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Joseph Görres Ein Leben im Zeitalter von Revolution und Restauration von Fink-Lang, Monika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.11.2015
  • Verlag: Topos
eBook (PDF)
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Joseph Görres

Joseph Görres ist eine herausragende Gestalt des deutschen Katholizismus. In seinem bewegten Leben spiegelt sich aber auch die Zerrissenheit seiner Zeit. Von den Idealen der Franzosischen Revolution begeistert, wird Görres bald zum Vordenker eines politischen Katholizismus und zum Verfechter der Ideen der Romantik. Auf vielen Wissensgebieten, von den Naturwissenschaften bis zur Geschichte und Philosophie, hat er Erstaunliches geleistet. Kampfgeist, Mystik und Poesie bilden in diesem Leben eine bewundernswerte Einheit.

Monika Fink-Lang, Dr. phil., ist freiberuflich tätig; Arbeiten zur Geistesgeschichte des Mittelalters und des Humanismus und zu Joseph Görres; zuletzt Herausgabe seiner Briefe.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 173
    Erscheinungsdatum: 06.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783836750202
    Verlag: Topos
    Größe: 792 kBytes
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Joseph Görres

II. Im Bann der Revolution (1793-1800)

Als am 24. Oktober 1794 die Franzosen unter den Klängen der Marseillaise in Koblenz einzogen und eine fast 20-jährige Epoche französischer Herrschaft für Görres' Heimatstadt begann, gehörte der 18-Jährige zu dem relativ kleinen Häufchen derer, die die politische Wende begrüßten, die, so schrieb er später, "die beseeligenden Gefühle der Freyheit" genossen und die anrückenden Franzosen mit Enthusiasmus bejubelten. 12

Schon in den Jahren vor dem Einmarsch der Franzosen hatte sich in Koblenz, wie auch in andern Städten des Rheinlands, ein Klub von "Patrioten" zusammengefunden, der die Ideale der Französischen Revolution und des Republikanismus auf seine Fahnen schrieb. In der Theorie sympathisierte man mit den Zielen der französischen Jakobiner, ohne jedoch deren Bereitschaft zur Gewalt zu teilen, in der Praxis aber setzte man - nach den alten Prinzipien der Aufklärung und eines Moralismus à la Kant - vor allem auf die Besserung des Menschen durch Erziehung. An eine politische oder publizistische Wirksamkeit war vorläufig nicht zu denken. Das Häuflein der Revolutionsanhänger musste sich vielmehr im Untergrund treffen, denn die meisten Koblenzer Bürger, zumal die Männer der Oberschicht, standen, obwohl von den Ideen der Aufklärung geprägt, dem Patriotenklub mehr als skeptisch gegenüber. Sie waren alles andere als Republikaner, hofften vielmehr auch nach dem Einmarsch der Franzosen noch lange auf eine Rückkehr ihres geistlichen Fürsten. Selbst unter denen, die in den ersten Jahren nach der Revolution Frankreich noch als Vorbild ansahen, machte sich seit 1792 ein Stimmungsumschwung bemerkbar. Viele Gemäßigte konnten sich schon mit der Ausrufung der Republik nicht anfreunden, die Nachrichten von der Terrorherrschaft in Paris, vom Wüten der Guillotine, von der Hinrichtung des Königs ließen dann viele am Musterland der Freiheit zweifeln. 13

Der junge Görres aber und seine Gesinnungsgenossen vom patriotischen Verein, unter ihnen nicht zuletzt einige seiner ehemaligen Lehrer, sehnten sich danach, auch in ihrer Heimat die Revolution ihren Siegeszug antreten zu sehen. Als bedeutenden Schritt auf diesem Weg feierten sie die Eroberung von Mainz durch die Franzosen im Oktober 1792. Die Mainzer Republikaner, die sich damals als "Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit" nach dem Vorbild der Pariser und Straßburger Jakobiner zusammenschlossen, wurden bald zum Vorbild und geistigen Zentrum der Revolutionsbegeisterten am Rhein. Diese "Klubisten" taten alles, um ihre Mitbürger für die Ideale der Revolution zu gewinnen, hielten allabendlich Versammlungen mit Vorträgen ab, verteilten Flugschriften und Zeitungen. Im Februar 1793 gründeten sie unter der Ägide der Besatzungsmacht eine selbstständige Mainzer Republik und organisierten Wahlen zu einem Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent. Doch spätestens mit der Rückeroberung von Mainz im Juli 1793 endete der kurze Traum. Die Koblenzer Republikaner, allen voran Görres' Lehrer, hatten bereits von Anfang an mit den Mainzern in Verbindung gestanden. Auch der junge Görres hat wohl im Lauf des Jahres 1792 - vermutlich mit einem seiner Lehrer - Mainz besucht und Bekanntschaft mit dem Zirkel der Klubisten gemacht. Das Konzept der Erziehung der Massen durch Wort und Schrift, das die Mainzer praktizierten, und die Perspektive eines möglichen Schritts von der philosophischen Theorie in die politische Praxis haben ihn sicher nachhaltig beeindruckt. Später wird er sich erinnern, dass damals "die Keime zu einem Enthusiasmus" gelegt wurden, der auf sein künftiges Leben von entscheidendem Einfluss war. 14

Als dann im Oktober 1794 mit dem Einmarsch der Franzosen der Traum der Koblenzer Republikaner in Erfüllung ging, verstand es der junge Görres sehr schnell als seine ganz persönliche Aufgabe, sich mit der Feder für seine politischen Ideale einzusetzen. Im Somm

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