text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Licht der Welt Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald von Benedikt XVI. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2010
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Licht der Welt

Im Interview mit dem Journalisten Peter Seewald spricht Papst Benedikt XVI. über seine persönliche Sicht auf das Papstamt und die gegenwärtige Situation von Glaube und Kirche. Benedikt XVI. geht keiner Frage aus dem Weg. Noch niemals vorher hat ein Papst auf kritische Fragen zu den drängenden Problemen in Kirche und Gesellschaft in dieser Form und so offen Rede und Antwort gestanden.

Benedikt XVI., geboren als Joseph Ratzinger am 16. 4. 1927 in Marktl am Inn (Oberbayern). Nachdem er von 1943 bis Kriegsende Kriegsdienst geleistet hatte, trat er in das Priesterseminar Freising ein und studierte Philosophie und Theologie an der Universität München. 1951 erfolgte die Priesterweihe, 1953 wurde er mit einer Arbeit über 'Volk und Haus Gottes bei Augustinus' zum Dr. theol. promoviert, 1959 mit einer Studie über Bonaventuras Geschichtstheologie habilitiert. Seit 1958 lehrte er Fundamentaltheologie und Dogmatik am Priesterseminar Freising sowie an den Universitäten Bonn, Münster, Tübingen, das er nach den Studentenunruhen 1969 verließ, und Regensburg. 1977 wurde Ratzinger zum Erzbischof von München-Freising ernannt und im selben Jahr zum Kardinal erhoben. 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation, ein Amt, das er bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 ausübte. Zudem wirkte er als Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission sowie von 2002 bis 2005 als Dekan des Kardinalskollegiums. Am 19.4.2005 wurde Ratzinger zum Papst gewählt. Als Papst trat Benedikt XVI. besonders durch seine großen Lehrschreiben zu den theologischen Tugenden und durch seine Jesusbücher hervor, mit denen er auf das Zentrum christlichen Glaubens hinweisen wollte. Die Vermittlung von Glaube und Vernunft war ihm weiterhin ein Grundanliegen. Kirchenpolitisch war sein Pontifikat durch mehrere Kontroversen gekennzeichnet, z.B. angesichts der Wiederzulassung der Tridentinischen Messe (2007), der Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden (2008) und der Aufhebung der Exkommunikation der Piusbrüder (2009). Dabei spitzte sich die Diskussion auf die Frage der Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu. In Abgrenzung zu einer Hermeneutik der Kontinuität oder der Diskontinuität sprach sich Benedikt dabei für eine 'Hermeneutik der Reform' aus, wobei der Begriff vage bleibt. Aufsehen erregte der Amtsverzicht Benedikts, den er am 11. Februar 2013 ankündigte und am 28. Februar vollzog. Es war der erste Rücktritt eines Papstes aus eigenem Antrieb seit jenem Coelestins V. im Jahr 1294. Als 'emeritierter Papst' lebt Benedikt zurückgezogen im Vatikan.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 30.11.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451336492
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 271 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Licht der Welt

Vorwort

Castel Gandolfo im Sommer. Der Weg zur Residenz des Papstes führte über einsame Landstraßen. Auf den Feldern schaukelte sich das Korn in einem zarten Wind, und in dem Hotel, in dem ich ein Zimmer reserviert hatte, tanzte eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft. Nur der See tief unten in der Senke schien ruhig und gelassen, groß und blau wie das Meer.

Als Präfekt der Glaubenskongregation hatte mir Joseph Ratzinger zweimal die Gelegenheit gegeben, ihn über mehrere Tage hinweg zu interviewen. Die Kirche darf sich nicht verstecken, war seine Haltung, der Glaube muss erklärt werden; und er kann erklärt werden, weil er vernünftig ist. Er wirkte auf mich jung und modern, keiner, der Erbsen zählt, sondern ein Mann, der mutig wagt, neugierig bleibt. Ein souveräner Lehrer, und ein unbequemer dazu, weil er sieht, dass wir Dinge verlieren, auf die man eigentlich nicht verzichten kann.

In Castel Gandolfo waren einige Dinge anders. Ein Kardinal ist ein Kardinal, und der Papst ist der Papst. Noch niemals in der Geschichte der Kirche hatte ein Pontifex in Form eines persönlichen und direkten Interviews Rede und Antwort gestanden. Alleine die Tatsache dieses Gespräches setzt einen wichtigen neuen Akzent. Benedikt XVI. hatte zugesagt, mir in seinen Ferien zur Verfügung zu stehen, von Montag bis Samstag der letzten Juliwoche, täglich eine Stunde. Aber wie offen, überlegte ich, würden seine Antworten ausfallen? Wie beurteilt er seine bisherige Arbeit? Was hat er sich noch vorgenommen?

Dunkle Wolken hatten sich über der katholischen Kirche zusammengezogen. Der Skandal des Missbrauchs warf seine Schatten auch auf das Pontifikat Benedikts. Mich interessierten die Ursachen dieser Dinge, der Umgang mit ihnen, zugleich aber auch die brennenden Sorgen des Papstes in einer Dekade, von der Wissenschaftler glauben, sie sei absolut entscheidend für die gesamte Zukunft des Planeten.

Die Krise der Kirche ist das eine, die Krise der Gesellschaft das andere. Beides ist nicht ohne Zusammenhang. Man hat den Christen dabei vorgehalten, ihre Religion sei eine Scheinwelt. Aber erkennen wir heute nicht ganz andere, die eigentlichen Scheinwelten? Die Scheinwelten der Finanzmärkte, der Medien, des Luxus und der Moden? Müssen wir nicht schmerzhaft miterleben, dass eine Moderne, die ihre Wertmaßstäbe verliert, ins Bodenlose zu sinken droht? Da zeigt sich ein Bankensystem, das riesige Volksvermögen vernichtet. Da ist ein Hochgeschwindigkeitsleben, das uns buchstäblich krank macht. Da ist das Universum des Internets, auf das wir noch keine Antworten haben. Wo gehen wir eigentlich hin? Dürfen wir alles, was wir tun können, auch wirklich machen?

Und wenn wir in die Zukunft blicken: Wie wird die nächste Generation mit den Problemen fertig werden, die wir ihr hinterlassen? Haben wir sie genügend vorbereitet und fit gemacht? Besitzt sie ein Fundament, das Sicherheit und Kraft gibt, auch stürmische Zeiten zu überstehen?

Die Frage ist auch: Wenn das Christentum im Westen seine gesellschaftsgestaltende Kraft verliert, wer oder was tritt an seine Stelle? Eine areligiöse "Zivilgesellschaft", die keinen Gottesbezug in ihrer Verfassung mehr duldet? Ein radikaler Atheismus, der die Werte der christlich-jüdischen Kultur vehement bekämpft?

In jeder Epoche gab es die Bestrebung, Gott für tot zu erklären; sich dem vermeintlich Greifbareren zuzuwenden, und wenn es goldene Kälber sind. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten. Sie haben weniger mit einer mangelnden Attraktivität des Glaubens als mit den Kräften der Versuchung zu tun. Aber wohin geht dann eine gottferne, gottlose Gesellschaft? Hat nicht eben erst das 20. Jahrhundert in West und Ost dieses Experiment durchexerziert? Mit seinen furchtbaren

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen