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El Caballero Gustavo Bergenroth Wie ein preußischer Forscher in Spanien Geschichte schrieb von Naumann, Ursula (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.05.2020
  • Verlag: Insel Verlag
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El Caballero Gustavo Bergenroth

Früh am Morgen des 20. August 1860 trifft der ostpreußische Jurist Gustav Bergenroth in Simancas, einem abgelegenen Dorf in Kastilien, ein. Sein Ziel: das spanische Staatsarchiv, ein altes, mit dicken Mauern, Graben, Türmen und Zinnen bewehrtes Kastell, das erst seit kurzem für Forscher zugänglich ist. Er will die Tudorzeit, die farbigste Epoche der englischen Geschichte, erforschen. Doch er ahnt nicht, was ihn erwartet: Unendliche Mengen an verschlüsselten Depeschen, die vor ihm noch niemand entziffert hat. In achteinhalb Jahren knackt er unter widrigsten Umständen die kompliziertesten Codes - eine kryptologische Meisterleistung. Was er dabei entdeckt und in scharfsinnigen, illusionslosen Berichten veröffentlicht, stellt festgefügte Geschichtsbilder auf den Kopf und schockiert seine Zeitgenossen. Wer ist dieser Gustav Bergenroth? Geboren und aufgewachsen in der masurischen Provinz, engagierter Demokrat, Barrikadenkämpfer in der 48er Revolution, nach deren Niederschlagung Flucht nach Kalifornien, dann Emigration nach London - er hat schon einiges hinter sich an abenteuerlichen Erfahrungen. Doch Simancas wird zum entscheidenden Kapitel seines wechselvollen Lebens. Ursula Naumann hat eine glänzend recherchierte und mitreißend erzählte Biographie geschrieben. Sie zeichnet nichts weniger als das Bild eines Mannes, der, gegen seine Zeit, die Geschichtswissenschaft revolutionierte. - Die aufregende Geschichte einer historischen Recherche - Glänzend recherchiert und fesselnd geschrieben Ursula Naumann, geboren 1945, lebt als freie Autorin in Erlangen. Ihre minutiös recherchierten und brillant geschriebenen biographischen Darstellungen erschienen im Insel Verlag, bei C. H. Beck und in der Anderen Bibliothek. 2014 erhielt sie den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 18.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458765783
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 5144 kBytes
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El Caballero Gustavo Bergenroth

Denkmäler und Kopfnoten

Mort à Madrid . Im Februar 1869 meldete die Pariser Zeitung Le Gaulois den Tod des "célèbre historien Allemand Bergenroths' [sic!] ". William Cornwallis Cartwright, ein Freund und Bewunderer des Verstorbenen, der "Gustave Bergenroth" ein Jahr später eine Memorial Sketch, eine Erinnerungsskizze, widmete, urteilte, was dessen Ruhm anging, nüchterner. Wahrscheinlich werde unter hundert, die auf dem Titelblatt Bergenroths Namen läsen, nicht einer sein, der ihn schon einmal gehört habe. "Der großen Öffentlichkeit war er unbekannt ." Was Bergenroth in den achteinhalb Jahren seit der Ankunft in Simancas vor allem aus dessen Beständen, aber auch aus anderen europäischen Archiven unter schwierigen Umständen, in mühevoller Arbeit und gegen große Widerstände von Archivaren und Beamten ans Licht gebracht hatte, war nicht von der Art, die den normalen Leser vom Hocker reißt: Zwei Bände mit Regesten (Zusammenfassungen) von Quellen zu den englisch-spanischen Beziehungen in der frühen Neuzeit, außerdem einen Supplementband mit Ergänzungen. Seine Einleitungen, die alte Geschichten neu und anders als gewohnt erzählten, erregten vor allem in der Fachwelt Aufsehen. Die sonstige gedruckte Hinterlassenschaft bestand aus einigen Aufsätzen und Rezensionen zu verschiedenen Fachgebieten, die verstreut in deutschen und englischen Zeitschriften erschienen, also dem Vergessen anheimgegeben waren. Das große, eigenständige Werk, eine Monographie über Karl V., das er nach jahrelangen Recherchen kurz vor seinem Tod begonnen hatte, blieb ungeschrieben. Es hätte ihn zweifellos berühmt gemacht, meint Cartwright. So aber ...

In welchem Mißverhältnis Ruhm und Bedeutung einer Person stehen können, dafür war und ist Bergenroth ein so schlagendes Beispiel, daß sein Biograph darüber ins Schwärmen geriet (und Pegasus mit ihm durchging). "Er war nicht nur ein bemerkenswerter Mann, er war ein ganz außergewöhnlicher Mann, der eine Fülle der verschiedensten, merkwürdigsten, scheinbar nicht zu vereinbarenden Fähigkeiten und Eigenschaften in sich vereinigte" , beginnt er seine Erinnerungsskizze .

Cartwright, geboren 1825 als ältester Sohn eines englischen Diplomaten und einer bayrischen Grafentochter, war zweisprachig und in zwei Kulturen aufgewachsen. So konnte er mit den deutschen Freunden und Verwandten Bergenroths korrespondieren und sie um biographische Informationen bitten. Die Familie in Thorn - dort lebte Bergenroths Bruder Julius, ein Gymnasiallehrer, mit der 82jährigen Mutter und der Schwester Louise - half mit Briefen, am wertvollsten aber war für Cartwright ein Lebenslauf Bergenroths, den ihm dessen ehemaliger Freund Paul Friedmann zuschickte, ehemalig deshalb, weil sich Friedmann und Bergenroth ein paar Monate vor dessen Tod zerstritten hatten. Er bildet gleichsam das Skelett der Biographie, die Cartwright mit dem Fleisch von Briefen und Texten Bergenroths umkleidete und mit seiner bewundernden Zuneigung erwärmte. Das Ergebnis ist ein so lebendiges, anschauliches Portrait, daß man als Leser erst einmal nichts vermißt, obwohl es bei näherem Hinsehen große Lücken aufweist.

"Es ist nicht mehr als eine Skizze, weil alle Materialien für eine reichhaltigere und vollständigere Biographie unzugänglich sind", bemerkte der Rezensent der Londoner Times . "Aber es ist die Skizze eines höchst bemerkenswerten, interessanten Charakters, und selbst diejenigen, die zu seinen Lebzeiten nie von Bergenroth gehört haben, werden sicher gern der Laufbahn eines Mannes von unbezweifelbarem Genie folgen, dessen Wesen von ganz außergewöhnlichem Zuschnitt war." Normalerweise unterscheide man zwischen Männern des Geistes und Männern der Tat, Bergenroth aber sei eine verblüffende Ausnahme von dieser Regel gewe

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