text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Neue Testament von Theißen, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
7,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Neue Testament

Das Neue Testament ist die Schriftensammlung einer kleinen religiösen Subkultur im Römischen Reich, die durch Neuinterpretation der jüdischen Religion entstand und sich binnen 100 Jahren zu einer selbständigen Religion entwickelte. Zwei historische Gestalten haben sie geprägt: Jesus und Paulus. Die vorliegende Einführung stellt die Entstehung der durch sie (direkt und indirekt) hervorgerufenen Schriften im Zusammenhang mit der Geschichte des Urchristentums dar. Sie setzt einen besonderen Akzent auf die Entwicklung der Formensprache der neutestamentlichen Schriften und die Bearbeitung ihres religiösen Grundproblems, wie in einem monotheistischen Milieu eine menschliche Gestalt neben Gott gerückt werden konnte. Die dabei sichtbar werdenden formalen und inhaltlichen Besonderheiten erklären, warum diese Schriften in den Kanon der Alten Kirche aufgenommen wurden. Gerd Theißen, geb. 1943, studierte Germanistik und Evangelische Theologie, war Professor für Neues Testament in Kopenhagen 1978-1980 und lehrt seit 1980 in Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Historischer Jesus, Literatur- und Sozialgeschichte des Urchristentums, Theorie der urchristlichen Religion. Er veröffentlichte u.a. "Urchristliche Wundergeschichten" (1998); "Soziologie der Jesusbewegung" (1997); "Psychologische Aspekte paulinischer Theologie" (1993); "Der historische Jesus" (zusammen mit A.Merz, 2001); "Die Religion der ersten Christen" (2008). Bekannt wurde er durch eine in viele Sprachen übersetzte Jesuserzählung "Der Schatten des Galiläers" (2012).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406616228
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2901 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Neue Testament

II. Jesus von Nazareth

Was wissen wir von Jesus? Er stammt aus Galiläa und trat zum ersten Mal als Anhänger Johannes des Täufers in die Öffentlichkeit. Seine Taufe ist historisch. Denn die damit verbundene Selbstanklage als Sünder war für die Christen ein Anstoß, da sie schon bald von Jesu Sündlosigkeit überzeugt waren (Hebr 4,15). Jesus teilte die Überzeugung des Täufers, das Weltende sei nahe, nur Umkehr könne vor dem Gericht retten (Mk 1,15), aber er unterschied sich vom Täufer durch Gleichgültigkeit gegenüber rituellen Akten: Er taufte nicht. Der Täufer sah die Axt schon an die Wurzeln der Bäume gelegt (Lk 3,9). Es blieb bei ihm keine Zeit, um die Umkehr durch Taten zu beweisen; die Taufe trat als symbolische Ersatzhandlung an deren Stelle. Jesus aber hat erlebt, dass diese Naherwartung nicht in Erfüllung ging. Der Täufer wurde inhaftiert. Die Zeit ging weiter. Wahrscheinlich hat Jesus die weitergehende Zeit als Gnade gedeutet. Denn die schlichte Tatsache, dass die Sonne aufgeht, ist für ihn ein Zeichen der Güte Gottes (Mt 5,45). Gott gibt dem Menschen Zeit zur Umkehr (Lk 13,6-9).

Seine Verkündigung können wir in Grundzügen rekonstruieren. Uns sind viele potentiell unabhängige Ströme von Jesusüberlieferungen erhalten: das MkEv, die Logienquelle (Q), das Sondergut bei Mt und Lk, dazu das Johannes- und Thomasevangelium. Jedes einzelne Traditionsstück in ihnen konnte für sich tradiert werden, ehe es in einem Evangelium niedergeschrieben wurde. Was in all diesen Traditionen an Formen, Motiven und Worten immer wiederkehrt, kann historisch sein. Dazu alles, was urchristlichen Tendenzen zu seiner Verehrung widersprach. Die so gewonnenen Ergebnisse können wir mit Hilfe von zwei Kriterien überprüfen: Nach dem Kriterium der Wirkungsplausibilität ist echt, was sich als Auswirkung des historischen Jesus besser erklären lässt als durch andere Faktoren, nach dem Kriterium der Kontextplausibilität, was sich als individuelle Erscheinung in die damalige jüdische Geschichte einordnen lässt. Folgende Aussagen über Jesus sind danach möglich:

Jesus erwartete das nahe Ende der Welt. Er predigte die "Königsherrschaft Gottes". Damit vertrat er einen konsequenten Monotheismus: Gott wird sich gegen alle bösen Mächte, die Dämonen in der Welt und die Sünde im Menschen, durchsetzen. Juden verstanden, was Jesus meinte. Nirgendwo erklärte er, was "Königsherrschaft Gottes" bedeutet. Aber er setzte eigene Akzente: (1) Wo sonst von der "Königsherrschaft" Gottes die Rede ist, ist Gott immer auch "König". Für Jesus aber ist er der "Vater" (Lk 11,2). (2) Die Königsherrschaft ist in anderen jüdischen Texten zukünftig, beginnt aber bei Jesus schon in der Gegenwart (Lk 11,20). (3) Sie bedeutet meist Befreiung von Fremdherrschaft, bei Jesus aber werden gerade die Fremden in sie hineinströmen (Lk 13,29). Sie ist also kein Triumph über die Feinde Israels, sondern Hoffnung für die Verlorenen in Israel, für Fremde und Ausländer!

Jesus betont die Gnade Gottes mehr als der Täufer. Das Gericht fehlt jedoch nicht. Nicht alle werden in das Reich Gottes kommen: "Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen" (Mk 10,15). Das Heil begann für Jesus in Heilungen. Schon zu seinen Lebzeiten erzählte man mit vielen Übertreibungen von seinen Wundern. Sie haben einen historischen Kern. Denn nicht allen Charismatikern wurden damals Wunder angedichtet, weder dem Lehrer der Gerechtigkeit noch dem Täufer. Diese für Jesus charakteristischen Wunder verbreiteten die Gewissheit: Jetzt ist das Heil im Anbruch.

In seiner Verkündigung benutzte Jesus die Formen von Prophetie und Weisheit. Selbst wenn wir unsicher sind, ob er dies oder jenes Wort so und nicht anders gesprochen hat, wissen wir über seine Formensprache gut Bescheid. Jesus sprach in Seligpreisungen und Weherufen. Er hat Ich-Worte geprägt, in denen er von seiner Sendung mit der Wendung: "Ich bin gekommen ..." sprach (

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen