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Jesus von Nazaret Was wir wissen, was wir glauben können von Scholl, Norbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2012
  • Verlag: Lambert Schneider
eBook (ePUB)
7,99 €
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Jesus von Nazaret

Die vier Evangelien eröffnen uns den wichtigsten Zugang zum Leben Jesu. Sie dürfen aber nicht als historische Tatsachenberichte gelesen werden. Hier waren nicht Augen- und Ohrenzeugen am Werk, die das, was sie sahen und hörten, möglichst genau und objektiv auf dem schnellsten Wege zu Papier brachten. Die Evangelien - wie die gesamte Bibel überhaupt - verfolgen eine ganz andere Absicht: Sie erzählen von Erfahrungen, die Menschen in ihrem Leben mit Jesus gemacht haben. Diese Menschen hatten einen faszinierenden Mann erlebt. Sie hatten eine Botschaft vernommen, die sie unbedingt anging und die sie darum für mitteilenswert hielten. Sie hatten an ihn geglaubt, waren ihm nachgefolgt. Nun wollten sie diese Botschaft und diesen ihren Glauben weiter tragen. Sie wollten Zeugnis ablegen. Norbert Scholl befragt die Evangelien danach, was wir über Jesus als historische Person wissen können und wie seine Botschaft bis heute gedeutet wird. Norbert Scholl, Prof. Dr., war von 1969 bis 1996 Professor für kath. Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg; zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: Ein Bestseller entsteht - Das Matthäusevangelium (Regensburg 1999); Wenn der Kinderglaube nicht mehr trägt (Freiburg 2002).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 01.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783650727701
    Verlag: Lambert Schneider
    Größe: 3583 kBytes
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Jesus von Nazaret

3 Nazaret und Umgebung

Wir gehen heute davon aus, dass die Geburt Jesu (in Nazaret) um das Jahr 6 (oder auch etwas früher) und sein erstes öffentliches Auftreten etwa um das Jahr 28 oder 29 anzusetzen sind. Bevor wir uns jedoch intensiver mit dem öffentlichen Wirken Jesu beschäftigen, möchte ich noch einen Blick auf seine Heimat Nazaret und deren Umgebung werfen. Denn dort ist Jesus aufgewachsen, dort hat er seine Kindheit erlebt, dort ist er groß geworden. Wenn das Matthäusevangelium etwas vollmundig von der "Stadt" Nazaret spricht, dann verleitet das aufgrund unserer heutigen Vorstellung von einer Stadt zu der Annahme, dass es im Heimatort Jesu irgendwie ähnlich ausgesehen haben dürfte. Da täuschen wir uns allerdings gewaltig.
Nazaret

Nazaret liegt in einem Talkessel an den Südosthängen des Nebi Saïn (488 m), eines der letzten südlichen Ausläufer der Kalkberge des Libanon. Von diesem Berg genießt man einen schönen Blick über die nähere und weitere Umgebung des Ortes. Nach Süden hin weitet sich die geschichtsträchtige Ebene Jesreel mit der Festung Megiddo. 82 Dahinter zieht sich der Höhenrücken des Karmel westwärts, bis er in der Bucht von Ptolemais 83 steil ins Meer abstürzt. Im Osten von Nazaret erhebt sich der Berg Tabor. Im Südosten liegt Bet-Schean, wo König Saul nach einer verlorenen Schlacht gegen die Philister den Tod gesucht und sich ins eigene Schwert gestürzt hatte. 84 Bei klarem Wetter kann man im Hintergrund die Jordansenke mit den Bergen von Gilead am östlichen Ufer erkennen.

Nazaret war in der Zeit Jesu ein winzig kleines Dorf. Die wenigen Häuser bestanden fast alle aus tief in den Kalkstein des Bergabhangs hineinführenden natürlichen Felsgrotten, die meist noch künstlich erweitert waren.

Wer heute der Stadt einen Besuch abstattet, kann in unmittelbarer Nähe der protzigen Verkündigungskirche eine solche Höhlenwohnung besichtigen. Das ist natürlich nicht die "Wohnung der heiligen Familie", wie der Führer, meist ein älterer arabischer Christ, behauptet. Wenn er ein gutes Bakschisch erhält, zeigt er sogar die Holzlöffel, mit denen die heilige Familie ihr Essen einnahm. Zum Korrigieren eigener (falscher) Vorstellungen über die Wohnung der nächsten Angehörigen Jesu kann eine solche Besichtigung dennoch nützlich sein.

Damals besaßen einige der Höhlen einen unmittelbar angebauten, gemauerten und mit einem flachen Dach abgedeckten Vorbau. Das Innere gliederte sich meist in drei Teile: zwei für die Menschen reservierte in der vorderen Hälfte und einen als Stallung genutzten im hinteren Teil der Höhle. 85 Von außen gelangte man zunächst durch eine schmale Tür zu ebener Erde in eine Art Küche mit einigen für die Essenszubereitung wichtigen Vorrichtungen - wie einer Handmühle zum Getreidemahlen, einer Unterlage zum Abstellen der Wasserkrüge und verschiedenen Vorratskästen. Die Kochstelle lag in der Nähe der Tür, um den Rauchabzug zu erleichtern. Gegenüber dem "Küchenteil" befand sich der Wohn- und Schlafteil, der meist mit Schafsfellen ausgelegt und von der Stallung im hinteren Teil der Höhle nur durch einige Kästen und Stützpfeiler getrennt war. Wenn es an Sommerabenden angenehm kühl war, setzte man sich gelegentlich auf das Flachdach und konnte die schöne Aussicht ins Tal und in die Jesreelebene genießen. In der Stallung im hinteren Teil der Höhle wurden während der Nacht aus unterschiedlichen Gründen (z. B. drohendem Unwetter oder Kälte) nicht selten Schafe, Ziegen, Hühner und sogar Esel untergebracht, die sonst tagsüber um das Haus herum in einem durch eine Steinmauer abgegrenzten Bezirk frei herumlaufen konnten. In die Wände der Grotte waren häufig noch Löcher zum Aufbewahren von Vorräten und zum Abstellen von Öllampen und Leuchtern gemeißelt. Auch in den Felsboden waren manchmal birnenförmige Löcher zur (kühlenden) Aufbewahrung von Wasser, Öl und Wein eingelassen. Zur Beleuchtung dienten neben der Türöffnung kleine

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