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In der Tiefe der Stille Das Herz der christlichen Meditation von Heuertz, Phileena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2020
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 12.10.2020 per Download lieferbar

Online verfügbar

In der Tiefe der Stille

Wie können wir in einer zerrissenen Welt präsent sein und zugleich auf Gottes Stimme hören? Phileena Heuertz hat die Antwort in der christlichen Meditation gefunden. In diesem Buch erzählt sie, wie sie alte Gebetsschätze wie das Herzensgebet und die Lectio Divina wiederentdeckte. Kontemplation und aktives Handeln gehören dabei für sie fest zusammen. Sie ist überzeugt: Wir können die Welt nur dann verändern, wenn wir uns von Gott verändern lassen. Ein Buch, das ermutigt, den Sprung in die Einsamkeit, das Schweigen und die Stille zu wagen, um den Weg zu einem sinnerfüllteren Leben zu finden.

Phileena Heuertz gründete 2012 gemeinsam mit ihrem Mann 'Gravity, a Center for Contemplative Activism' in Nebraska. Zuvor leiteten sie fast zwanzig Jahre lang eine NGO, die sich um Aids-Kranke, sowie um Kindersoldaten und Opfer von Menschenhandel kümmerte. Heute ist sie Autorin, gefragte Rednerin, Seelsorgerin und Exerzitienleiterin. Phileena Heuertz ist eine Schülerin von Richard Rohr. Richard Rohr, geb. 1943, Franziskanerpater, Gründer des 'Zentrums für Aktion und Kontemplation' in New Mexico/USA, gehört zu den international bekannten und gefragten Vertretern einer zeitgenössischen christlichen Spiritualität. Seine Bücher sind weltweite Erfolge und wurden oft zu Inspirationen für gegenwärtige spirituelle Suchbewegungen. ('Enneagramm', 'Männerspiritualität').

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 12.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451816963
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 669 kBytes
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In der Tiefe der Stille

2. Rückzug, um ganz da sein zu können

In der Frühe, als es noch dunkel war, erhob sich Jesus, ging weg, begab sich an einen einsamen Ort und betete dort.

Markus 1,35

In tiefer Einsamkeit und Stille finde ich die Sanftheit, mit der ich meinen Bruder und meine Schwester wahrhaftig lieben kann.8

Thomas Merton

Alleinsein kann uns Angst machen, wenn wir nicht gerade sehr introvertierte Menschen sind.

Doch Alleinsein und das Eintreten in die innere Einsamkeit sind nicht dasselbe. Wir können allein sein und immer noch von unseren Anhaftungen an Macht, Zuneigung und Sicherheit beherrscht werden. Extrovertierte Menschen nehmen vielleicht vorschnell an, das kontemplative Gebet sei nichts für sie, weil man dabei allein sein muss. Aber das ist überhaupt nicht wahr. Nur weil uns etwas nicht selbstverständlich erscheint, heißt das noch lange nicht, dass es nichts für uns ist. Tatsächlich sind die weitaus meisten Dinge, die gut für uns sind, gerade nicht selbstverständlich.

Wir wissen beispielsweise, dass es gut für unseren Körper ist, wenn wir Sport treiben. Aber wie viele von uns freuen sich wirklich darauf, ins Fitnessstudio zu gehen? Dabei wissen wir, wenn wir unsere körperliche Gesundheit vernachlässigen, hat das gravierende Folgen. Dasselbe gilt, wenn wir unsere Spiritualität vernachlässigen. Wenn wir uns weigern, Zeit für die spirituelle Praxis der Einsamkeit zu reservieren, für Schweigen und Stille, dann führt das möglicherweise zu einem Ausbruch von Gewalt. Thomas Merton, ein bedeutender Lehrer der Kontemplation, der uns in diesem Kapitel begleitet, hat besser als jeder andere auf diesen Punkt hingewiesen.

»Es gibt heute eine alles durchdringende Form der Gewalt, der gerade Idealisten nur allzu leicht erliegen: Aktivismus und Überarbeitung. Die Hektik und der Druck des modernen Lebens sind eine Form, vielleicht die gewöhnlichste Form, von Gewalt. Wer sich von einer Vielzahl widerstreitender Sorgen davontragen lässt, wer zu vielen Anforderungen genügen will, wer sich zu vielen Projekten verpflichtet, wer allen ständig helfen will, der unterliegt der Gewalt. Die Hektik unseres Aktivismus macht unsere Arbeit für den Frieden zunichte. Sie zerstört unsere innere Fähigkeit zum Frieden. Sie zerstört die Früchte unserer Arbeit, weil sie uns von der Wurzel unserer inneren Weisheit abschneidet, die unsere Arbeit erst Früchte tragen lässt.«9

Die kontemplative Praxis ist das Heilmittel für unsere Krankheit der Hektik.

Und sie ist nicht nur ein Heilmittel, sondern sie ist ein Weg, der in die Zukunft führt. Schon im Jahr 1966 hat der jesuitische Theologe Karl Rahner erklärt: »Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer der etwas erfahren hat, oder er wird nicht sein.«10

Alle historischen Quellen deuten darauf hin, dass das Christentum zur Zeit seiner Entstehung ganz sicher einen mystischen Kern hatte. Aber im 17. Jahrhundert war die mystische Dimension des Glaubens zumindest im Westen in die Wüsten und Klöster ausgelagert worden. Und selbst in den Klöstern wurde es immer schwieriger, an der kontemplativen Tradition festzuhalten. Der Rationalismus drängte sich immer mehr in den Vordergrund. Aus diesem Grund haben die meisten westlichen Christen heute eine spirituelle Ausbildung erfahren, in der die linke Gehirnhälfte dominiert: der diskursive, planende, analytische und urteilende Verstand, der die Dinge in ihre Bestandteile zerlegt. Die Religion hat sich weitgehend von der rechten Gehirnhälfte verabschiedet - jenem Teil unseres Geistes, der kontemplativ, spontan und intuitiv arbeitet und in Ganzheiten denkt.

Mehr als fünfzig Jahre nach Rahners Erklärung ist es nun so weit, dass die beiden »Gehirnhälften des Glaubens« wieder zusammengefügt werden. Es scheint, als befänden wir uns mitten in einem großen Entwicklungsschritt

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