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Ökumene in Zeiten des Terrors Streitschrift für die Einheit der Christen von Vollmer, Antje (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.09.2016
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Ökumene in Zeiten des Terrors

In Zeiten von Terror, Gewalt und Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten kommt der Einheit der christlichen Kirchen eine wichtige, die Gesellschaft stabilisierende Aufgabe zu. Aber die Reformschritte hin zur Einheit gehen längst nicht weit genug. Noch immer streiten Katholiken und Protestanten etwa über das Abendmahl. Die evangelische Theologin Antje Vollmer und der katholische Jesuitenpater Klaus Mertes sehen die Ökumene auch als zwingende Voraussetzung zum notwendigen und ehrlichen Dialog mit den Religionen. Über die konkreten Schritte entzündet sich zwischen den beiden ein streitbares Gespräch in Form eines Briefwechsels. 'Als wir unser Vorhaben im Sommer 2015 miteinander besprachen, ahnten wir beide nicht, in welche politischen Turbulenzen wir gerade in der Zeit unseres Schreibens geraten würden. Jetzt aber drängt sich diese Gegenwart so beunruhigend, so verunsichernd in unseren Alltag, dass wir das gar nicht ausblenden können. So wird dieser Briefwechsel wohl zugleich eine Art "politisches Tagebuch ", das die Nöte der Zeit ebenso widerspiegelt wie die eigene Ohnmacht. Umgekehrt wird mir immer klarer, dass sich das, was wir suchen, wenn wir über eine mögliche, gänzlich neue Art der Gemeinsamkeit zwischen heutigen Christen nachdenken, im Bezug auf diese Gegenwartskrisen bewähren muss, beispielsweise durch neue Formen der sichtbaren Einheit und der Überwindung alten Hasses. Ohne diesen Bezugspunkt macht es gar keinen Sinn und wäre nur Selbstbespiegelung in einem immer kleiner werdenden Nebenraum des großen Weltgetümmels'. (Antje Vollmer) In Zeiten von Terror, Gewalt und Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten kommt der Einheit der christlichen Kirchen eine wichtige, die Gesellschaft stabilisierende Aufgabe zu. Aber die Reformschritte hin zur Einheit gehen längst nicht weit genug. Noch immer streiten Katholiken und Protestanten etwa über das Abendmahl.

Dr. Antje Vollmer, Politikerin, Theologin, Autorin, war Co-Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Deutschen Bundestag. Von 1994 bis 2005 war sie zusätzlich die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Heute arbeitet sie als freie Autorin zur Zeitgeschichte und zur Geschichte des Widerstands gegen die NS-Diktatur.
Klaus Mertes, seit September 2011 Direktor des Kollegs St. Blasien, von 2000 bis 2011 war er Rektor des katholischen Gymnasiums Canisiuskolleg in Berlin, Autor mehrerer Bücher, Chefredakteur der Zeitschrift "Jesuiten", regelmäßig Beiträge im "Tagesspiegel".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 13.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451810053
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2547 kBytes
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Ökumene in Zeiten des Terrors

Ökumene in Zeiten des Terrors Ein Briefwechsel






Berlin, 16. November 2015
Lieber Pater Mertes,
Es ist ein merkwürdiger Zeitpunkt, um unseren Briefwechsel zu beginnen. Erst drei Tage ist es her seit jenem Freitag, dem 13. November, dem Tag der Attentate in Paris, die nicht nur Frankreich und Europa, sondern auch die ganze Welt grundlegend zu verändern drohen. 129 meist sehr junge Menschen sind da wahllos getötet worden, zahllose weitere sind verletzt. Auch die Attentäter sind jung. Sie sind zu allem entschlossen, sie sehen sich als Gotteskrieger . Sie sprengen sich in die Luft mit dem Ruf "Gott ist groß" auf den Lippen, einem ausgestreckten Zeigefinger als symbolischem Zeichen der Einheit ihres Gottes in der einen, die Kalaschnikow in der anderen Hand. "Wir sind im Krieg", heißt es wieder als Antwort, wie damals nach dem 11. September 2001. Ist das der zutreffende Begriff für die Zustände, in denen wir uns nun wieder befinden? Und sind wir je aus diesem erklärten und offensichtlich akzeptierten Kriegszustand herausgekommen? Nach einer neuen Statistik sind allein im letzten Jahr über 32000 Menschen solchen Attentaten zum Opfer gefallen. Als ob die Welt in einem suizidalen Zustand wäre! Die meisten starben im Irak, in Syrien, Afghanistan, Nigeria, Pakistan. Haben wir diese Opfer weltweit auch so betrauert wie "unsere Toten" in Europa oder in den USA? Haben wir sie überhaupt zur Kenntnis genommen? Und haben wir nur ahnungsweise etwas verstanden von all dem? Woher kommt dieser Hass? Und warum sucht er eine religiöse Form, Formel, Pathos, Motivation, um sich auszudrücken? Ist das nur Blasphemie oder hat es einen Grund, der uns erschrecken müsste? Und wie verhalten wir, wir Christen, uns dazu? Moralisch? Kriegerisch? Überlegen? Als Opfer oder als Richter? Als Teilnehmer und Propagandisten eines kollektiven abendländischen Kreuzzugs gegen dieses neue Böse ? Als Besitzer und Verteidiger von ewigen humanitären Werten, die weltweit Geltung und Beachtung einfordern? Als Realpolitiker oder als Hörer der Bergpredigt, die uns die Feindesliebe als einzige Möglichkeit anbietet, um der Spirale der Gewalt zu entrinnen? Auf welcher Seite stehen wir überhaupt und was bedeutet es, dass man unbedingt auf einer Seite stehen muss? In diesen Wirrnissen fangen wir also unseren Briefwechsel an, der mit all diesen Herausforderungen zu tun hat, aber vor allem mit der Frage, wie wir uns als Christen - in unserem speziellen Fall wir beide, Sie als Katholik und ich als Protestantin - in dieser unruhigen Welt verstehen, in welcher Verfassung wir selbst sind, um uns überhaupt mit diesem religiösen, politischen, menschlichen Stimmengewirr, das unsere Gegenwart bestimmt, auseinandersetzen zu können. Das Lutherjahr 2017 wirft seine Schatten voraus, die fünfhundertste Wiederkehr des Jahres, in dem die große Kirchenspaltung begann, die keiner der beteiligten Kaiser, Könige, Kirchenführer und Weisheitslehrer damals zu verhindern imstande war. Dieser tragischen Spaltung der abendländischen Christenheit folgte bald ein Dreißigjähriger Krieg, bei dem Europa gänzlich unregierbar wurde - ein failing state nach dem anderen, ein ganzer Kontinent, der in die Barbarei zurückfiel. Die Hälfte seiner Bevölkerung, Kriegsknechte wie Zivilisten, war tot, die Städte waren verwüstet, Kulturschätze von unendlicher Schönheit zerstört. Die meisten Überlebenden, von zu viel Trauer, Not und Gewalterfahrung abgestumpft und traumatisiert, trieben heimatlos über

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