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Der Bibelraucher Die knallharte Lebensgeschichte eines Ex-Knackis von Buntz, Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.09.2018
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Der Bibelraucher

Als Jugendlicher fährt er einen Mann tot. Jugendarrest, Gerichtssaal, Bewährung - der gewohnte Lebensrhythmus von Wilhelm Buntz. 1983: In einer Zelle greift Buntz zur Bibel. Er liest eine Seite, reißt sie heraus, rollt sich eine Kippe. So qualmt er sich bis zum Neuen Testament. Da packt ihn der Text. Gott sagt: 'Ich bin treu wie ein liebender Vater.' Ist das möglich? Noch im Knast gibt Buntz diesem Gott eine Chance und merkt schnell: Das Leben mit Gott ist auch knallhart. Knallhart voller Wunder. Wilhelm Buntz arbeitete bis zur Rente im Oktober 2017 im Blindenheim in Freiburg in der sozialen Betreuung. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Seit Jahren predigt er in Gottesdiensten und bei Veranstaltungen. Mit einem besonderen Herz für junge Menschen lebt er nach dem Motto: 'Wir müssen die Hölle plündern und den Himmel bevölkern.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 03.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775174145
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Größe: 12106 kBytes
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Der Bibelraucher

Bruchsal, 1984

Die Klappe krachte herunter - Holz auf Holz. Es war geschehen. Unumkehrbar. Der Brief, den ich soeben eingeworfen hatte, fiel im Inneren des Briefkastens eine gefühlte Ewigkeit. Und als er dann mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden aufschlug, nunmehr ohne jede Chance für mich, ihn auf seiner Reise noch aufzuhalten, da war ich sicher: Ich hatte den größten Fehler meines Lebens gemacht.

Denn der Briefkasten stand - genau wie ich - mitten in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal, hinter hohen Mauern und schwer bewachten Toren. Sobald der Kasten geleert würde, wäre mein Brief auf dem Weg zum Staatsanwalt. Ich war nach vierzehn Jahren Knast meinem Entlassungstermin zum Greifen nah - und doch hatte ich gerade dem Staatsanwalt in säuberlicher Handschrift dargelegt, warum ich eigentlich noch zwanzig Jahre länger sitzen müsste: "Sie können sich sicherlich an mich erinnern", hatte ich begonnen und war mir sicher: Das tat er. 148 Straftaten hatte ich begangen. Ein Marathonprozess. Von hundert war ich am Ende aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. "Doch ich muss bekennen: Auch bei diesen hundert bin ich schuldig im Sinne der Anklage", hatte ich geschrieben. Die Worte hallten in meinem Kopf nach. Ich fühlte mich so elend.

Aber ich hatte es tun müssen. Mein neues Leben hatte es von mir verlangt. Zum ersten Mal in meiner bis dahin erbärmlichen Existenz wollte ich wirklich ehrlich sein. Das durchzuziehen, war für mich genauso schrecklich wie es mir guttat. Das sollte ich jedoch erst sechs Wochen später spüren. Die Tage bis dahin waren eine Achterbahnfahrt zwischen Entschlossenheit und Verzweiflung.

Mein Name ist Wilhelm Buntz. Willkommen in meinem Leben!

Ich habe viel Böses getan, manches Dumme, eine Menge Waghalsiges und in meinen späteren Jahren vielleicht auch einiges Gutes. Vor allem aber hat jemand anderes etwas in meinem Leben getan: Gott.

Wer mich heute trifft, der erkennt höchstens noch an meinen Tattoos, dass ich nicht immer der nette Nachbar von nebenan war: 148 sind es, für jede Straftat eines. Doch dieser Wandel ist kaum meine eigene Leistung. Es war die Liebe Gottes, die mich so radikal veränderte: vom zweifachen Mörder mit übelster Kindheit und waschechter Ganovenkarriere hin zu einem, der keiner Fliege etwas zuleide tut.

Der Brief an den Staatsanwalt war eine erste waghalsige Folge dieses Wandels. Denn kurz davor noch hatte ich die Bibel - die Worte dieses Gottes - in der Arrestzelle Seite für Seite zu Zigarettenpapier verarbeitet. In die Arrestzelle kommt man, wenn man als Insasse gegen die Gefängnisregeln verstößt, zum Beispiel sich mit anderen Gefangenen prügelt, beim Dealen erwischt wird oder einen Wärter mit Essen bewirft. All das und viel mehr hatte ich immer wieder getan.

In so einer Arrestzelle gibt es ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, ein Klo - und unendliche Einsamkeit. Es gibt keinen Hofgang, keinen Kontakt mit anderen Gefangenen, keine Arbeit, nichts, was Abwechslung bringen könnte. Gähnende Langeweile. Der einzige Gegenstand, den man mitnehmen darf, ist eine Bibel. Wie gut, dass Bibelseiten so dünn sind. Sie eignen sich hervorragend dafür, Zigarettenpapier daraus zu drehen, um den in den Socken eingeschmuggelten Tabak zu genießen.

Ich war oft in der Arrestzelle - sehr oft. Und entsprechend viel Zeit verbrachte ich mit dem Wort Gottes - wenn auch auf etwas unkonventionelle Art und Weise. Und als sich dann mein Leben verändert hatte - wie, dazu kommen wir noch -, wollte ich den Worten dieses Gottes so genau gehorchen, dass ich meine Schuld, für die es keine Beweise gab, dem Staatsanwalt beichtete. Ich hatte den Brief abschicken müssen. Und trotzdem fühlte ich mich wie der dümmste Häftling aller Zeiten.

Um wirklich zu verstehen, wie ich in diese Situation in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal vor diesem Briefkasten kam, muss ich ein wenig ausho

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