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Wagnis und Verzicht Die ermutigende Botschaft des Dalai Lama von Dalai Lama XIV. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Wagnis und Verzicht

2500 Jahre Buddhismus, 2000 Jahre Christentum. Was hat es gebracht? Eine freundschaftliche Begegnung der Kulturen, der Religionen, der unterschiedlichen Denkweisen: In Dharamsala trafen sich der Religionswissenschaftler Michael von Brück und der Dalai Lama, um sich über das Leben und die Zukunft des Menschen auszutauschen. Die Überschrift ihrer Gespräche lautet "Wagnis und Verzicht". Es ging um persönliche Erfahrungen, Misserfolge, Hoffnungen, Ängste der beiden langjährigen Freunde. "Wagnis" beinhaltet Mut, Abenteuer, Fortschritt ohne Angst vor dem eigenen Leben. "Verzicht" enthält Zurückhaltung, Illusionen verlassen, bescheiden sein, sich selbst zurücknehmen, realistisch sein angesichts der Misserfolge, die man gehabt hat. Dieses persönliche Gespräch soll den Menschen Hoffnung bringen, die sie aufgrund persönlicher Fehlschläge aufgegeben haben. Der Dalai Lama ist das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter. Der amtierende 14. Dalai Lama wurde 1935 geboren. Nach der Besetzung Tibets durch China floh er 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Für seine spirituelle Arbeit und seinen Einsatz für den Weltfrieden findet der Dalai Lama Anerkennung in der ganzen Welt. Seine Bemühungen um die politische Unabhängigkeit Tibets sowie um dessen kulturelle und religiöse Identität wurden 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641242138
    Verlag: Kösel
    Größe: 3498 kBytes
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Wagnis und Verzicht

Zukunft gestalten

Transformation der Religionen

MvB: Lass uns jetzt zu einem Thema kommen, das sich recht einfach auf den Punkt bringen lässt: 2500 Jahre Buddhismus, 2000 Jahre Christentum, und immer noch keine Verbesserung der Menschheit! Warum machen wir da immer noch so viel Aufhebens um die Religionen? Haben sie versagt? Oder sind zweieinhalbtausend Jahre einfach ein zu kurzer Zeitraum, um ein begründetes Urteil zu fällen?

DL : Wenn wir heute Rückschau halten auf historische Entwicklungen, so geschieht das bewusst und mit bestimmter Absicht. Wir analysieren individuelles und kollektives menschliches Handeln in den jeweiligen historischen Zusammenhängen. Wir versuchen, Schlussfolgerungen zu ziehen und aus der Vergangenheit zu lernen. Unser kollektives Gedächtnis lehrt uns, dass mehr Erziehung stattfinden muss, und zwar eine umfassende Form von Erziehung und Bildung. Mit der entsprechenden Erziehung wird die Neugier, das Interesse am analytischen Denken, an einer Schulung des Geistes, die auch die Emotionen mit einbezieht, ganz gewiss zunehmen. Für solche Religionen und Vorstellungen, die ausschließlich auf Glauben beruhen, wird dies allerdings wohl eher schwierig werden, wie wir schon diskutiert haben. Soweit es den Buddhismus betrifft, unterscheide ich immer zwischen dem Buddhismus als Religion und dem Buddhismus als Philosophie und praktischer Psychologie. Dieser Teil kann wie ein akademisches Studium betrieben werden, und die Ergebnisse aus solchen empirischen Untersuchungen lassen sich in der Praxis, im Alltag anwenden. Das geeignete Mittel dafür ist die Erziehung. Erziehung ist nicht nur Faktenvermittlung, sondern sie sollte darauf abzielen, die Instrumente des Wissens zu entwickeln, und zwar alle - Denken, Fühlen, Gedächtnis, Willenskraft. Wie ich bereits sagte, gibt es auch einen glaubensbasierten Buddhismus, doch wie lange es ihn noch geben wird, vermag ich nicht abzusehen. Jene Form des Buddhismus aber, die auf Erfahrung und Einsicht beruht, wird Bestand haben, weil sie Entscheidendes beitragen kann zur Entwicklung des Potenzials, das im Menschen angelegt ist. In den tibetisch-buddhistischen Klöstern von Sera, Ganden und Drepung, die in Bylakuppe bzw. Mundgod in Südindien liegen, leben Tausende von Mönchsstudenten, die den Buddha-Dharma als philosophisch-analytische Praxis und als Geistesschulung studieren und weitertragen. Dieser Aspekt sollte und wird in Zukunft von Bedeutung sein, wie wir bereits erörtert haben. Überall auf der Welt greifen Menschen, unabhängig von ihrer Religion und ihrem Glauben, diese Formen der Praxis auf - und viele von ihnen hängen überhaupt keinem Glauben und keiner Religion an.

In den klassischen Texten werden zwei Arten von Anhängern der Lehren des Buddha unterschieden: Diejenigen, deren rationale Fähigkeiten weniger stark entwickelt sind und die sich mehr auf den Glauben als auf den Verstand stützen, und diejenigen, die eher verstandesbetont sind und von denen gesagt wird, dass sie über höhere rationale Fähigkeiten verfügen. Wir müssen diese höheren rationalen Fähigkeiten entwickeln.

MvB: Schaut man aber nach Rom, Mekka, Jerusalem oder Dharamsala, sieht man, wie die Menschen, oder zumindest viele, mit großem Glauben und enormer Hingabe ihren rituellen Praktiken nachgehen. Hier in Dharamsala praktizieren Hunderte, manchmal Tausende von Gläubigen die Kora ( skor ra ), das rituelle Umschreiten Deiner Residenz. In Fatima versammeln sich die Menschen an dem Ort zur Andacht, an dem die Madonna erschienen sein soll. Juden pilgern zur sogenannten Klagemauer nach Jerusalem, Muslime nach Mekka. In Bodhgaya, wo der Buddha Erleuchtung fand, versammeln sich die Gläubigen um den Bodhi-Baum. Hindus verehren an der Gangesquelle den Gott Shiva in seiner Gestalt als Erhalter und Zerstörer. Hindus und Buddhisten umschreiten voller Verehrung den Berg Kailash in Tibet, der beiden Religionen gleichermaßen heilig ist

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