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Menschwerden aus Passion Das Religiöse in der Malerei von Rudolf Hausner (1914-1995) von Marks, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Menschwerden aus Passion

Der Diskurs über Bilder, ihre Präsenz und ihre Wirkungen ist bislang weitgehend an der Praktischen Theologie vorbeigegangen. Die vorliegende Untersuchung wagt erste Schritte in dieses fremde Terrain. Sie hebt wichtige rezeptionsästhetische Fragen ans Licht, diskutiert sie im Rahmen dreier zentraler praktisch-theologischer Arbeitsfelder (Predigt, Liturgie, Seelsorge) und reflektiert sie dort, wo die Bildthematik ihren kulturellen Ausgangspunkt hat: im Resonanzraum der bildenden Kunst. Insofern kommt dieser interdisziplinären Arbeit Pionierfunktion zu. Sie beschreitet dabei einen induktiven Weg. In der Auseinandersetzung mit den Adam- und Abendmahlsbildern des Wiener Malers Rudolf Hausner wird exemplarisch rekonstruiert, wie sich die visualisierte Reflexion des Künstlers und die rezeptionsästhetische Reflexion des Betrachters über die Arbeit des Bildes gegenseitig erschließen. Zur Erhellung der religiösen Dimension und der bildtheoretischen Impulse werden Erkenntnisse aus Psychoanalyse, Pneumatologie und dem interdisziplinären Bilddiskurs einbezogen. Mit dieser detail- und kenntnisreichen Interpretation tritt der Verfasser als einer der wohl besten Kenner des Lebenswerks von Rudolf Hausner in Erscheinung.

Dr. theol. Matthias Marks ist Pfarrer in der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 14.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170294707
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 8227 kBytes
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Menschwerden aus Passion

B
Das Religiöse in Hausners Werk

Begriffsklärung
1 Religiosität, Religion

Im Zentrum dieser Arbeit steht das Religiöse im Werk von Rudolf Hausner. Im Folgenden soll erläutert werden, was damit gemeint ist. Der Aufriss dieses Kapitels entspricht dem Werdegang des Erkenntnisprozesses. Den hermeneutischen Kriterien zufolge 163 vermittelt sich das Inhaltliche der Adam-Bilder nicht unabhängig von inneren Bildern, die der Betrachter bewusst und unbewusst mitbringt, wenn er vor einem Hausner-Gemälde steht. Das betrifft auch das, was hier als religiös bezeichnet wird. Denn ob dies vom Betrachter erkannt oder nicht erkannt wird, hängt auch mit einem bestimmten Vorverständnis zusammen, das sich im Einflussbereich abendländischer Hermeneutik zunächst vorrangig biblisch, christlich bzw. kirchlich geprägt zeigt (1a).

Durch die rezeptionsästhetische Auseinandersetzung und das damit verbundene Wahrnehmungspotential ist die religiöse Dimension jedoch noch elementarer zu erfassen 164 , z.B. über Motive, die auf den ersten Blick als 'unreligiös' erscheinen, bei näherem Hinsehen aber über ihre ikonographische Wertigkeit hinausweisen, also mehrdeutig sind. 165 Es ist dieser Erkenntnisprozess selbst Ausdruck dessen, worum es hier geht (1b-c) und was im Diskurs mit neueren religionshermeneutischen Ansätzen in der Theologie auf den Begriff zu bringen ist (2).
a) Die Mehrdeutigkeit der religiösen Ikonographie

Im gemalten Werk des Wiener Künstlers sind elf Bilder zu finden, in denen Religiöses direkt einzusehen, als biblisch, christlich bzw. kirchlich geprägte Ikonographie auf den ersten Blick erkennbar ist. Diese Bilder sind:

Die Arche des Odysseus (1948-51, 1953-56)
Links in dem Bild erkennt man, hinter dem Matrosen bzw. über seiner rechten Schulter, außerhalb der Arche, aber durch das offene Fenster sichtbar, das aus oder hinter der trapezförmigen Parkanlage aufragende, mit der Kuppel und den Seitentürmen charakterisierte Wahrzeichen des Wiener Katholizismus, die Karlskirche ( vgl. Rez.-ästh. I).

Penelope (1952)
Auf dem hauchdünnen Glastablett, das in den Raum einschwebt und von Penelope auf den ersten drei Fingern ihrer rechten Hand balanciert wird, stehen drei Gegenstände. Die beiden hinteren erinnern an Abendmahlsgeräte. Links steht der Krug für den Wein, rechts das Ciborium für die Oblaten/Hostien ( vgl. Rez.-ästh. I).
Labyrinth (1963)
Auf der linken Bildseite erscheinen wie in einem 'Feuerofen' 166 oder wie aus einem unterirdischen Abwasserkanal heraufschnellend drei Männer in einem mit Staffeleilatten und Brettern provisorisch eingerüsteten goldenen Gefährt, das auf der vorderen Seite ein verziertes ovales Schutzengel-Amulett trägt und das als Abendmahlskelch, spätmittelalterliches Taufbecken und Predigtkanzel auf das kirchliche Sakrament verweist ( vgl. Rez.-ästh. II, C).

Adams Alternative (1969)
In diesem Bild öffnet sich in der oberen Hälfte rechts die Ziegelwand zu einem Fenster, in dem ein religiöses Bild aus der Kunstgeschichte, der Kopf des "Toten Christus im Grabe" (1522) von Hans Holbein dem Jüngeren 167 zu erkennen ist. In mittelalterlicher Bildtradition beheimatet ist ebenfalls der Bogenscheitel des Fensters, in dem diese Epiphanie präsentiert wird. Auch die von oben ins Bild ragende 'Hand Gottes' hat ihre alte ikonographische Tradition. Das Fensterbild verweist auf die christliche Vorstellung von Tod, Auferstehung und ewigem Leben ( vgl. näher unter b ).

Adams Kinderbildnis

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