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Glauben ohne Christentum Eine Vision von Wimberger, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2013
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Glauben ohne Christentum

Die Zustimmung zu tradierten Formen des Glaubens und dogmatischen Lehren schwindet. Zurück bleibt der Wunsch nach einem geistig erfüllten Leben. Gerhard Wimberger, Komponist, Dirigent und bis 1991 Professor am Mozarteum in Salzburg, weist in diesem prägnanten Buch als Künstler den Weg hin zu einer religionsfreien Innerlichkeit. Es kann gelingen, den Ballast aus 2000 Jahren Christentum mit seinen fundamentalen Glaubensinhalten zu überwinden, ohne damit die eigenen historischen Wurzeln zu negieren. Auch in religiöser Hinsicht gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Der Autor begründet im ersten Teil seines Buches übersichtlich und unpolemisch, weshalb das Christentum im dritten Jahrtausend seine Aussagekraft verloren hat. Erschreckend viele Menschen haben zudem wenig Ahnung davon, was 'ihre' Kirche lehrt und auf welchen Fundamenten sie ruht. Im zweiten Teil beschreitet er Wege über den Humanismus hin zu einer agnostisch-atheistischen Religiosität: Religiosität verstanden als eine im Menschsein angelegte Form vom Ahnen eines Unbegreifbaren - ohne einen Glauben an übernatürliche Mächte und irreale ethische Instanzen. So wachsen auch Wissenschaft und Glauben wieder zusammen.

Gerhard Wimberger, Komponist und Dirigent, unterrichtete am Mozarteum in Salzburg jahrzehntelang Dirigieren und Komposition. 1971bis 1991war er Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele. Er komponierte u.a. sechs Opern mit Uraufführungen in Mannheim, Wiesbaden, München und Salzburg. Seine Werke wurden durch namhafte Orchester (u.a. Wiener und Berliner Philharmoniker) und Dirigenten (u.a. Herbert von Karajan) zur Aufführung gebracht. Zahlreiche Schriften, Aufsätze, Reden und Buchveröffentlichungen. Wimberger ist Beiratsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich für Religionskritik und eine humanistische Ethik einsetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 135
    Erscheinungsdatum: 19.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828857056
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 165 kBytes
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Glauben ohne Christentum

II Vom Christentum zu humanistischer Religiosität

Es wird deutlich, dass zu Beginn des neuen Jahrtausends die Geistesgeschichte des Menschen sich einem neuen Abschnitt zubewegt. Der Dämon des Frühmenschen, die Götter der Antike, der eine Gott der monotheistischen Religionen haben ihre Macht verloren. Der Mensch weiß, dass der zerstörende Blitz nicht von einer bösen jenseitigen Macht gesendet wird, sondern ein physikalisch haargenau zu erklärendes Naturereignis ist, der Tsunami keine Strafe Gottes für die sündigen Menschen, sondern das Resultat eines Zusammentreffens von komplexen Kräften im Inneren des Planeten, der Krebstod nicht demütig als "Wille Gottes" erlitten werden muss, sondern mit allen Mitteln der modernen Onkologie zu behandeln und, mit hoffentlich wachsender Erfolgssicherheit, zu heilen ist. Doch immer noch ist das Verlangen wach, dem Himmel Opfer zu bringen, um Böses von sich abzuwenden. Natürlich darf nicht vergessen werden, welch unvergängliche Meisterwerke der Kunst wir diesem Antrieb zu verdanken haben, sich Gott wohlgefällig zu erweisen, ihm mit einem hohen Kirchturm näher zu sein oder ihm ein vielstimmiges "Halleluja" zu singen. Aber nun beginnt der Mensch die Sinnlosigkeit zu durchschauen, die himmlischen Mächte durch Opfer gnädig stimmen zu wollen, er wird gewahr, dass jene darauf nicht reagieren.

Die Schweigsamkeit der Götter bereitet den Menschen heute wachsendes Unbehagen. Es ruft Distanz zu stumm-unsichtbaren Welt- und Lebenslenkern hervor und führt zur Frage, ob etwas, das noch nie Antworten gab, als überhaupt existierend verstanden werden kann. Das Für-wahr-Halten der religiösen Verkündigung, dieses numinose Etwas existiere, erschaffen im Glauben , wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schwieriger.

Wie unbeeindruckt von dieser Entwicklung setzen die Kirchen ihre rituelle Tradition des Lobens und Opferns auf festlich-theatralische Weise in ihren Gottesdiensten fort. So sehr diese geistlichen Feiern einen wertvollen Beitrag zur aktuellen Pflege von Kunst und Kultur darstellen, so wenig darf übersehen werden, dass die "heilige" Liturgie 104 dieser kirchlichen Zeremonien zu einem großen Teil aus Dank – ... dass du mich gescha f fen hast, ...dass du mich so wunderbar gestaltet hast 105 – besteht, aus Preis, Lob, Gebet und Bitte, gerichtet an den "Herrn Jesus Christus" und "Gott, unseren Herrn", dass die Priester weniger vom Menschen in all seiner leiblichen und seelischen Ausgesetztheit als vielmehr von Gott und Jesus Christus in ihrer unendlichen Herrlichkeit sprechen.

Christliche und islamische Kulthandlungen sind mächtige Demonstrationen der fundamentalen Abhängigkeit des Menschen von Gott. Ich komme um die harte Feststellung nicht herum: Diese Desavouierung des Menschen zu einer Gottesmarionette ist 2.000 Jahre nach Christus und 1.400 Jahre nach Mohammed nicht mehr erträglich. Hat der Mensch diese wahrhaft gigantischen, weltumspannenden schöpferischen Leistungen, Erfindungen und Gestaltungen, mit denen er sich sein kurzes Dasein in dieser Welt des Fressens und Gefressenwerdens einigermaßen erträglich machen konnte, nun wirklich nur dem transzendenten Baumeister, Künstler und Ingenieur namens Gott zu schulden? Nein, und davon bin ich fest überzeugt, hier handelt es sich nicht um ein von oben Geschenktes, für das man kniend danken muss, sondern um des Menschen eigenes Wissen, Planen und Können. Die Evolution hatte in ihm dieses geheimnisvolle Gedanken-Navigationssystem Bewusstsein erschaffen, und dies verlieh und verleiht ihm die Fähi

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