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Paulus von Berger, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Paulus

Klaus Berger beschreibt in diesem Buch das Leben des Apostels Paulus, seinen Lebens- und Arbeitsstil, seine Mitarbeiter und die Adressaten seiner Briefe. Er rekonstruiert die Situationen und Gefahren, in denen Paulus seine Briefe geschrieben und theologische Lösungen erdacht hat, die das Christentum bis heute prägen. Durch diese enge Verknüpfung von Biographie und Theologie gelingt ihm ein ungewöhnlich plastisches Bild des bedeutendsten Apostels.

Klaus Berger, Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg, gehört zu den renommiertesten deutschen Neutestamentlern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406691270
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2871kBytes
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Paulus

Einleitung

Seit dreißig Jahren (1972-2002) halte ich regelmäßig Vorlesungen über Paulus, seine Briefe und seine Theologie. Von Anfang an habe ich Paulus als Judenchristen betrachtet, der Jude blieb. Daher war mir klar, daß keine konfessionelle Vereinnahmung ihn erfassen kann. Das mag ein Grund dafür sein, daß Paulus in den letzten fünfundzwanzig Jahren aus dem Zentrum der neutestamentlichen Wissenschaft verschwunden ist. Zahlreiche Kommentare zum Römerbrief und ebenso viele irenische Gesamtdarstellungen sind zu verzeichnen, die freilich niemanden mehr aufregen. Für eine allein auf Verwendbarkeit biblischer Stoffe erpichte Pfarrerschaft gilt Paulus als zu schwierig und kaum vermittelbar, doch das ist für Paulus im Rahmen der Kirchengeschichte nichts Neues. Auch die Edition der Römerbriefvorlesung von Erik Peterson (1997) hat daran nichts geändert. Und inzwischen edierte Texte wie der große Römerbriefkommentar Wilhelms von St. Thierry (12. Jahrhundert) harren der eigentlichen Entdeckung, da dieses bedeutende Werk vorerst nur lateinisch zugänglich ist. Es scheint vielmehr so, daß Karl Barths dogmatischer Kommentar zu diesem Brief 1919 das letzte fächerübergreifend paulinische Ereignis war. Und die Korintherbriefe sowie der liebenswerte Brief an die Philipper befinden sich weiterhin im Dornröschenschlaf. Für den Philipperbrief ist seit der gelehrten Auslegung von A. G. Hoelemann (Leipzig 1839), die im übrigen wohl wegen ihrer Latinität völlig vergessen ist, nichts Bewegendes mehr erschienen. Unter den Gesamtdarstellungen über Paulus geben die Bücher von Eduard Lohse und Jürgen Becker den Konsens am besten wieder.

Der besondere Aspekt dieses Paulusbuches . - Paulus ist immer nur in Spannungsfeldern greifbar. Es sind die Spannungen zwischen Judentum und griechischer Philosophie, zwischen Apokalyptik und pragmatisch-rationaler Kirchenpolitik, die Paulus selbst auszeichnen. Innerhalb des vergangenen Jahrhunderts lassen sich vier Schwerpunkte ausmachen, von denen aus man Paulus meinte erfassen zu können. Der erste Schwerpunkt war die Rechtfertigungsdoktrin des Galater- und des Römerbriefes - ein Interesse, das sich vor allem der Reformation verdankte. Der zweite Schwerpunkt ist die Auslegung von den Sakramenten der Taufe und des Herrenmahles her in der Religionsgeschichtlichen Schule; ihr erschien die Rechtfertigungslehre nurmehr als ein "Nebenkrater"; der Hauptkrater hieß jetzt Kultmystik und damit Sakramente. Ein dritter Schwerpunkt war die Wiederentdeckung Pauli als eines Juden. Und schließlich beginnt man, wieder einmal die Beziehungen zwischen Paulus und der zeitgenössischen Philosophie (Stoa, Kynismus) zu entdecken und damit seine grundlegende Offenheit gegenüber der Beschränkung auf den jüdischen Hintergrund zu ermitteln, ja zu fordern. Alles das hat immer genaue kirchengeschichtliche Entsprechungen: den Konfessionalismus, die liberale Theologie als Gegenschlag dagegen, die Bemühungen um den jüdisch-christlichen Dialog und die interreligiöse "Szene" der jüngsten Gegenwart.

Der hier gewählte Ausgangspunkt bedeutet demgegenüber: "Theologie ist Biographie". Für wen gälte das mehr als für Paulus, der das meiste, was wir von ihm wissen, in einer Stunde Null des Christentums zum erstenmal erlebt und erdacht hat, in einer einsamen und schwierigen Existenz, schließlich als Märtyrer.

Wir gehen vom 2. Korintherbrief aus (der letzte große Kommentar, der dazu erschien, war der von H. Windisch 1924) und versuchen, die paulinische Auffassung von seiner Berufung und von seinem Beruf als Angelpunkt seiner Theologie zu erkennen. Dieses Vorgehen hat folgende Vorzüge: Der Lebensbezug der paulinischen Aussagen wird klar erkennbar. Die persönliche Biographie und vor allem die Auffassung vom eigenen Stellenwert innerhalb der Erlösung sind die Schnittstellen zwischen kirchenpolitischen Ambitionen und vielen theologischen Lösungen, die Paulus in verschiedenen Situationen neu erdenken mußte

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