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Religiös ohne Gott Warum wir heute anders glauben von Scholl, Norbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
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Religiös ohne Gott

Gott ist tot - es lebe die Religiosität? Ausgehend von der Beobachtung, dass die Kirchen immer leerer werden, aber eine große Zahl von Menschen nach wie vor von sich behauptet, 'religiös' bis 'sehr religiös' zu sein, begibt sich Norbert Scholl in seinem neuen Buch auf eine spannende Spurensuche: Welche Formen von Religiosität außerhalb der Kirchen sind heute zu beobachten, woran glauben die Menschen, wonach suchen sie, wenn sie sich aus verschiedenen religiösen und esoterischen Strömungen, aber auch aus Elementen der Kunst und der Naturerfahrung ihre individuelle Religiosität zusammenstellen? Was ist Religiosität überhaupt, worauf beruht sie und welche Voraussetzungen und Bedingungen hat sie? Lebendig und mit zahlreichen Beispielen aus dem Alltag beschreibt der Autor neue Formen und Ausdrucksweisen von Religiosität. Norbert Scholl, Prof. Dr., war von 1969 bis 1996 Professor für kath. Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg; zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Ein Bestseller entsteht - Das Matthäusevangelium (Regensburg 1999); Wenn der Kinderglaube nicht mehr trägt (Freiburg 2002).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 174
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650725592
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 1167 kBytes
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Religiös ohne Gott

Beschreibungsversuche

Friedrich Schleiermacher: Anschauen des Universums

Einer der Ersten, die sich mit der grundsätzlichen Frage nach dem Wesen der Religion befassen, ist Friedrich Schleiermacher (1768-1834). Er vertritt die Ansicht, dass "Anschauen des Universums [...] die allgemeinste und höchste Formel der Religion (ist), woraus Ihr jeden Ort in derselben finden könnt, woraus sich ihr Wesen und ihre Grenzen aufs genaueste bestimmen lassen." 3 Sie ist das Bewusstsein unserer Einheit mit dem Unendlichen. Im "Anschauen" geschieht eine Einflussnahme des Angeschauten auf den Anschauenden. Zum "Anschauen" sind wir auf die ganze Welt verwiesen, überall spiegelt sich in ihr ein Teil des Ganzen. Aus dem "Anschauen" erwächst das Bewusstsein unserer Einheit mit dem Unendlichen.

Schleiermacher wendet sich damit gegen die Auffassung von Religion als Metaphysik oder Moral und stellt ihr ein subjektives und vor-reflexives Zentrum entgegen. Religion "an sich" ist kein objektives und universales Denken, sondern lebendige Erfahrung und kosmische Wirklichkeit. Er siedelt Religion und Religiosität nicht vorzugsweise im Bereich der Begriffe oder der ethischen Praxis an, sondern in persönlicher Innerlichkeit und Ergriffenheit. Religion ist eine Weise der Weltbetrachtung, eine mentale Disposition oder eine innere Haltung.

In der zweiten Auflage seines Werkes ersetzt Schleiermacher den Begriff "Anschauen" durch den Begriff "Gefühl". Religion ist "eine Bestimmtheit des Gefühls oder des unmittelbaren Selbstbewusstseins", deren "Wesen" darin besteht, "dass wir unserer selbst als schlechthin abhängig oder, was dasselbe sagen will, als in Beziehung mit Gott bewusst sind." 4 Von daher rührt wohl die häufig zitierte, aber nicht ganz richtige Kennzeichnung des Schleiermacher'schen Religionsbegriffs als "Gefühl schlechthinniger Abhängigkeit". Denn er versteht - gleich wie das "Anschauen" - auch das "Gefühl" nicht als einseitiges, subjektives Fühlen, sondern als ein von "allen anderen Gefühlen" unterschiedenes Gefühl.

Rudolf Otto: Das Heilige

Ziemlich genau 100 Jahre später veröffentlicht Rudolf Otto (1869-1937) sein noch heute viel zitiertes Werk "Das Heilige" 5 . Im Untertitel präzisiert er genauer, was er darunter versteht: "Das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen". Otto führt darin Gedanken weiter und baut sie aus, die er bei Immanuel Kant (1724-1804) und Jakob Friedrich Fries (1773-1843) gefunden hatte. 6 Kant folgt er in der Annahme, dass es im Bewusstsein "unaussprechliche Gegenstände" gibt, Fries in dem Begriff der "Ahndung" als Ausdruck für das religiöse Gefühl, welches ein intuitives Wissen vom Ewigen im Endlichen ist. "Otto konnte damit die ausschließliche Verortung der Religion in der praktischen Vernunft umgehen, aber auch eine rein idealistische, spekulative Konzeption von Religion zugunsten einer erfahrungsgesättigten Theorie aufgeben." 7 Religion ist "Erleben des Geheimnisses schlechthin; [...] das fühlbare Geheimnis alles zeitlichen Daseins überhaupt und das Durchscheinen der ewigen Wirklichkeit durch den Schleier der Zeitlichkeit für das aufgeschlossene Gemüt." 8

Das schon bei Schleiermacher als grundlegendes religiöses Phänomen beschriebene "Gefühl" bestimmt Otto etwas präziser als "Begeisterung, Ergebung und Andacht". "Begeisterung" schafft die Unterscheidung zum Profanen, "Ergebung" ist ein innerreligiöses Gefühl, das die Abhängigkeit anerkennt und die Sehnsucht nach Erlösung weckt, "Andacht" schließlich ist das positive Gefühl des Vertrauens und Hoffens. Otto fasst alle drei im Gefühl des "Numinosen" zusammen und definiert dieses als Erfahrung eines Geheimnisses, das zugleich "tremendum" und "fascinans" ist, beunruhigend-erschreckend und faszinierend-anziehend. Es handelt sich hierbei um ein Gefühl, das letztlich allen Religionen zugrunde liegt,

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