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Die neue Engelreligion. Lichtgestalten - dunkle Mächte von Ruster, Thomas (eBook)

  • Verlag: Butzon & Bercker GmbH
eBook (PDF)
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Die neue Engelreligion.

Steckt hinter dem Engel-Boom mehr als eine Mode? Gibt es eine neue Wahrnehmung des Überirdischen oder ist der Engelglaube ein rein esoterisches Phänomen? Welche Rolle spielen Engel im christlichen Glauben und in welcher Beziehung stehen sie zum Evangelium? Thomas Ruster deutet die neue Engelreligion aus unterschiedlichen Perspektiven. Dabei kommt die Wirkweise himmlischer Mächte ebenso zur Sprache wie die Weiterführung der traditionellen katholischen Engellehre auf einer neuen wissenschaftlichen Grundlage.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 265
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783766641274
    Verlag: Butzon & Bercker GmbH
    Größe: 309 kBytes
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Die neue Engelreligion.

III. Der verschlossene Himmel (S. 95-97)

Im katholischen Christentum ist der Glaube an Gott mit der Himmelsfrömmigkeit der Religionen auf optimale Weise versöhnt. Davon legt nicht nur, wie gezeigt, das Konzilsdokument Nostra Aetate einen Beweis ab, das zeigt sich schon an jedem Kirchengebäude. Die Türme weisen nach oben – zu Gott oder zum Himmel, das kann für den Betrachter zunächst offen bleiben. Aber selbstverständlich handelt es sich um ein Gotteshaus, denn es wird darin Gottesdienst gefeiert. Es ist keine Frage, wem hier gedient wird. Im Mittelpunkt steht oder hängt das Kreuz, denn Christus hat uns am Kreuz von Sünde, Tod und Teufel (den gottwidrigen Mächten auf der Erde und im Himmel) erlöst. Auf die Geschichte Jesu Christi wird in dem Gebäude in vielfältiger Weise angespielt. Aber auch die Wirklichkeit des Himmlischen hat ihren Platz. Die Heiligen, die bereits im Himmel sind, und die Engel sind in der Kirche häufig anzutreffen. Und selbst die Dämonen dürfen vorkommen. Sie tun als Wasserspeier oder Gesimsträger ihren Dienst. Den Teufel trifft man in der Regel in zwei verschiedenen Versionen: als den Drachen, der von St. Michael erlegt wird, oder als das gezähmte Untier, das St. Margareta an der Leine führt. Ob nach männlicher oder weiblicher Art, ob besiegt oder gezähmt, seine Macht ist gebrochen. Eine besondere Dichte in der Überschneidung von christlichem Glauben und Religion wird in den Darstellungen der Jung- frau und Gottesmutter Maria erreicht. Sie ist die Zeugin Israels, sie ließ Gottes Wort an sich geschehen, sie ist die Mutter Jesu und die Begleiterin seines Lebens: Sie ist ganz und gar eine Gestalt aus der biblischen Welt. Die Marienbilder geben aber auch zu erkennen, dass sie etwas von den weiblichen Gottheiten der Religionen an sich hat: etwas von der Erdmutter, der Geberin des Lebens, etwas von den verehrten und geliebten himmlischen Jungfrauen und Königinnen. Freude und Schmerz des ganzen, vor allem des Lebens als Mutter sind in ihrem in vielen Szenen dargestellten Geschick präsent. An sie wendet man sich in allen Nöten. Einem alten Heiden, der eine Kirche betritt, würde vieles vertraut vorkommen (und Katholiken sind immer noch ein bisschen alte Heiden). Was am Heidentum schön und tröstlich war, ist in die Marienfrömmigkeit eingegangen. Die Kirche bemüht sich aber unablässig, die Menschen von der heidnischen zur biblischen Maria hinzuführen, siehe zum Beispiel den Rosenkranz, der das Gebet zur Gottesmutter immer wieder auf das biblische Leben Jesu verweist.

Niemals in der Geschichte wurden so viele Kirchen erbaut wie im Barockzeitalter. Es ist, als wenn die katholische Kirche mitten in der Neuzeit – bis zum Ende des 18. Jahrhunderts! – noch einmal mit allem Nachdruck ihre Synthese von Glauben und Religion vor Augen führen wollte. Und dennoch ist diese Synthese zerbrochen. Die so genannte Aufklärung hat ihr den Garaus gemacht. Seitdem ist der religiöse Himmel aus der öffentlichen Kommunikation verbannt. Er darf nicht mehr Gegenstand des gesellschaftlich anerkannten Wissens sein, folglich kommt er auch in der Wissenschaft nicht mehr vor (dort werden höchstens Himmels- oder Engelsvorstellungen behandelt). Da über die Engel nichts Sicheres zu wissen ist, geht man davon aus, dass sie nicht existieren. Das milde oder mitleidige Lächeln, das jemanden trifft, der sich im Raum der Wissenschaft mit den Engeln beschäftigt, ist ein Beleg für dieses allgemeine Verdikt.

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