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Paulus unter den Philosophen

  • Erscheinungsdatum: 11.07.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Paulus unter den Philosophen

War Paulus aus Tarsus ein Philosoph? Zählt er gar zu jenen bedeutenden Philosophen, die das abendländische Leben und Denken maßgeblich mit prägten? Der italienische Philosoph Giorgio Agamben bezeichnet jedenfalls den Römerbrief des Apostels als 'grundlegenden messianischen Text der westlichen Kultur'. Nachdrücklich weisen auch jüdische Gelehrte wie Jacob Taubes und Daniel Boyarin auf die philosophisch-politische Sprengkraft paulinischen Denkens hin. Lange zuvor setzten sich bereits Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger intensiv mit den Briefen des Apostels auseinander. War Paulus ein Philosoph? In jedem Fall genießt er unter den Philosophen der Moderne und Spätmoderne eine bemerkenswert große Aufmerksamkeit. Die hier versammelten Beiträge von Philosophen und Theologen geben einen profunden Einblick in sein denkerisches Potential.

Prof. Dr. Christian Strecker lehrt Neues Testament an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau. Prof. Dr. Joachim Valentin lehrt christliche Religions- und Kulturtheorie an der Universität Frankfurt und ist Direktor des katholischen Kulturzentrums 'Haus am Dom', Frankfurt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 278
    Erscheinungsdatum: 11.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170264311
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Serie: ReligionsKulturen Bd.10
    Größe: 1697 kBytes
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Paulus unter den Philosophen

Einleitung

Im Februar 1987, nur wenige Wochen vor seinem Tod, hielt der bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnete Jacob Taubes vier Paulusvorlesungen an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg. In seiner Einführung zu den Vorlesungen beklagte er mit Emphase die Abschottung der Theologie und die Marginalisierung der Bibel.

"Ich halte die Abgeschlossenheit der theologischen Fakultäten für ein Verhängnis. Meiner Ansicht nach liegt eine dringende Aufgabe bei diesen Fakultäten, einige Fenster in ihre Monaden einzubauen ... Ich halte das für eine Katastrophe des deutschen Bildungssystems ... Ich habe Freunde wie Henrich, die deshalb zum Schluß kommen, die Theologische Fakultät abzuschaffen an der Universität. Ich habe dem immer widerstanden, weil ich gesagt habe: ohne dieses ABC könnte ich ja keine Philosophie unterrichten. Er kann, weil er ja mit dem Selbstbewusstsein beginnt, verstehen Sie, er braucht das also alles nicht, aber ich armer Job kann auf die Geschichte nicht verzichten. Und deshalb bin ich der Ansicht, daß hier in den Institutionen Durchlässigkeiten geschaffen werden müssen. Ich halte es für eine Katastrophe, daß meine Studenten aufwachsen in purer Ignoranz der Bibel. Ich habe eine Dissertation über Benjamin bekommen, wo zwanzig Prozent der Assoziationen falsch waren. Er kommt also mit der fertigen Arbeit an, ich lese darin und sage: Hören Sie mal, Sie müssen mal in die Sonntags-Schule gehen und die Bibel lesen! Und in der Feinheit der Benjaminiten sagt er mir: In welcher Übersetzung? Sag ich: Für Sie ist jede gut genug. Das ist der Zustand in der philosophischen Fakultät, wie ich ihn erlebe." 1

Inzwischen ist eine merklich größere Durchlässigkeit unübersehbar. Die allgemeine "Wiederkehr der Religion" in den westlichen Kulturen hat im Raum der Geistes-, Sozial- bzw. Kulturwissenschaften ein neues Interesse an religiösen, theologischen wie auch biblischen Themen und Fragestellungen entfacht. 2 In diesem Umfeld ist zumal auch die Aufmerksamkeit zu verorten, die die Briefe des Apostels Paulus gegenwärtig in den intellektuellen Diskursen erfahren. Neben den genannten Paulusvorträgen von Jacob Taubes sind es v.a. die philosophischen Pauluslektüren von Alain Badiou, Giorgio Agamben und Slavoj Zizek, die für Aufsehen sorgen - bis in das Feuilleton hinein. 3 Akzentuierungen des philosophischen Gehalts der Paulusbriefe und umfänglichere philosophische Auslegungen der Gedanken des Apostels sind allerdings kein Novum. Bereits Baruch de Spinoza notierte in seinem "Tractatus theologico-philosophicus", keiner von den Aposteln habe mehr philosophiert als Paulus. 4 Namentlich Friedrich Nietzsche setzte sich dann in seinem Werk intensiv mit Paulus auseinander, und Martin Heidegger widmete sich zu Beginn der 1920er Jahre in seinen Vorlesungen zur "Einleitung in die Phänomenologie der Religion" eingehend den Briefen des Apostels an die Thessalonicher und die Galater. Die Einzeichnung des Apostels in die Philosophie geht freilich bis in die frühen Anfänge des Christentums zurück. Bereits die Apostelgeschichte lässt Paulus auf dem Areopag in der Manier eines Philosophen auftreten (Apg 17,16-34). Dazu fügt sich, dass in der exegetischen Forschung immer wieder der Versuch unternommen wurde, den Apostel und seine Gedankenwelt mit bestimmten antiken philosophischen Schulen zu korrelieren, sei es, dass man ihn und seine Theologie mit den Epikureern, 5 mit den Kynikern, 6 mit den Stoikern 7 oder auch der sog. zweiten Sophistik 8 ins Verhältnis setzte. Alle diese Versuche stießen freilich auf berechtigte Kritik. Jenseits konkreter Schulzuweisungen lassen sich die Paulusbriefe jedoch durchaus allgemein im philosophischen Diskurs der damaligen Zeit verorten, überschneiden sich doch zentrale Charakteristika des paulinischen Wirkens mit dem allgemeinen Auftreten und Agieren antiker Philosophen. Hier w

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