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Dietrich Bonhoeffer 1906-1945 Eine Biographie von Schlingensiepen, Ferdinand (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.04.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Dietrich Bonhoeffer 1906-1945

Dietrich Bonhoeffers ungewöhnlicher Lebensweg gilt aus heutiger Sicht gerade deshalb als vorbildlich, weil Bonhoeffer in seinen Entscheidungen für die Theologie, für die Bekennende Kirche und für den politischen Widerstand immer wieder den scheinbar geraden Weg verlassen hat. Nach Eberhard Bethges monumentaler Biographie liegt jetzt wieder ein Standardwerk zum Leben Dietrich Bonhoeffers vor. Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers laufen auch noch sechzig Jahre nach seiner Hinrichtung vielen gängigen Erwartungen entgegen: Bonhoeffer entschied sich als Theologe für den Widerstand gegen Hitler; aber sein Widerstand war kein religiöser oder pazifistischer, sondern ein politischer und schloß die Gewaltanwendung nicht aus. Er gilt weltweit als einer der herausragenden Theologen des 20. Jahrhunderts, aber ein systematisches Hauptwerk sucht man vergeblich. Fasziniert haben vor allem seine in der Tegeler Haft geschriebenen Briefe und Aufzeichnungen, seine Gedichte, Gebete und Lieder und nicht zuletzt die Brautbriefe an seine viel jüngere Verlobte. Ferdinand Schlingensiepen versteht es meisterhaft, den Menschen, Schriftsteller, Theologen und Widerstandskämpfer Bonhoeffer in zeithistorischen Bezügen darzustellen und gerade dadurch lebendig werden zu lassen. Seine Biographie basiert auf zahlreichen neuen Quellen und Forschungsergebnissen, lebt aber auch von der Nähe des Autors zum Thema: Schlingensiepen verbrachte die entscheidenden Jahre seiner Kindheit in einem illegalen Seminar der Bekennenden Kirche, das sein Vater bis zu seiner Verhaftung leitete, und war nach dem Krieg eng mit Eberhard Bethge befreundet. Ferdinand Schlingensiepen, geb. 1929, richtete 1972 den ersten internationalen Bonhoeffer-Kongreß aus und regte die Gründung der Bonhoeffer-Gesellschaft an. Zahlreiche Publikationen zu Dietrich Bonhoeffer, Heinrich Heine und Theodor Fontane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 03.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406691454
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 8798 kBytes
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Dietrich Bonhoeffer 1906-1945

Vorwort

Der Name Bonhoeffer ist mir zum ersten Mal begegnet, als ich 1948 die von dem Niederländer Willem Visser 't Hooft herausgegebene kleine Schrift Das Zeugnis eines Boten geschenkt bekam. Ich war fasziniert davon, wie lebendig Bonhoeffer einem hier als Mensch vor Augen geführt wird. Trotzdem kam ich nicht darauf, meinen Vater nach Bonhoeffer zu fragen. Daß er ihn nicht nur gekannt, sondern auch einmal in einer "grünen Minna" neben ihm gesessen und sich angeregt mit ihm unterhalten hatte, als sie zusammen mit anderen Theologen in Martin Niemöllers Haus verhaftet worden waren, habe ich erst Jahre später erfahren. Bonhoeffer blieb für mich bis zum Ende meines Studiums ein Name aus der Zeit des Kirchenkampfes, den man respektvoll zusammen mit den Namen von Paul Schneider, Lutz Steil, Werner Sylten, Friedrich Weißler und Friedrich Justus Perels nannte, die ebenfalls als Pfarrer oder Mitarbeiter der Bekennenden Kirche in den Konzentrationslagern der SS ermordet worden waren.

1952 änderte sich das Bild von Bonhoeffer fast von einem Tag auf den anderen, als seine Gefängnisbriefe unter dem Titel Widerstand und Ergebung erschienen und das Gesprächsthema unter uns Jüngeren wurden. Die Generation vor uns war wohl nicht weniger fasziniert, aber fast alle älteren Theologen, die wir auf das Buch ansprachen, meinten, Bonhoeffers neue theologische Gedanken seien doch für eine Bewertung "zu fragmentarisch". Sie hatten im Kirchenkampf vieles so erlebt wie er, aber die letzte Phase seines Lebens, der Zweite Weltkrieg, war für sie etwas völlig anderes gewesen. Dadurch muß er ihnen auch als Theologe plötzlich anders und fremd erschienen sein.

Ich empfinde es bis heute als einen Glücksfall, daß ich 1954 als Pfarrer einer deutschen Gemeinde nach Bradford in Nordengland geschickt wurde, weil ich so Eberhard Bethge, den engen Freund und ersten Biographen Bonhoeffers, kennenlernte. Er war damals in London tätig, und trotz der relativ weiten Entfernung haben wir uns häufig gesehen. Es dauerte nicht lange, bis Eberhard und Renate Bethge mich in ihren Freundeskreis aufnahmen. So habe ich mitbekommen, wie Bethge die nachgelassenen Werke seines Freundes in mühsamer Arbeit entzifferte, um sie herausgeben zu können. Er saß wohl auch schon an den Vorarbeiten für die Biographie; aber jeder Theologe, der eine Arbeit über Bonhoeffer schreiben wollte, hatte bei ihm Vorrang. Er fotokopierte Texte für seine Besucher, beriet sie in langen Gesprächen, und viele wurden auch untergebracht und verpflegt. Die ersten Forscher, die über Bonhoeffer gearbeitet haben, haben ihn mit den Augen Eberhard Bethges sehen gelernt. Auch mir ging es so.

Das meiste, was wir bis heute über Bonhoeffer wissen, geht auf seine große Bonhoeffer-Biographie zurück, die 1967 erschienen ist. Alle späteren Biographien - auch die vorliegende - müssen darauf aufbauen. Da Bethge die entscheidenden Jahre an der Seite seines Freundes miterlebt hat, ist sein Werk eine der wichtigsten Quellen zum Leben Bonhoeffers. Daß es Bethge dennoch möglich war, die Distanz zu seinem "Gegenstand" zu gewinnen, die jeder Biograph haben muß, mag man um so mehr bewundern.

Eberhard Bethge hatte bereits bei Erscheinen der Biographie den Eindruck, sie sei mit ihren 1080 Seiten für die meisten Leser zu umfangreich. Er bat mich darum, eine Kurzfassung zu erarbeiten. Das habe ich dann auch mit Eifer betrieben, mußte die Arbeit aber abbrechen, als ich 1969 eine neue berufliche Aufgabe übernahm. Jetzt habe ich das Gefühl, mit dem vorliegenden Buch endlich eine Bitte des Mannes zu erfüllen, dessen Freundschaft mir so viel bedeutet hat. Allerdings würde eine Kurzfassung des Bethgeschen Werkes den Anforderungen an eine moderne Bonhoeffer-Biographie nicht mehr genügen. Bethge selbst hat 1983, im Vorwort zur fünften Auflage, die Frage gestellt, ob es nicht an der Zeit sei, "das 1967 fixierte Bild" zu überarbeiten. Die Frage ist seither weitaus dringlicher

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