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Die Konzilien und der Papst Von Pisa (1409) bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) von Schmidt, Bernward (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.04.2013
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Die Konzilien und der Papst

Seit das Konstanzer Konzil (1414-18) die Oberhoheit des Konzils über den Papst dekretiert hat, ist umstritten, wer in der Kirche die oberste Autorität besitzt: der Papst oder die beim Konzil versammelten Bischöfe. Die hier vorliegende neuere Konziliengeschichte arbeitet das Zusammenwirken und die Konkurrenz beider Instanzen heraus. Die chronologische Ereignisgeschichte von Pisa (1409) bis zum Vaticanum II (1962-65) bildet dabei das Grundgerüst des Buches.

Bernward Schmidt, geb. 1977, Dr. theol., derzeit Juniorprofessor für Kirchengeschichte an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 22.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451345623
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 6001kBytes
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Die Konzilien und der Papst

I Herrscher über Kirche und Welt? Theorien vom Papsttum im Mittelalter

1. Die Entwicklung des päpstlichen Primats bis 1300

Der Papst - geborener "Oberbischof" der katholischen Kirche? Was im ökumenischen Gespräch heute vor allem ein Problem zu sein scheint, hat sich über eine lange Periode der Kirchengeschichte ausgeprägt. Der päpstliche Primat stammt nicht aus der Frühzeit der Kirche, sondern resultiert vor allem aus Entwicklungen im ersten Jahrtausend. Ihnen liegt auch kein planvolles Vorgehen zugrunde, vielmehr besteht die Primatsentwicklung im Mittelalter aus der Summe situativer Einzelmaßnahmen. 1

In den ersten Jahrhunderten bestand Kirche als communio, als Gemeinschaft von Ortskirchen, in der keinem Bischofssitz ein Vorrang gegenüber den anderen zukam. 2 Erst im 3. Jahrhundert wird eine gewisse herausgehobene Stellung der "Hauptkirchen" von Rom, Alexandria und Antiochia sichtbar, wobei anzunehmen ist, dass hier den Gemeinden in politisch bedeutenden Städten auch in der Gemeinschaft der Kirche eine maßgeblichere Rolle zugestanden wurde als anderen. Damit war jedoch weder hinsichtlich der Lehre noch gar im Bereich der kirchlichen Rechtsprechung eine leitende Rolle verbunden, eher im Gegenteil: Cyprian von Karthago (um 200/10 - 258), einer der maßgeblichen Autoren dieser Zeit, wendet sich zwar zur Entscheidung einer Streitfrage an den römischen Bischof Stephan, doch nicht weil er ihm Kompetenzen als "Oberbischof" zuschriebe, sondern um ihn im Sinn der kollegialen Solidarität unter Bischöfen um ein Urteil zu bitten. Denn für Cyprian tragen alle Bischöfe gemeinsam Verantwortung für die eine Kirche, so dass es einen Bischof nicht unberührt lassen kann, wenn durch das Fehlverhalten anderer die Kirche Schaden nimmt. Die Kollegialität der Bischöfe wird vor allem in den Synoden sichtbar, die sich schon früh als innerkirchliche Problemlösungsinstanz etablieren konnten. Nicht kirchenpolitisch, sondern lediglich spirituell ließ sich ein Vorrang Roms begründen, hatten doch in der Hauptstadt des Reiches die beiden Apostel Petrus und Paulus das Martyrium erlitten. Sicherlich aber spielte die frühe Verehrung des Petrus und der Gedanke einer Wirksamkeit des Apostels in seinen Nachfolgern eine Rolle für die Entwicklung der herausgehobenen kirchlichen Stellung Roms.

Die "Konstantinische Wende" im frühen 4. Jahrhundert brachte mittelfristig für die Kirche neben der Freiheit ihres Kultes und Wirkens auch erhebliche organisatorische Änderungen. Die Verlegung der kaiserlichen Residenz ins neue Konstantinopel, das dadurch ebenfalls über einen exponierten Bischofssitz verfügte, schuf dem römischen Bischof politische Freiräume gegenüber dem Kaisertum, die der Bischof der Residenzstadt im Osten nicht genießen konnte. Zudem bildete sich die Metropolitanstruktur heraus, d. h. ein Zusammenschluss von Bischofsgemeinden zu einer Kirchenprovinz, an deren Spitze ein Bischof als Metropolit stand. Die gemeindlichen Bischofswahlen wurden nun von den Bischöfen der Kirchenprovinz oder dem Metropoliten kontrolliert oder gar dominiert; sollte ein Bischof angeklagt werden, war die Provinzialsynode das richtende Gremium. Die Provinzen wiederum unterstanden seit dem 5. Jahrhundert der Aufsicht eines der fünf Patriarchate, zu denen nun neben Rom, Antiochia und Alexandria auch Konstantinopel und Jerusalem gezählt wurden.

Im Kontext der verschiedenen, teils hochkontroversen Synoden des 4. Jahrhunderts konnte sich die römische Kirche nicht nur als stabil und theologisch klar positioniert behaupten, sondern auch immer mehr als höhere Instanz etablieren. Es wurde daher immer üblicher, sich in schwierigen Situat

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