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Gott essen Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls von Schubert, Anselm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.02.2018
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Gott essen

Von Milch, Honig und Käse über Brot und Wein bis zu Cola und Kokosnuss: Anselm Schubert erzählt die Geschichte des Abendmahls von den frühen Christen bis heute erstmals mit Blick auf die verwendeten Nahrungsmittel. Seine glänzend geschriebene Darstellung lässt uns das Christentum und seine heiligste Handlung mit anderen Augen sehen. 'Nehmet, esset: Das ist mein Leib ..., das ist mein Blut.' Mit diesen Worten setzt Jesus in der Bibel das Abendmahl ein. Doch heute wissen wir, dass sich die christliche Eucharistie aus dem antiken Symposion entwickelte. So blieb lange umstritten, was in der Kirche als Leib Gottes gegessen und getrunken werden durfte: Käse, Fisch und Gemüse? Milch, Saft und Honig? Oder doch nur Brot, und wenn ja, gesäuert oder ungesäuert? Roter oder weißer Wein, Priesterkelch oder Laienkelch? Die Unsicherheiten haben sich in der Moderne noch vermehrt: Ist der Einzelkelch nicht hygienischer? Geht es auch alkoholfrei und glutenfrei? Und was machen Christen in postkolonialen Zeiten in Ländern ohne Weizen und Wein? Sind hier auch Cola, Kokosnuss und Bananensaft zulässig? Anselm Schubert erschließt das Abendmahl von der Food History aus und macht so zentrale theologische Debatten von der Antike bis Slow Food ganz neu verständlich. Das Ergebnis ist eine höchst überraschende kleine Kulturgeschichte des Christentums für eine große Leserschaft.

Anselm Schubert ist Professor für Neuere Kirchengeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 15.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406700569
    Verlag: Verlag C.H.Beck
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Gott essen

Fleisch und Brot, Bier, Wein und Cola:
Eine kulinarische Geschichte des Abendmahls

Im Winter 1997 veranstaltete das Magazin der Süddeutschen Zeitung ein Experiment. Es beauftragte Paula Bosch, die Sommelière des Münchener Sterne-Restaurants Tantris, die Weine zu beurteilen, die am kommenden Sonntag zur Eucharistie in den deutschen Domkirchen verwendet werden sollten. Das Ergebnis war vernichtend. Der französische Likörwein "Aureus" (Münster): "Nase nicht ganz sauber mit wenig Aroma, verhaltener Duft. Wirkt tot. Fettig und dumpf." Der Silvaner der Kolb'schen Messweinstiftung in Würzburg: "Rosinig. Fett, breit, überlagert. Bitter im Abgang. Ich bedaure den Pfarrer, der das trinken muss." Limburg schnitt noch am besten ab: "Vordergründiger Petrolgeruch, würzig, unterlegter Bodenton." Im Fazit: "Der Herrgott hat in meinen Augen doch etwas Besseres verdient."

Die Idee, die Eucharistie des katholischen Hochamtes auf ihr materielles Substrat zu beschränken, sie als Akt reinen Essens und Trinkens zu betrachten und dann den Kriterien der Restaurantkritik zu unterwerfen, offenbart ihre ganze Abgründigkeit erst, wenn man bedenkt, dass nach katholischer Lehre Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt werden: Dann hat der Herrgott es tatsächlich nicht verdient, dass man ihm als Substrat seiner Transsubstantiation ein dumpfes, fettiges, nach Petroleum riechendes Etwas anbietet. Dem ironischen Experiment des SZ-Magazins liegt aber eine ebenso wichtige wie elementare Beobachtung zugrunde: Der zentrale Ritus der christlichen Religion ist in der Tat ein Akt des Essens und Trinkens. Man isst ein Stück Brot und trinkt einen Schluck Wein - alles Weitere kommt erst danach.

Die Idee einer kulinarischen Geschichte des Abendmahls beschäftigt mich schon lange. Zugegebenermaßen war es zunächst die oft komische Fallhöhe zwischen der religiösen Überhöhung des Abendmahls und seiner bisweilen sehr profanen Realität in Form irgendwelcher krümeliger und flüssiger Substanzen, die mich auf die Idee brachte, eine Kulturgeschichte der Abendmahlselemente zu schreiben. Im Laufe der Arbeit an diesem Buch wurde mir jedoch immer deutlicher, dass diese Konzentration auf die realen Speisen und Getränke des Abendmahls auch der direkteste Weg zurück zu seiner ursprünglichen Bedeutung ist.

In den ersten hundert Jahren feierten die Christen das Abendmahl mit den Speisen, die sie von zuhause mitbrachten, gemeinsam verzehrten und von denen sie Christus und den Armen opferten. Wie für ihre heidnische Umgebung war für sie das Symposion, das gemeinsame kultische Mahl, die wichtigste Form gelebter Religion. Ein solches Symposion ließ sich aber nur mit wenigen Gästen abhalten. Als die christlichen Gemeinden wuchsen, wurde das kultische Mahl zunehmend von dem gemeinsamen Essen unterschieden. Fleisch und Früchte, Obst und Käse blieben zuhause oder wurden in besonderen Gemeinschaftsmahlen verzehrt. Das "Herrenmahl" wurde zu einem hoch ritualisierten Kult, bei dem zunehmend nur noch Wein und Brot (oder was man darunter verstand) die Elemente bildeten.

Seit dem vierten Jahrhundert wurden im oströmischen Reich (und seit dem neunten Jahrhundert auch im Westen) nicht mehr die von den Gläubigen mitgebrachten Gaben verzehrt, sondern Brot und Wein von den Klerikern gestellt und im Namen der Kirche gespendet. Aus dem Brot der Christen war ein Brot der Kirche geworden. Im Westen ging damit die Erfindung der Oblatenhostie einher, die mit dem ursprünglichen Brot nichts mehr zu tun hatte, sondern nur noch die Verkörperung seiner abstrakten Idee war. Als wenig später den Laien auch der Kelch nicht mehr gespendet wurde, war aus dem frühchristlichen Gemeinschaftsmahl endgültig ein Kultvorgang geworden, der schon bald mit magischen Vorstellungen aufgeladen wurde. Die Scheu vor dieser Eucharistie war so groß, dass die Laie

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