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Der Kirchenaustritt Rechtliches Problem und pastorale Herausforderung

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2013
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
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Der Kirchenaustritt

Kann man nach staatlichem Recht aus der kath. Kirche 'austreten' und trotzdem weiter zur Glaubensgemeinschaft gehören? Die neu entfachte Debatte führen Experten aus Theologie und Rechtswissenschaft fort. Sie erörtern religionssoziologische, dogmatische, pastorale und kirchenrechtliche Aspekte, fragen nach der Situation in Österreich, der Schweiz sowie in den Evangelischen Landeskirchen und entwerfen so ein facettenreiches Bild des Kirchenaustritts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 05.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451800337
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3760kBytes
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Der Kirchenaustritt

Die geschichtliche Entwicklung des Kirchenaustritts 1

René Löffler
1. Staatliche Regelungen zur Kirchenmitgliedschaft in einem konfessionell gemischten Land

Im Mittelalter bildeten Staat und Religion eine Einheit. Eine Loslösung von der einen Kirche war auch aus staatlicher Sicht nicht erlaubt. Mit der Reformation endete die konfessionelle Einheit, was auch eine neue staatskirchenrechtliche Situation im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und darüber hinaus mit sich brachte. Das Zusammenleben der katholischen und protestantischen Konfession wurde zunächst im Augsburger Religionsfrieden von 1555 geregelt. Danach hatten die Reichsstände das Recht, zwischen den Konfessionen zu wählen. Nach dem Grundsatz "cuius regio - eius religio" mussten die Untertanen der vom Landesherrn gewählten Religion folgen oder auswandern. Der evangelischen Forderung nach einer freien Wahl des Bekenntnisses wurde nicht entsprochen. Dies blieb im Westfälischen Frieden von 1648 nahezu unverändert. Aufgrund der Kräfteverschiebung durch den Dreißigjährigen Krieg mussten die Rechte der Konfessionen jedoch spezifiziert werden. Den Angehörigen der je anderen Konfession wurde die öffentliche Religionsausübung für die Zukunft in dem Maße garantiert, wie sie im fixierten Vorkriegsjahr - dem Normaljahr 1624 - praktiziert wurde. Ein Übertritt zu einer anderen Konfession war möglich, so sie im Land erlaubt ausgeübt werden konnte. Staatskirchentum und Staatskirchenhoheit blieben jedoch das beherrschende System.

In Folge der Aufklärungsbewegung mit ihren religionskritischen Einflüssen kam es auch zu einer zunehmenden Differenzierung des christlichen Milieus. Friedrich Wilhelm II. sah durch Aufklärung und Freidenkertum die drei Hauptkonfessionen Reformierte, Lutherische und Römisch-Katholische gefährdet und beabsichtigte mit dem Woellnerischen Religionsedikt vom 25. 07. 1788 deren Stabilisierung. Das im Augsburger Religionsfrieden und im Westfälischen Frieden festgeschriebene geschützte Verhältnis der drei Hauptkonfessionen wurde bestätigt, andere Religionsgemeinschaften ("geduldete Sekten") toleriert. Ein Konfessionswechsel war nun bei den staatlichen Behörden zu melden. Religionsfreiheit im eigentlichen Sinn räumte das Woellnerische Religionsedikt nicht ein, war doch nur ein Wechsel zwischen den vorgegebenen Religionsgemeinschaften gegeben, nicht aber die Möglichkeit, keiner Religion anzugehören.

Nach wenigen Jahren wurde das Woellnerische Religionsedikt wieder außer Kraft gesetzt, da mit dem "Allgemeinen Preußischen Landrecht" von 1794 neue Regelungen getroffen wurden. Dieses sicherte jedem Einwohner Preußens die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit und damit auch die freie Wahl einer Religion zu. Wer das 14. Lebensjahr vollendet hatte, konnte unter den bestehenden Religionen frei wählen. Eine Konfessionslosigkeit war im Allgemeinen Landrecht nicht vorgesehen. Vielmehr musste jeder Bürger nach dem Willen des Staates einer Kirche angehören, hatten die Kirchen, vor allem die protestantischen, doch den Auftrag, ihre Mitglieder zum Gehorsam gegenüber den Gesetzen, zur Treue gegenüber dem Staat und zu sittlich guter Gesinnung gegenüber ihren Mitbürgern zu erziehen. Neue religiöse Gesellschaften durften nur mit staatlicher Genehmigung gebildet werden und der Staat beanspruchte die Oberaufsicht über die Kirchen. Die Pfarrer der drei anerkannten Kirchen wurden zur Personenstandsführung verpflichtet, indem sie Kirchenbücher zu führen und eine überprüfte Abschrift beim Amtsgericht des Wohnsitzes zur Aufbewahrung abzugeben hatten. Auch die Angehörigen der nur geduldeten Religionsgem

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