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Geschichte des frühen Christentums von Winkelmann, Friedhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.12.2013
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Geschichte des frühen Christentums

Wer etwas von den Grundlagen des Christentums und den vielfältigen Ausgangspositionen für die spätere Kirchengeschichte verstehen will, kann von einer Betrachtung seiner Anfänge nicht absehen. In dieser frühen Zeit erfolgten die entscheidenden Weichenstellungen für die weitere Entwicklung des Christentums. Alle christlichen Konfessionen bekennen sich zu den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte als ihrem Fundament, sprechen ihnen mit Recht eine normative Bedeutung zu, betrachten sie als eine Richtschnur für die Kontrolle und Erneuerung der eigenen Entwicklung, als die Grundlage theologischer Diskussion und Verständigung in der christlichen Ökumene. So ist es eine zentrale und bedeutende, in der Darstellung höchst faszinierende Zeit, die in dem vorliegenden Band behandelt wird. Friedhelm Winkelmann, Jahrgang 1929, arbeitete von 1955 bis 1991 auf den Gebieten der Kirchengeschichte, Patristik und Byzantinistik an der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Von 1991 bis 1996 lehrte er als Professor für Kirchengeschichte an den Universitäten Heidelberg, Rostock und Tübingen. Er hat zahlreiche Publikationen zur frühen und byzantinischen Kirchengeschichte vorgelegt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 04.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406661525
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3241 kBytes
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Geschichte des frühen Christentums

I. Die Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten

1. Missionsziele und -motivationen in urchristlicher Zeit

Das nach dem Jahre 70 in Syrien geschriebene Matthäusevangelium schließt mit einem Missionsbefehl:

"Darum geht hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis diese Weltzeit sich vollendet." (28, 19f.) Diese Auffassung repräsentiert jedoch schon eine spätere Entwicklungsstufe und ist nicht die Meinung der ersten urchristlichen Gemeinden in Palästina. Diese besaßen vielmehr kein auf die Missionierung der ganzen Welt ausgerichtetes Ziel. Sie verstanden sich als eine innerjüdische Reformbewegung bei voller Einhaltung der jüdischen kultischen und ethischen Verpflichtungen, also des jüdischen Gesetzes, der Thora. Die Botschaft, daß mit Jesus der erwartete Messias bereits gekommen sei, galt dem "Hause Israel". Diese Situation spiegelt sich zum Beispiel deutlich in den Jesusworten, die nur im Matthäusevangelium 10, 5f. und 15, 24 bewahrt wurden, wider: "Geht nicht auf den Abweg zu den Heiden, betretet auch keine Stadt der Samariter! Geht vielmehr zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel" und "Er [Jesus] antwortete: ‚Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt'". Der Missionsgedanke war dem Christentum also von Anfang an zu eigen, nicht aber war ursprünglich eine Ausbreitung über die jüdische Gesellschaft hinaus geplant.

Die Erfolge unter den Juden waren aber sehr gering. Dagegen fand das Christentum gerade in der nichtjüdischen hellenistischen Welt Interesse und Verbreitung. Eine Begrenzung allein auf thoratreue Juden war in einer vom Hellenismus geprägten Welt, mit ihrem lebhaften geistigen Austausch, ja gar nicht möglich. Jüdische Pilger aus der Diaspora versammelten sich an den hohen Festtagen in Jerusalem. So konnte die neue jüdische Sekte auch hellenistisch geprägten Diasporajuden nicht verborgen bleiben, die ihre Kenntnisse unter Juden und Nichtjuden im Reich weiter verbreiteten. Dieser neuen Situation hatte man sich zuerst in der christlichen Gemeinde der syrischen Metropole Antiocheia gestellt und sich hier um einen Konsens zwischen christlichen Juden und Nichtjuden bemüht. Von Antiocheia ging auch die erste gezielte Heidenmission aus. Und von dieser Gemeinde war auch der Apostel Paulus entscheidend geprägt.

Von den sich aus solchen Anforderungen ergebenden Problemen für die eigene christliche Identitätssuche der urchristlichen Gemeinden, von den Spannungen und Zerreißproben zwischen den unterschiedlichen Konzeptionen der thoratreuen Judenchristen, der thorafreien Judenchristen und der Heidenchristen bieten die Apostelgeschichte und die Paulusbriefe ein gutes Bild. Von der Vereinbarung auf dem Apostelkonzil in Jerusalem im Jahre 48/49 berichten uns Apostelgeschichte 15 und das 2. Kapitel des Galaterbriefes des Paulus. Die Judenchristen Jerusalems waren vor allem durch den Herrenbruder Jakobus, Petrus und Johannes, die antiochenische Gemeinde durch Barnabas und Paulus vertreten. Als Ergebnis wurde den Heidenchristen die Befolgung der kultischen Vorschriften der Thora erlassen, nicht jedoch die Einhaltung der moralischen jüdischen Grundsätze. Bei einem Besuch von Jakobus und Petrus in Antiocheia kam es dann aber doch in dieser Frage zu einer Spaltung der Gemeinde, so daß Paulus nun seine eigenen Wege ging. In bitterem Ton berichtete Paulus im Galaterbrief darüber.

Welches sind die Motivationen für die Mission? Es ist die Vermittlung des Heilsangebotes, von dessen Einmaligkeit man zutiefst

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