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Des Kaisers Reeder von Leip, Hans (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Des Kaisers Reeder

Albert Ballin war Hanseat, Deutscher und Weltmann zugleich und einer der größten Schiffsreeder aller Zeiten. Die repräsentative Straße vor dem hochgewachsenen Gebäude der Hapag trägt noch heute den Namen 'Ballindamm'. Über dem Portal steht noch immer sein Leitsatz 'Mein Feld ist die Welt', das zu durchpflügen ihm nur mit friedlichen Werkzeugen in den Sinn kam. Romanhaft erzählt Hans Leip die Lebensgeschichte eines der berühmtesten Söhne der Hansestadt, der zum Generaldirektor der Hapag aufsteigt und sie zur größten Schifffahrtslinie der Welt macht. Die Zurückhaltung, die dem Juden Ballin sein ganzes Leben hindurch entgegengebracht wird und seine engen, auch privaten Kontakte zu Kaiser Wilhelm II. werden von Leip genauso beschrieben wie der Niedergang seines Lebenswerks am Ende des Ersten Weltkriegs und sein Tod am 9. November 1918.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 356
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711467237
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1153 kBytes
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Des Kaisers Reeder

1.

Der Heranschaffer

Am Johannisbollwerk · Boß und Agent · Der Mantel des Kapitäns · Schlafplatz Zwischendeck · Lange Jahre großer Segen · Ein Freund aus London · Träumerei und Mission · Bruder Josephs feiner Job · John Meyer von der Packetfahrt · Die Zarenhymne · Reeder Carr bietet die Hand.

"Los!" brüllte der Boß.

Der Matrose an der Gangway löste die Sperrkette. Klirrend fiel die letzte Fessel des Kontinents. Die Auswanderer strömten an Bord. "Kutschieren die mit dem miesen Pott übern Atlantik, Herr Carr?" fragte einer der Zuschauer an der Schranke.

"Nein, Herr Cassel", antwortete der Angesprochene und schlug den Kragen des eleganten Havelocks hoch: "Die steigen in Liverpool um." "Und eine direkte Möglichkeit von Hamburg nach New York gibt es nicht?" "Nein, Mister, nicht für diese polnisch-galizischen Zwischendecker. Die müssen denn schon nach Bremen zum Lloyd gehn."

Der Schutzmann, der daneben schnauzbärtig den Durchlaß bewachte, reckte die Pickelhaube. Vorn an der Rampe des Bollwerks brüllte der dicke Boß: "Stop! Stoi! Halt, du Pijaukel!" und riß einen jungen Kaftanträger robust am Ellenbogen zurück. "Deinen Ausweis, fellow!"

Der Matrose warf die Kette quer über die Holme der Gangplanke. Die Auswanderer, beladen mit Sack und Pack und Bitternis und Hoffnung, stockten wie ein scharf gebremster Güterzug. Einer stieß dem andern gegen Rückfront und Habseligkeiten. Einige lupften murrend den Ballen Bettzeug von der Achsel, husteten und spuckten im herniederfahrenden Schlotqualm. Rasseln von Kohlen und Schaufeln erscholl aus dem Bauch des stämmigen Schiffes. Die Heizer machten Dampf.

Warten? Immer noch warten? Was hat denn der Boß zu meckern! Aus überzerrten Händen gleiten Bügel billiger, abgewirtschafteter Koffer, Bindfäden schneiden in Fingergelenke, Verschnürung für das bißchen, was an armseligem Hausrat mitgeschleppt werden darf.

März 1881. Der Wind bläst von Ost und ist voller Hafengeruch, Trümmerdunst und Geheul, das zuweilen in einem Sprengschuß zerbirst. Den Flüchtlingen erschauert das Eingeweide, als kämen die Kosaken wieder hinterher, von denen sie durch enge Ghettogassen in Galizien gehetzt wurden. Es war aber nur der Lärm von der Kehrwieder-Insel, wo hinterm Jonashafen die Freie und Hansestadt Hamburg darangeht, mit jaulenden Baggern und dem nagelneuen "Nobels Patent-Pulver Dynamit", den Bismarck abgerungenen Freihafen zu schaffen und dafür bedenkenlos ein ganzes Wohnviertel schönsten Barocks opfert. "Da hätt' ich Arbeit kriegen können", sagt einer in dem Haufen, "aber drüben überm großen Teich gibt es Gold statt Dreck."

Aus dem langen Schlot des Liverpooler Schraubendampfers strähnt der Rauch nun hoch gen West wie ein grauer Wimpel der Unbegrenztheit. Darunter, vor dem letzten schmalen Steg in die goldene Weite, steht der Boß der Reederei, dick wie zehn Grenzpfähle. Der Bursche in Kaftan und Lammfellmütze, den er gepackt hält und den die ungeduldig Nachdrängenden gegen die Kette pressen, wiederholt voll Trotz unaufhörlich: "Agent weiß, Agent hat!"

Es nützt ihm nichts. Matrosenfäuste befördern ihn aufs Bollwerk zurück. Und wieder löst sich die Kette. Der Boß, die erkaltete Zigarre zwischen den Zähnen, vergleicht polternd Ausweis um Ausweis mit einer langen Liste und schaut drein, als habe er es mit nichts als Gaunern und Abschaum zu tun.

"Wo bleibt bloß dieser Ballin! Damn'it!" dröhnt er dem Kapitän zu, der am Bordende der Gangplanke Posten gefaßt hat. Der "Alte" zuckt einen Mundwinkel nach oben. Seine verkniffenen blauen Augen gleiten über die paar Gebäude am Bollwerk: Hotel, Brauerei, Zirkuskuppel, Seemannsheim und Reeperbahn, Budiken.

"Haben bald Hochwasser, Boß!" erwidert er und mustert weiter die Passagiere, die auf dem immer steiler vom Ufer ragenden Laufbrett an Bord klimmen, als ginge es geradewegs in den Himmel.

"Dung für den ausgelaugten Indianerboden", meint Mister Cassel und streicht sic

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