text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Dietrich Bonhoeffer Der verklärte Fremde. Eine Biografie von Marsh, Charles (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2015
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Dietrich Bonhoeffer

Sonderausgabe zum 75. Todestag Dietrich Bonhoeffer, das ist der große, anständige Theologe im Widerstand gegen Hitler, einer der Heiligen des 20. Jahrhunderts! 75 Jahre nach seinem Tod scheint seine Geschichte erzählt, sein Leben begriffen zu sein. Aber: Stimmt das auch? Charles Marsh blickt hinter die Verklärung Bonhoeffers und bringt in seiner kritischen Biografie dessen Fremdheit neu zur Geltung. Ein intimes und überraschendes Porträt von einem verletzlichen und witzigen, erfolgsverwöhnten und zweifelnden, entschlossenen und doch immer wieder zaudernden Mann auf dem Weg zu sich selbst. Fesselnd und unterhaltsam erzählt. Die erfolgreiche Biografie endlich als Sonderausgabe Der etwas andere Blick auf den Menschen Bonhoeffer Überraschend, fesselnd und unterhaltsam erzählt Charles Marsh ist Professor für Theologie an der Universität von Virginia in Charlottesville/USA und Leiter des Projekts 'Lived Theology', das sich um einen fruchtbaren Austausch zwischen theologischem Denken und lebendiger religiöser Erfahrung bemüht. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Sein Werk 'Gottes langer Sommer: Geschichten vom Glauben und dem Kampf um Bürgerrechte' wurde 1998 mit dem Grawemeyer Award in Religion ausgezeichnet. Über Charles Marsh' Buch 'Reclaiming Bonhoeffer' schrieb Eberhard Bethge: 'Dieses Buch ist eine Sensation. Niemand, der Bonhoeffers Erbe für die Gegenwart bestimmen will, kann es ignorieren.' 2009 erhielt Marsh ein Guggenheim Fellowship, 2012 war er Fellow an der American Academy in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 23.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641153694
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Originaltitel: Strange Glory. A Life of Dietrich Bonhoeffer
    Größe: 9605 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Dietrich Bonhoeffer

KAPITEL 1

1906 - 1923

K IND DER E WIGKEIT

Als Kind lag Dietrich Bonhoeffer nachts oft wach. Gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Sabine versuchte er, sich die Ewigkeit vorzustellen. Die Kinder konzentrierten sich ganz auf das Wort Ewigkeit , um jede Ablenkung auszuschalten, und mit der Zeit wurde aus dem Spiel ein Ritual. 1 An Tagen, wenn Beerdigungen stattfanden und die von Pferden gezogenen Leichenwagen auf den nahegelegenen Friedhof zufuhren, schauten die Kinder vom Schlafzimmerfenster aus zu. 2

Ewigkeit - Sabine fand sie "lang und unheimlich" 3 . Dietrich empfand das Wort als majestätisch und ehrfurchtgebietend.

Manchmal stellte er sich vor, wie er auf dem Totenbett lag, umgeben von Familie und Freunden, auf der Schwelle zum Himmel stehend. Er wusste, welche seine letzten Worte sein würden, und übte sie gelegentlich laut. Aber er wagte nicht, jemand anderem davon zu erzählen. 4 Er hoffte, er würde den Tod wie einen lange erwarteten Gast willkommen heißen. Er wollte nicht von ihm überrascht werden. Aber dann, wenn er beim Zubettgehen davon überzeugt war, dass der Tod in genau dieser Nacht kommen würde, wurde ihm schwindelig. Die Wände seines Schlafzimmers begannen sich zu drehen, als stände er an der Mittelstange eines Karussells. Er stellte sich vor, wie er von der Schwester zum Bruder, vom Vater zur Mutter rennen und um Hilfe rufen würde. Das Gefühl, dass es genau jetzt geschehen würde, dass er in dieser Nacht in dem unendlichen Mysterium verschwände, war so real, dass er sich auf die Zunge beißen musste, um sich zu vergewissern, dass er noch unter den Lebenden war, dass er den intensiven Schmerz spüren konnte. In solchen Momenten fürchtete er, an einer "unheilbaren Krankheit" zu leiden. 5

Als die Zwillinge getrennte Schlafzimmer bekamen, erfanden sie einen Code, um ihre metaphysischen Spiele fortsetzen zu können. Dietrich trommelte sacht an die Wand, "mahnende Bumse", die besagten, dass es wieder Zeit war, über die Ewigkeit zu sinnieren. Ein weiteres Klopfen kündigte einen neuen Gedanken zu dem ernsten Thema an, und so ging es hin und her, bis einer von beiden schließlich nichts mehr vom anderen hörte. 6 Normalerweise blieb Sabine irgendwann still. Wenn das Spiel zu Ende war, lag Dietrich wach. Das einzige Licht in seinem Zimmer kam von einem Paar von fluoreszierenden Kreuzen, die seine Mutter auf einen Tisch in der Ecke gestellt hatte. 7 "Abends wenn ich schlafen geh, vierzehn Englein um mich stehn", hörte er sie singen. Er mochte diesen Gedanken: Engel, die an seinem Bett standen. Und andere Engel, die die Kinder auch anderswo beschützten. 8

Dietrich und Sabine Bonhoeffer im Jahr 1914

© Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Dietrich glaubte, das abendliche Ritual bewahre ihn davor, "vom Satan verschlungen zu werden". Das schrieb Sabine später, gleichwohl es nur sehr wenige Hinweise auf den Teufel in den Schriften ihres Bruders gibt, weder in den frühen noch in den späten. 9 Am Ende faszinierte der Tod ihn mehr, als dass er ihn ängstigte, und der Teufel bereitete ihm kaum Angst. 10 "Gott will nicht, daß der Mensch sich fürchtet", würde er eines Tages einer Gemeinde in einem vornehmen Londoner Vorort predigen. Gott will einzig und allein, dass Menschen leidenschaftlich und gierig "nach der Verheißung der Gnade Gottes greifen ..." 11 .

Anders als die meisten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts war Dietrich Bonhoeffer kein Pfarrerssohn. Als sechstes von acht Kindern (seine Zwillingsschwester war das siebte) wurde er am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Die Mitgliede

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen