text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Gespenst geht um - Die Wiederkehr des Karl Marx Ein SPIEGEL E-Book

  • Verlag: SPIEGEL-Verlag
eBook (ePUB)
2,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Gespenst geht um - Die Wiederkehr des Karl Marx

Als gegen Ende des 20. Jahrhunderts der real existierende Sozialismus zusammenbrach, erschien Karl Marx in den Augen vieler so erledigt wie die Staatslenker der Sowjetunion und der DDR. Aber dann, im 21. Jahrhundert, wurde doch wieder Marx gelesen, und plötzlich waren es nicht nur Kritiker des Kapitalismus, die sich auf Marx beriefen. Auch Profiteure des Kapitalismus wie Fondsmanager oder Investmentbanker waren zu hören, die erkannten: Marx versteht eine Menge davon, wie der Kapitalismus funktioniert - auch der, von dem er noch nichts wissen konnte: Der Apple-Kapitalismus in digitaler Zeit. Vor 150 Jahren erschien Karl Marx' Hauptwerk 'Das Kapital', im Mai 2018 ist sein 200. Geburtstag. Aus Anlass dieser Jubiläen erscheint das E-Book 'Ein Gespenst geht um - Die Wiederkehr des Karl Marx' mit 24 aktuellen und historischen Artikeln aus dem SPIEGEL seit 1947 - ein spannender Überblick über Marx' Leben, Werk und die wechselnde Sichtweise auf den großen Ökonomen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 172
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783877631775
    Verlag: SPIEGEL-Verlag
    Größe: 855 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein Gespenst geht um - Die Wiederkehr des Karl Marx

Unruhegeist Marx - Titel
SPIEGEL 34/2005
Das Stehaufmännchen

Immer wieder scheint Karl Marx beerdigt, immer wieder feiert er Auferstehung. Er gehört zum Kapitalismus wie dessen Krisen, weil er das System der "Plusmacherei" seziert hat wie kein anderer - und dabei schön utopisch blieb. Von Barbara Supp, Marian Blasberg und Klaus Brinkbäumer
Kein Schild führt zu seinem Grabmal, wer zu ihm will, muss sich den Weg selbst suchen, die Friedhofsführung lässt ihn aus. Sie beschränkt sich auf den Westteil von Highgate; er aber liegt im Osten. Dort, wo die Abweichler ihren Platz haben - Muslime, Buddhisten, Freidenker -, dort liegt Karl Marx, der vor 122 Jahren starb. Ein windiger Londoner Sommermorgen, ein junges Paar aus China, das in kieksendem Glück ein Monument umschwirrt, die Frau steht davor, der Mann fotografiert, lachend, erschüttert dann plötzlich, als eine ältere Lady streng auf ihn niederfährt: "Haben Sie ein Ticket? Haben Sie bezahlt?" Der tote Marx ist eine Ware, die Friedhofsgesellschaft ein Unternehmen und die Lady, Mrs. Jean Pateman, dessen Chef. Wer Marx besuchen will, zahlt seinen Preis, und der erhöht sich, möchte man fotografieren. Darüber wacht Mrs. Pateman, 83, "Member of the British Empire", eine vornehme alte Dame, ein Mensch aus jener Klasse, die Marx für überwunden erklärte. Sie kommen nicht mehr als Delegationen nach London-Highgate, nur ein paar Kubaner-Gruppen manchmal oder streng überwachte Nordkoreaner; sie kommen als Einzelmenschen, freiwillig, niemand zwingt sie, und dann stehen sie grübelnd oder irritiert oder beeindruckt am Grabmal des Philosophen, Ökonomen, Revolutionärs Karl Marx. Es ist Sommer im Jahr 2005, es werden plötzlich wieder Wörter ausgesprochen, die jahrelang als unaussprechlich galten: von "international forcierten Profit-Maximierungsstrategien" ist auf einmal die Rede, von "totaler Ökonomisierung", von der "Macht des Kapitals". Es ist, "als wäre Karl Marx aus dem Grabe erstanden", so sorgte sich das US-Magazin "Newsweek", als der deutsche SPD-Chef Franz Müntefering im April dieses Jahres anfing solche Vokabeln zu benutzen, als er von "Heuschrecken" sprach - von Investoren, die deutsche Unternehmen ausplünderten und, im Grunde, das ganze Deutschland mit dazu. So sprach er, und drei Viertel der Deutschen sagten nach einer Umfrage, er habe recht. Eine Mehrheit der Bürger fand, dass die "Profitgier die deutsche Demokratie" bedroht. Warum kommt er wieder, der Marxismus, zyklisch wie die Krisen im Kapitalismus, obwohl er jahrzehntelang als überwunden galt? Warum lässt sich ein amerikanischer Investmentbanker zitieren mit der Aussage, dass "Marx die beste Sicht auf den Kapitalismus hatte" - je länger er an der Wall Street sei, "desto stärker wird meine Überzeugung, dass Marx recht hatte"? Schon verblüffend, dass Karl Marx es in einer ZDF-Umfrage nach den größten Deutschen so weit nach vorn gebracht hat: hinter Konrad Adenauer und Martin Luther auf Platz drei. Und in einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage stieß er auf überraschend viel Zuspruch, und zwar nicht nur im Osten: Die Kritik von Karl Marx am Kapitalismus habe "heute noch ihren Sinn", sagten 50 Prozent der Westdeutschen, sogar 56 Prozent fanden, der Sozialismus sei "eine gute Idee", die "bislang nur schlecht ausgeführt" worden sei - und sogar noch höher fiel die Zustimmung bei den Jüngeren aus. Es steht nicht auf Bestsellerlisten, doch das "Kommunistische Manifest" hat eine Auflage vergleichbar mit der Bibel, und plötzlich finden sich wieder Zitate in Berichterstattung und Polit-Debatten, manchmal bewundernd neuerdings, man spricht ihm einen prophetischen Blick in die Zukunft zu: mit der Diagnose, dass das Kapital jetzt dort ist, wo Marx es vor 150 Jahren gesehen hat - getrieben, weltumfassend, überall. "Und zwar jetzt erst", sagt Oskar Negt, einer, der seit einem ha

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen