ist selbst nicht der erste Christ, sondern durch und durch Jude. Seine Mut

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