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Gotteskindschaft Die Erhebung zu Gott von Biser, Eugen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Gotteskindschaft

Der bekannte Theologe Eugen Biser erinnert mit diesem grundlegenden Werk an die Fülle der Möglichkeiten im christlichen Glauben. Biser will uns gleichzeitig in die großen Traditionen zurückrufen und einen Entwurf für die Zukunft einer lebendigen Beziehung zu Jesus und Gott zeichnen. Christliche Anthropologie und neue Christologie wirken zusammen im Bestreben, der Selbstvergessenheit des Menschen entgegenzutreten. Biser warnt die Christen vor dem Verlust ihrer eigenen Identität. Aus sich heraus kann der Mensch die Zukunft nicht gestalten, er muss sich der Beziehung zum Schöpfer wieder bewusst werden, vor allem der großen Liebeserklärung Gottes an die Welt. Der katholische Fundamentaltheologe und Religionsphilosoph Eugen Biser (1918-2014) gehörte zu den großen theologischen Denkern unserer Zeit. 2002 wurde die Eugen-Biser-Stiftung gegründet, die dem Dialog aus christlichem Ursprung verpflichtet ist. Sie pflegt das Erbe Eugen Bisers.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 298
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534703739
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 2597 kBytes
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Gotteskindschaft

2. Die Motivgeschichte

Die großen Leitmotive der Theologie erleiden im Lauf ihrer Geschichte ein dramatisches Schicksal. Wie Kometen tauchen sie aus dem Geflecht der übrigen auf, verschwinden dann wieder, gehen Verbindungen mit andern ein, verlieren an Leuchtkraft und Profil, um dann erneut und oft in verwandelter Form in den Vordergrund zu treten und alles zu überstrahlen.

Machtvoll intonierte das Motiv der dabei auf das Erlebnis seiner Neuschöpfung durch den Auferstandenen gestützte Paulus (2Kor 5,17), der im Galaterbrief das Ziel der Sendung des Gottessohns darin erblickt, "daß wir die Sohnschaft erlangten" (Gal 4,5) und der uns im Römerbrief durch den "Geist der Sohnschaft" zusprechen läßt, "daß wir Kinder Gottes sind" (Röm 8,15). Wenn er dem hinzufügt: "wenn aber Kinder, dann auch Erben: Erben Gottes und Miterben Christi" (8,17), läßt er keinen Zweifel daran, daß mit der Gotteskindschaft der Zenit des Menschseins bezeichnet und erreicht ist 11 .

Nur scheinbar widerspricht Paulus dem in der Korrespondenz mit Korinth, wenn er seinen Adressaten nach dem Blick in das, "was kein Auge geschaut, kein Ohr vernommen und keines Menschen Herz jemals empfunden hat" (1Kor 2,9), vorwirft, daß er zu ihnen nicht wie zu Geistesmenschen, sondern nur wie zu Kindern reden könne, denen er anstelle der harten Kost seiner Weisheitslehre die Milch des Allgemeinverständlichen verabreichen müsse (3,1) 12 . Dasselbe gilt von der Klage des Hebräerbriefs über seine "schwerhörigen" Adressaten, die immer noch mit der Milch der "Anfangsgründe" abgespeist werden müssen, obwohl sie aufgrund ihres Alters längst Lehrer sein könnten (Hebr 5,11- 14). Denn in beiden Fällen geht es nicht um den Fortschritt von einem Anfangsstadium zum Reifezustand, sondern um die Beanstandung eines Fehlverhaltens - Streitsucht und Schwerhörigkeit -, das den Aufstieg zum Werdeziel - hier der Schau, dort der Meisterschaft - verhindert.

Eine tatsächliche Gegenperspektive eröffnet dagegen der Epheserbrief, wenn er den Zweck der unterschiedlichen Dienstleistungen darin erblickt,

daß wir alle zur Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Gottessohns gelangen, zur vollen Mannesreife und zum Vollalter Christi (Eph 4,13),

und wenn er das mit der Mahnung unterbaut:

Wir sollen dann nicht mehr unmündige Kinder sein, die sich durch windige Lehrmeinungen, durch menschliches Trugspiel und irreführende Verführungskünste umtreiben lassen; vielmehr sollen wir uns in jeder Hinsicht an die Wahrheit halten und in Liebe in den hineinwachsen, der das Haupt ist: Christus (Eph 4,14f) 13 .

Das erweckt tatsächlich den Eindruck eines allmählichen, von kindlicher Unmündigkeit zu vollem Selbstbesitz fortschreitenden Reifungsprozesses, der, wie es Paulus in seinem frühen Liebeshymnus für sich selbst in Anspruch nimmt, das Stadium des Kindseins mit seinen kindlichen Denk- und Verhaltensweisen zugunsten eines anzustrebenden Reifestadiums hinter sich läßt (1Kor 13,10) 14 . Wenn aber Nietzsche mit seinem Wort von dem "in sich rollenden Rad" die Grundform des Kindseins zutreffend bestimmt, täuscht doch der Eindruck des über das Anfangsstadium hinausführenden progressiven Reifungsprozesses. Dann beschreibt dieser Prozeß vielmehr eine Kreisbewegung: die Rück- und Einkehr in den Anfang, der bereits alles enthält, in dieser Fülle jedoch erst im Rückbezug begriffen werden kann.

Wenn William Wrede mit seiner Sinnbestimmung des Lebenswerkes Jesu recht behält, wonach er seine Gottessohnschaft aufgab und Mensch wurde, "damit wir, die Menschen, Söhne Gottes werden", ging aber der erste Anstoß zur Konzeption der Gotteskindschaft noch vor Paulus von Jesus selber aus 15 . Dadurch fällt auf seine Zuwendung zu den von der antiken Gesellschaft vernachlässigten Kindern neues Licht 16 . Auch ist in diesem Z

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