text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Gnosis Texte und Kommentar von Brankaer, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2010
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Gnosis

Als religionswissenschaftlicher Begriff bezeichnet Gnosis verschiedene religiöse Lehren und Gruppierungen des 2. und 3. Jahrhunderts, aber auch früherer Vorläufer und steht für ein religiöses Geheimwissen, das die Gnostiker nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. Seit dem 2. Jahrhundert liegen Zeugnisse von Gegnern über diese Bewegung vor, die durch Erkenntnis (die Bedeutung des griechischen Wortes 'Gnosis') die Erlösung aus einer feindlichen Welt zu erreichen meint. Neben diesen Zeugnissen existieren noch eine große Anzahl von Originaltexten, die im ägyptischen Wüstensand gefunden wurden und den Reichtum der gnostischen mythologischen Erzählungen aufzeigen. In den Quelltexten werden die wichtigsten gnostischen Lehrer und Systeme offenbar. Darüber hinaus rufen sie auch wichtige Fragen hervor: Gab es eine gnostische Religion? Hatten die Gnostiker ihre eigenen Riten? Was war die Rolle der Frau in der Gnosis? Wie verhalten sich Gnosis und Christentum bzw. Gnosis und antike Philosophie? Dieses Buch versammelt nicht nur die Antworten der modernen Gnosisforschung auf diese Fragen, sondern erläutert die bedeutsamsten Elemente der gnostischen Mythologie - Götterwelt, die Entstehung der Welt, die Erlösung durch Erkenntnis, der Fall der Weisheit-und illustriert dies anhand einer Textauswahl. Dr. Johanna Brankaer, Jahrgang 1977, hat klassische Philologie, Philosophie, Byzantinistik, Theologie und Orientalismus studiert. Die Promotion in Philosophie erfolgte 2004 an der Freien Universität Brüssel zum Thema 'Die Rezeption der Philosophie in Ägypten in der Spätantike'. Es folgten Forschungssemester an der Humboldt-Universität in Berlin und der Friedrich Schiller-Universität in Jena. Derzeit arbeitet sie an der Westphälischen Wilhelms-Universität Münster an einem 'Lexikon gnostischer Mythologumena'. Diverse Publikationen und Aufsätze über gnostische Schriften: mit H.-G. Betghe 'Codex Tchacos' (2007), 'Coptic. A Learning Grammar' (2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843800587
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 1224 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Gnosis

GRUNDZÜGE GNOSTISCHER MYTHOLOGIE

In diesem Kapitel werden einige Züge der gnostischen Mythologie behandelt. Dabei muss man aber den Vorbehalt machen, dass es nicht eine einheitliche Mythologie gibt. Es gibt verschiedene Themen und Motive, die in unterschiedlichen Varianten begegnen. Es gibt keinen ursprünglichen Mythos, von dem die bezeugten Mythen abgeleitet wären. Es gibt eher einen Komplex von mythologischen Elementen, die von den gnostischen Mythopoeten frei kombiniert wurden.
DAS PLEROMA UND DER KOSMOS

In allen gnostischen Systementwürfen gibt es einen Kontrast zwischen dem Pleroma, der überweltlichen Fülle von Äonen, und dem Kosmos, der erschaffenen Welt. Dieses Gegenüber ist aber kein Dualismus im eigentlichen Sinne. Kosmos und Pleroma sind nicht gleichursprünglich. Das Pleroma ist ewig und unvergänglich. Es ist die göttliche, immaterielle Wirklichkeit. Der Kosmos ist nach dem Pleroma entstanden, durch einen Fehler innerhalb des Pleromas - meistens durch den Fall der Sophia. Er ist also sekundärer Natur. Er ist entstanden und wird auch wieder vergehen. Das Pleroma ist die Entfaltung der höchsten Gottheit, während der Kosmos das Produkt eines niederen Schöpfergottes ist. Das Pleroma besteht aus Äonen, Ewigkeiten, die als persönliche Entitäten erscheinen. Die ursprünglichste Entität ist der Vater, der bei den Valentinianern auch "Bythos" ("Tiefe, Urgrund") und im Sethianismus "Unsichtbarer Geist" genannt wird 7 . Sowohl im Valentinianismus als auch im sethianischen System gibt es ein weibliches Wesen, mit der der Vater die anderen Äonen zeugt. Im Valentinianismus geht es um "Sige" ("Stille") bzw. "Ennoia" ("Gedanke"). Im Sethianismus heißt diese Figur Barbelo - diese stellt auch den ersten Gedanken des Vaters da. Das weibliche Prinzip ist also vom Vater abgeleitet: Es ist sein (erster) Gedanke, der hypostasiert, d.h. zu einer selbständigen Entität wird. In einer Reihe von sethianischen Schriften ist die Barbelo in drei Subäonen aufgeteilt: "Kalyptos" ("Verborgener"), "Protophanes" ("Ersterschienener") und "Autogenes" ("Selbstentstandener"). Diese stellen die Entwicklung des ersten Gedankens aus dem Vater dar: Zuerst ist das Gedachte noch verborgen, dann erscheint es, und dann bringt es sich selbst hervor. Es gibt sethianische Texte, in denen es noch den "Dreifach Kräftigen" gibt, zwischen der Barbelo und dem Vater. Dieser ist die Hypostase - Verselbständigung - der Kräfte des Vaters. Die Barbelo und der Vater bringen den Sohn, den "Monogenes" ("Einiggeborenen"), hervor. Dieser wird auch "Autogenes" ("Selbstentstandener") genannt. Der Autogenes bringt die vier Erleuchter hervor: Harmozel, Oroiael, Daveithe und Eleleth. Der himmlische Adam gehört zum Äon des Harmozel, Seth wird im Äon des Oroiael platziert, zum Äon des Daveithe gelangt der Same des Seth. Im Äon des Eleleth schließlich befinden sich die Seelen, die sich nach einer Zögerung umkehren. Jeder Erleuchter ist mit drei Äonen verbunden, was dazu führt, dass es insgesamt 12 Äonen gibt, von denen die Sophia der letzte ist. S. Figur 1 .

Das valentinianische Pleroma kommt auch aus dem Vater hervor. Dieser wird auch "Bythos" ("Tiefe, Urgrund") genannt. Aus ihm und der Ennoia ("Gedanke") bzw. "Sige" ("Stille") kommen drei Äonenpaare hervor: der Monogenes ("Einiggeborener") und die Wahrheit, der Logos ("Wort") und das Leben und der Mensch und die Ekklesia ("Kirche"). Zusammen bilden sie die Ogdoas ("Achtheit"). Zudem gibt es noch eine Zehnheit, fünf Äonenpaare, die aus dem Logos und dem Leben stammen, und eine Zwölfheit, sechs Äonenpaare, die aus dem Menschen und der Ekklesia ("Kirche") stammen. Insgesamt gibt es also 30 Äonen im Pleroma, von denen die Sophia das unterste Wesen ist. S. Figur 2 .

Der erschaffene Kosmos ist nach dem Bild des Pleromas kreiert, aber in unvollkommener Weise. Herrscher des

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen