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Leben und Hinrichtung des Mathias Weber, genannt Fetzer Anführer und Mitglied der Crevelder, Neußer, Niederländischen und Westphälischen Räuberbande. Aus den Papieren des Br. Keil, öffentlichen Anklägers im Ruhr-Department. Skizzirt und entworfen von Br. Diepenbach, Secretair des öffentl. Anklägers. von Keil, Anton (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2016
  • Verlag: Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789 - 1815
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Leben und Hinrichtung des Mathias Weber, genannt Fetzer

'Mein Ruhm zog meinen Untergang nach sich', äußerte sich Mathias Weber, genannt Fetzer, kurz vor seiner Hinrichtung in Köln am 17. Februar 1803. Als sein Kopf unter der Guillotine fiel, waren die Rheingegenden in den unruhigen Zeiten der Französischen Revolution um einen ihrer berüchtigsten Verbrecher ärmer geworden. Anton Keil, Kopfjäger im Dienste Frankreichs, unermüdlich im persönlichen Einsatz gegen das organisierte Verbrechen, verzeichnete einen seiner größten Erfolge im Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Die Zeit der Räuberbanden am Rhein, die seit dem Kriegsbeginn 1792 eine ungeahnte Bedrohung entfaltet hatten, näherte sich mit Fetzers Tod einem Ende. Zahlreiche andere Verbrecher, wie der bekanntere Schinderhannes, waren bereits in die Hände der Justiz gefallen. Fetzer und Schinderhannes aber waren entgegen der heute landläufigen Meinung keine schillernden Räuberhauptmänner, keine Robin Hoods, die nur die Reichen bestahlen und den Armen gaben. Sie hatten vor allem ihren eigenen Vorteil vor Augen. Fetzer bot sich auch nie als Romanheld im Stile eines Karl Mohr oder Rinaldo Rinaldini an: Eher schmächtig von Gestalt, niemals auffällig durch seine Kleidung, kein Frauenheld - die Merkmale, die einen Schinderhannes ausmachten, fehlten ihm. Obwohl die heute nachweisbaren 130 Straftaten des Schinderhannes - Raubüberfälle, räuberische Erpressungen, Diebstähle und die Beteiligung an fünf Morden - jede Größenvorstellung sprengen, so konnte Fetzer diese Zahl noch übertreffen: '181 vollendete und 122 mißlungene' Straftaten verzeichnete Keil zum Zeitpunkt von Fetzers Hinrichtung, dem mehrere tausend Zuschauer beiwohnten. So galten die letzten Worte Fetzers seinem Publikum: 'Ich habe den Tod verdient, meine Freunde, hundert Tode für einen. Ihr, die ihr auf bösem Wege seyd, spiegelt euch an meinem Ende ! Junge Leute ! flieht, flieht die Hurenhäuser. Eltern ! erzieht eure Kinder in Religion. Denkt an Gott. Möchte mein Blut das Letzte seyn, das so vergossen wird.' Dr. Anton Keil gehörte zu den vielen deutschen Studenten, die sich Anfang der 1790er Jahre nach Paris aufmachten, um die Französische Revolution mitzuerleben und mitzugestalten. Als studierter Jurist wurde er zuerst Ordonnanzoffizier der Jourdanschen Armee, dann Kunstkommissär, Staatsanwalt und Richter in Köln. In dieser Zeit ließ er sich auch als Kopfjäger und Geheimagent für das Justizministerium in Paris verpflichten. Seine Vorgesetzten bezeichneten ihn als 'blutrünstig und ohne moralische Grundsätze' - Eigenschaften, die ihm bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität zugute kamen. Dr. Dr. Mark Scheibe, Treuhänder und Leiter der Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789-1815, kommentierte Keils Buch, insbesondere mit seinen Forschungsergebnissen zu Keils Vita.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 90
    Erscheinungsdatum: 01.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783981318883
    Verlag: Stiftung Historische Kommission für die Rheinlande 1789 - 1815
    Größe: 895 kBytes
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Leben und Hinrichtung des Mathias Weber, genannt Fetzer

Vorerinnerung 1

Erst später, kurz vor der Ankunft der Bestätigung des Competenz-Urtheils und des gleich darauf entscheidenden End-Urtheils kam der Verfasser auf den Gedanken, aus dem thatenvollen Leben des Fetzers dem Publikum, das allenthalben begierig nach dessen Räubereyen und Abentheuern fragte, eine kleine Skizze zu entwerfen. So entstand in dem kleinen Zeitraume von zwey bis drey Tagen das ganze Werk.

Den Leser, den Beurtheiler ersuchen wir darauf Rücksicht zu nehmen, damit er nicht dort Eleganz, Correctheit und Ausfeilung sucht, wo man nichts versprechen kann als rohen Stoff. Sollte (I/II) das Leben des interessanten Räubers, das immer dem eines Schinderhannes an die Seite gesetzt werden darf, auch so, wie es jetzt hier vorgetragen wird, einige Nachfrage und Beyfall erhalten, so soll bey besserer Muse aus überfliessend sich anbiethender Materie ein größeres vollendetes Gemählde desselben erscheinen.

Der Verfasser.

(1) Nicht das Privatleben eines einzeln Räubers, welcher, so berüchtigt er immer seyn mag, doch nur durch die auffallenden Schatten im Gemählde seines Lebens einen Reitz geben kann, ist der ausschließende Gegenstand dieser Geschichte, sondern in ihm sucht der Biograph das schauderhafte Bild mehrerer Räuberbanden, welche - man wird es unglaublich finden - bereits seit einem ewigen Jahrhunderte trotz aller Wachsamkeit und Thätigkeit der Polizey-Beamten der Schrecken des ganzen Brabands, der Schrecken von Holland, der preussischen-westphälischen Landen, des cöllnischen, des lüttichschen, des jülichschen und des bergischen Gebiethes waren, und, ob sie gleich nicht immer mit einander in unmittelbarer Verbindung standen, doch, wenn man ihre Lebensart, die Manier ihres Raubens, ihre Pläne, und das in Betracht zieht, daß sie sich wechselweise sowohl Glieder als Anführer umtauschten, gewissermaßen in einer einzigen Kette ineinander zu greiffen schienen; dieses sucht der Biograph dem Leser ohne allen trügerischen Schmuck der Phantasie, ohne sich irgend, auch nur die kleinste Abweichung von dem zu erlauben, was die vorliegenden Actenstücke bezeugen, treu und offen darzustellen. Die eine dieser Banden hat sich unter dem Nahmen der Mersischen 2 zum Verderben des ruhigen Landmanns vor Menschengedenken schon gebildet; aber ihrer wird nur in der Periode ihrer Auflösung gedacht.

Eine andere nicht minder berüchtigte war die Crevelder oder vielmehr Westphälische. Ihr Centralpunct war die Stadt Creveld mit ihren umliegenden einzelnen Höfen. (1/2) Von da aus dehnte sie sich in das Herz des preussischen Westphalens, in das Jülichsche und Bergische aus.

Nicht selten hausten beyde Banden um die nähmliche Zeit in derselben Gegend ohne sich zu berühren oder in ihren Geschäften zu durchkreuzen. Mit dem Anwachsen der Mitglieder vervielfältigten sich die Diebstähle und störten die öffentliche Sicherheit. Am häufigsten fielen sie in der Periode der ersten sechs Jahres des neunten Jahrzehnts vor. Keine Nacht vergieng, die nicht mit einer Räuberschandthat bezeichnet wurde. Gegen das Jahr 1796 war es so weit gekommen, daß man in der Gegend von Creveld mit Fingern auf die Urheber hinwies, ohne den Muth zu haben, sie der Behörde anzuzeigen. Die Bande selbst fühlte, daß sie entweder aufgelöst werde, oder der Justiz in die Hände fallen würde; sie zog sich daher von Creveld weg, und schlug ihren neuen Versammlungspunct in Neuß, und den umliegenden Ortschaften auf. Seit dieser Zeit wird sie bekannt unter dem Namen Neußer Bande, welchen sie behält, bis sie in Verbindung mit der aufgelösten Mersischen Bande sich in's obere Deutschland zieht, wo sie den Nahmen Niederländische Bande bekömmt.

Die Neußer Bande hatte während den sechs letzt verflossenen Jahren den Helden unserer Geschichte an ihrer Spitze. Hier folgt sein Bild. Er ist kaum fünf Fuß groß, gegenwärtig fü

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