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Ein Gott zum Küssen Wie Mystiker leben und was sie erfahren. 15 Porträts von Feldmann, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2012
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Gott zum Küssen

Christian Feldmann erzählt aus dem Leben christlicher Mystiker und führt spannend und unterhaltsam in eine faszinierende und überraschende Welt. Bei manchen scheinen Ekstasen und parapsychologische Phänomene das Normalste von der Welt gewesen zu sein, bei anderen blieb die spirituelle Erfahrung verborgen in der Stille. Nach ihrem Tod von der Kirche als Heilige verehrt, wichen sie zu Lebzeiten in den Augen der kirchlichen Autoritäten oft von den 'erlaubten Pfaden' ab.

Christian Feldmann, geboren 1950, studierte Theologie und Soziologie. Er arbeitet als Journalist für Presse und Rundfunk und seit 1985 als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Biografien und Porträtsammlungen sind in sechzehn Sprachen übersetzt. Der Autor lebt in Regensburg. Der Autor hat 1971-1976 bei Joseph Ratzinger in Regensburg studiert und zahlreiche Medienbeiträge sowie eine Biografie zu ihm verfasst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 19.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451346644
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2234 kBytes
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Ein Gott zum Küssen

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GOTTES GROSSE LIEBE: EIN STÜCK ERDENLEHM

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) war verliebt in die Schöpfung – und wusste, dass alles Leben auf der Welt voneinander abhängt

"Von der Tiefe bis hoch zu den Sternen
überflutet die Liebe das All."

DIE ELEMENTE DER WELT schreien wild auf und klagen: "Wir können nicht mehr laufen und unsere Bahn nach der Bestimmung unseres Meisters vollenden. Denn die Menschen kehren uns mit ihren schlechten Taten von ganz unten nach ganz oben wie in einer Mühle. Wir stinken schon wie die Pest und vergehen vor Hunger nach der vollen Gerechtigkeit." Und Gott gibt ihnen Recht. Er verspricht: "Mit den Qualen derer, die euch verunreinigt haben, will ich euch reinigen."

Eine typisch mittelalterliche Vision kosmischer Unordnung, aufgezeichnet im zwölften Jahrhundert von der Ärztin, Äbtissin, Theologin und Komponistin Hildegard von Bingen. Dunkle Bilder – und doch sofort nachvollziehbar: Der Mensch ist in den Kosmos eingebunden, menschliches Fehlverhalten wirkt auf den Kosmos zurück. Modern ausgedrückt: Verantwortungslose Ausbeutung der Ressourcen stört das ökologische Gleichgewicht auf der Erde und die Ordnung des Alls, Profitsucht und Größenwahn der Macher lassen die Biosphäre kaputtgehen.

Hildegard von Bingen gilt vielen als frühe Kronzeugin der alternativen Szene: Hält sie nicht der Umweltzerstörung die unversehrte "Grünkraft" entgegen? Gibt sie in ihren Büchern über Pflanzen, Tiere und Heilkräuter nicht erstaunlich treffsichere Ratschläge? Ganz abgesehen vom exotischen Reiz ihrer Küchenrezepte.

Zu wenig. Zerrbilder beherrschen die weitverbreitete Literatur mit Ernährungsratschlägen, Kräuterbeschreibungen und Küchentipps aus der "Hildegard-Medizin". Mit Hildegard lässt sich ein gutes Geschäft machen – auf Kosten ihrer kraftvollen, vielschichtigen Persönlichkeit.

Konservative Reformerin

Sie war alles andere als eine schwärmerisch-überspannte Nonne, die in ihrem Klostergärtlein zufällig ein paar brauchbare Heilkräuter zog. Wer ihr begegnet, entdeckt ein Energiebündel voller Elan und Ideen, hellwach, emanzipiert und zugleich selbstkritisch. Hildegard leitete zwei Abteien gleichzeitig und führte einen der umfangreichsten Briefwechsel des Mittelalters. Sie übte ein halbes Dutzend Berufe auf einmal aus: Dichterin, Theologin, Naturwissenschaftlerin, Ärztin, Apothekerin. Ihre gewaltigen Visionen stoßen heute auf ein neues starkes Interesse, und die eigenwilligen Lieder und Singspiele, die sie für ihre Mitschwestern getextet und komponiert hat, gibt es längst auf CD. Pfalzgrafen, Gelehrte, Bischöfe und Bauern pilgerten an den Rhein, um Hildegards Rat einzuholen. Sie war einzigartig!

Und doch auch wieder nicht. Natürlich ist auch Hildegard ein Kind ihrer Zeit gewesen, keineswegs immer eine forsche Vordenkerin. An Politik und Gesellschaft ihrer Epoche hatte sie offensichtlich weniger zu kritisieren als andere religiös motivierte Autoren aus der damaligen Reformbewegung.

Gegen die Kreuzzüge zum Beispiel hatte sie nichts. Der angeblich so naive Francesco von Assisi sollte der fromm verbrämten Schlächterei wenige Jahrzehnte später die friedliche Mission gegenüberstellen, die Überzeugungskraft eines christlichen Lebens. Hildegard dagegen feuerte den Kreuzzugsprediger Bernhard von Clairvaux in einem devoten Brief voller Bewunderung an: "Mit dem Banner des heiligen Kreuzes fängst du erfüllt mit hohem Eifer in brennender Liebe

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