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Beredtes Schweigen Exegetisch-literarische Beobachtungen zu einer Kommunikationsform in biblischen Texten von Ebach, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.03.2014
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Beredtes Schweigen

Das Schweigen in biblischen Texten zur Sprache bringen Dreimal spricht der Gottesbote zu Hagar, diese aber schweigt. "Da wollte Kain seinem Bruder Abel etwas sagen" heißt es in Genesis 4,8 - aber Kain spricht nicht. Was, wenn diese und weitere Leerstellen keine Tradierungsfehler, sondern literarische Absicht sind? Jürgen Ebach lauscht dem beredten Schweigen in Texten des Alten und des Neuen Testaments und entdeckt eine bisher nicht wirklich wahrgenommene Form biblischer Kommunikation. Zwischentexte mit außerbiblischen historischen, politischen und literarischen Schweigemotiven verbinden Bibel und Lebenswelt. Eine ebenso kluge wie unterhaltsame Lektüre für alle, die Freude an biblisch-exegetischen Entdeckungen haben! Neue biblisch-literarische Entdeckungen von Jürgen Ebach Klug, unterhaltsam und inspirierend Dr. Jürgen Ebach, geb. 1945, war bis März 2010 Professor für Exegese und Theologie des Alten Testaments und Biblische Hermeneutik an der Ruhr-Universität Bochum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 31.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641141264
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Größe: 587 kBytes
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Beredtes Schweigen

Annäherungen

Bere zum Beispiel kann mit seinem Schweigen Menschen umbringen. Wenn aber die Tante Gite sich für ein paar Stunden hinsetzt, um sich auszuschweigen, dann ist es wie Gesang, wie ein Violinspiel. Moische Kulbak , Die Selmenianer 1

I.

Die Frage, was ein Schweigen besage , bekommt es in ihrer paradoxen Struktur damit zu tun, dass das Schweigen eine Form der Sprache ist. Das "beredte Schweigen" ist ein berühmtes Oxymoron. 2 Ein klassischer Beispielssatz ist das " cum tacent, clamant " aus Ciceros erster Rede gegen Catilina. 3 Indem die zuhörenden Senatoren schweigen, so will es der Rhetor Cicero zum Ausdruck bringen, lassen sie laut werden, dass sie seine Anklage gegen Catilina für zutreffend halten und die aus ihr resultierenden Forderungen teilen. Denn, setzt Cicero fort, würde er einen Unschuldigen so attackieren, brächen sie in lauten Protest aus.

Freilich stellt sich hier sogleich die Frage nach der Interpretationshoheit über das Schweigen 4 und allemal ist nicht jedes Schweigen als Zustimmung zu werten. Das gilt vor allem, wenn diejenigen, die widersprechen wollten, zum Schweigen gebracht wurden oder wenn sie in ihrer sozialen Stellung von vornherein keine Stimme haben. Dann obliegt es denen, die sprechen können, die Weisung aus Prov 31,8 zu beherzigen: "Öffne deinen Mund für den Stummen, für den Rechtsanspruch aller Schwachen!" ( p e t??-p?ch? l e 'illem 'äl-d?n kålb e n? ? a l?f ).

Eine solche Mundöffnung 5 kann auch darin bestehen, dass die zum Schweigen Gebrachten in einer neuen literarischen Gestalt endlich doch zu Wort kommen. Christine Brückner lässt in dieser Weise die bei Shakespeare von Othello zuerst zum Schweigen aufgeforderte und dann gänzlich zum Schweigen gebrachte Desdemona 6 eine in doppeltem Wortsinn "ungehaltene Rede" halten. 7 Wie klänge eine ungehaltene Rede Abels, der in Genesis 4 kein einziges Wort sagt, und wie eine von Davids Tochter Tamar, die von ihrem Halbbruder Amnon vergewaltigt und dann von ihrem Bruder Absalom zum Schweigen verurteilt wird (2. Samuel 13)? Das Schweigen beider wird wie mehrere weitere hier in erster Annäherung betrachtete biblische Passagen noch ausführlicher zum Thema werden.

II.

Gerade für die, denen die Wahl gegeben ist zu reden oder zu schweigen, bleibt die Frage, wann das eine oder das andere an der Zeit ist. In diesem Betracht ist immer wieder der Satz aus Koh 3,7 zu bedenken. Ihm zu Folge gibt es wie für manche andere Gegensatzpaare, bei denen jeweils das eine an der Zeit ist, "eine Zeit zu schweigen und eine Zeit zu reden" ( 'et la? a š?t w e 'et l e dabber ). Allzu rasches Reden freilich ist zu keiner Zeit geboten. "Ein verständiger Mensch schweigt" ( '?š t e v?n?t ja? a r?š ), heißt es in Prov 11,12 und Prov 17,27 urteilt: "Wer die Worte zurückhält, beweist Klugheit; wer einen kühlen Kopf behält, ist ein weiser Mensch." Der darauffolgende Vers fügt die ironische Sentenz an, es sei auch den Dummen geraten zu schweigen, weil sich ihre Dummheit erst im Sprechen erweise. "Auch ein Narr, wenn er schweigt, kann als weise gelten, wenn er seine Lippen verschließt, als verständig", heißt es da ( gam ' ä w?l ma? a r?š ??ch?m je??šev &

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