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Sehnsucht Australien von Bertram, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.02.2016
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Sehnsucht Australien

Dreieinhalb Monate, 14 000 Kilometer, unzählige Gespräche zwischen Darwin, Perth und Adelaide. Über dreißig Auswanderer-Geschichten sammelte das Hamburger Journalistenpaar Helga und Jürgen Bertram auf seiner Reise durch Australien. Eine Geschichte von der Sehnsucht nach Aufstieg, Freiheit und Wärme. AUTORENPORTRÄT Jürgen Bertram, Jahrgang 1940, war SPIEGEL-Redakteur und arbeitete für das Fernsehmagazin 'Panorama'. Als langjähriger Auslandskorrespondent leitete er u.a. die ARD-Büros in Singapur und Peking. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Helga Bertram, Jahrgang 1942, war, bevor sie mit ihrem Mann für 13 Jahre nach Asien ging, als Redakteurin für die 'Hannoversche Presse' und für Zeitschriften ('Constanze', 'Fernsehwoche', 'Für Sie') tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann veröffentlichte sie mehrere Reisebücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 02.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711448823
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 26311kBytes
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Sehnsucht Australien

1 "Wenn man in Not ist, dann kommen die Engel"
Eine deutsche Karriere in Darwin

Darwins Erkennungsmelodie sind die Geräusche seiner abertausend Palmen: Ein Säuseln, wenn - piano - nur ein Lüftchen geht, ein Rascheln im Allegro eines tropischen Windes, ein Knistern und Knarzen im Fortissimo der Stürme, die sich wie aus dem Nichts über der Timor Sea aufbauen und das beschwingte Fächerspiel der Zweige im Nu zum Veitstanz peitschen. Dazu trommelt dann - plopp, plopp, plopp - der dumpfe Rhythmus der zu Boden fallenden Kokosnüsse.

So muss es in dem Hain an der Meerespromenade geklungen haben, bevor ein Taifun namens "Tracy" in der Nacht nach Heiligabend 1974 mit einer Spitzengeschwindigkeit von 280 Kilometern in der Stunde fast die komplette Hauptstadt des australischen Northern Territory flachlegte. 66 Menschen starben, 36 000 wurden evakuiert. Nach den japanischen Bombenangriffen von 1942 war es der zweite Schock in Darwins gerade mal hundertjährigen Geschichte.

Harry Maschke, geboren am 6. Juni 1936 in Groß-Bölkau bei Danzig, hat die Katastrophe miterlebt. "Ich lag gerade in der Badewanne, als das Dach wegflog", erinnert er sich. "Mir fiel sofort das deutsche Paar ein, das bei mir zu Gast war. Die Frau hielt sich an einem Pfeiler auf der Empore im oberen Stockwerk fest und schrie um Hilfe. Die Treppe war bereits eingestürzt. 'Spring!', befahl ich ihr. 'Spring!' Sie sprang - und landete in meinen Armen. Danach habe ich mein Gedächtnis verloren. Aufgewacht bin ich drei Tage später in meinem Wochenendhaus am Adelaide River. Wie ich die mehr als hundert Kilometer mit dem Auto geschafft habe, das ist mir bis heute ein Rätsel."

Turbulenzen, heftige wie moderate, prägen die Lebensgeschichte des Auswanderers, der im feuchtheißen Norden Australiens eine neue Heimat fand. Das Temperament, mit dem er uns in der künstlich gekühlten Lobby unseres Hotels die ersten Kapitel dieser Lebensgeschichte erzählt, ist das beste Mittel gegen den Jetlag, der uns nach siebzehnstündigem Flug zusetzt.

Die filmreife Story beginnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hassendorf, einem Flecken im Osten Schleswig-Holsteins. Dorthin hat es die Familie Maschke nach ihrer Flucht aus Westpreußen verschlagen. Der Vater, vom Landwirt zum Waldarbeiter abgestiegen, wird eines Tages vom Klassenlehrer seines Sohnes mit einer Auffälligkeit konfrontiert, die den Pädagogen mehr stört als begeistert. "Ich habe nichts gegen Neugier", klagt er. "Aber Harry ist mir zu neugierig. Der will wirklich alles wissen. Mir geht das allmählich auf die Nerven."

Als der Vierzehnjährige die Volksschule verlässt, weiß er vor allem eins: Eine Perspektive kann ihm Hassendorf nicht bieten. Ein Gymnasium mit anschließendem Studium kommt für ein Kind aus der Unterschicht, und sei es noch so begabt und wissbegierig, auch nicht in Frage. Da er sich nicht als Hilfskraft auf einem der Bauernhöfe verdingen will, setzt sich Harry Maschke in den Zug und fährt nach Dortmund, in eines der Zentren des Ruhrgebiets. Im industriellen Herzen der Bundesrepublik zeichnen sich die ersten Konturen des Wirtschaftswunders ab. "Ja, und da stand ich nun auf dem Dortmunder Bahnhof. Ich hatte ein paar Mark in der Tasche, aber kein konkretes Ziel. Mir war nur klar: Irgendwo in dieser Stadt wartet eine Chance auf dich. Während ich den nächsten Schritt überlegte, kam eine ältere Frau auf mich zu. 'Dir sieht man an', sagte sie, 'dass du nicht von hier bist. Komm, ich bring' dich in ein Lehrlingsheim.'"

Weil er sofort eine Lehrstelle als Klempner und Feinblechner findet, kann er in der Herberge bleiben. Schon kurz nach der Abschlussprüfung befördert ihn sein Betrieb, der 300 Leute beschäftigt, zum Vorarbeiter. Auf Baustellen in Bayern und in Holland bekommt der blutjunge Aufsteiger die damals noch rigiden Gesetze der Hierarchie zu spüren: An der Basis hält man zusammen, an der Spitze hat man Entscheidungsfreiheit. Wer dazwischen agiert, bekommt D

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