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Lieber Martin Luther - lieber Papst Franziskus Ein Briefwechsel von Frisch, Hermann-Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2016
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Lieber Martin Luther - lieber Papst Franziskus

Fiktive Briefe zwischen dem Reformator Martin Luther und Papst Franziskus - eine spannende Sache, wenn diese beiden großen Gestalten des Christentums ins Gespräch treten. Was würden diese beiden so unterschiedlichen Charaktere einander wohl schreiben? Was wären ihre Themen angesichts der fünfhundert Jahre währenden Trennung? Ein besonderer Beitrag zum Lutherjahr 2017 und zum ökumenischen Dialog, der Hoffnung macht auf einen Neubeginn und auf eine ständige Reformation der Kirche. 'Martin Luther: Ich habe in Rom die ersten Steine des neuen Petersdomes gesehen. Es graut mir, wenn ich daran zurückdenke - Rom ist ein Rattennest, so habe ich es zumindest erfahren. Papst Franziskus: Lieber Bruder Martin, die römischkatholische Kirche heute entspricht schon längst nicht mehr dem, wie du sie zu deiner Zeit erlebt und als belastend erfahren hast. Halten wir beide in unseren Briefen Ausschau nach dem gemeinsamen Fundament und dem Dach.'

Hermann-Josef Frisch ist Pfarrer i. R. Autor vieler erfolgreicher Bücher in den Bereichen Religionspädagogik, Gemeindearbeit, theologische Erwachsenenbildung und Religionswissenschaft. Er lebt in Overath bei Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 16.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451810046
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3862 kBytes
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Lieber Martin Luther - lieber Papst Franziskus

Ich wage es zu schreiben ...

Lieber Bruder Franziskus,

so wage ich zu schreiben, ich, der Doktor Martinus Luther in Wittenberg, Professor der Theologie, Augustinermönch gewesen, nun Reformator

an den Bruder in Rom, den Papst Franziskus, der den Namen des Bruders aus Assisi angenommen hat und in den ich die edle Hoffnung setze, dass er sich mir gegenüber als der Bruder erweist, der er ja in Christo und in Gottes Erbarmen ist,

Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesu Christo.

Ich wage zu schreiben an dich, den Papst, obwohl mir natürlich sehr bewusst ist, dass meine Beziehung zum Papst in Rom äußerst gebrochen ist, eine unheilvolle Beziehung, die Leid über viele Menschen gebracht hat, auch über mich ganz persönlich und meine Freunde hier in Wittenberg. Ich muss auch gestehen, dass ich mich über den Papst am Anfang meiner Laufbahn zwar zurückhaltend, dann aber immer schärfer und auch verletzender geäußert habe, schroffer, als es mir als Mönch geziemt hat. Mehr noch, ich habe zwar am Anfang, als es allein um den Ablass ging, meine Hoffnung darauf gesetzt, in Einigkeit und Frieden mit dem Papst einen Missstand in der Kirche zu beseitigen. Aber als ich als Antwort allein das brutale Vorgehen des dem Papst anhängenden Johannes Eck erhielt, als mir die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine überbracht wurde, als meine 95 Thesen zum Ablass, aber auch vieles andere in meinen Schriften als ketzerisch bezeichnet wurden, da begann ich, den Papst mit all dem, was zu ihm gehört, energisch zu bekämpfen, weil die Papisten mit ihren schlechten Lehren und Beispielen den christlichen Erdkreis geistig und leiblich zugrunde gerichtet haben. Die Gesetze und Dekrete des Papstes haben die Gewissen der Gläubigen elend in Fesseln geschlagen und in einer unglaublichen Tyrannei misshandelt - so meine Klage auch auf dem Reichstag in Worms im Jahr des Herrn 1521.

Ja, ich gestehe, dass ich mich - und dies mit den Jahren immer stärker - als Feind des Papstes und der Papisten, seiner gewissenlosen und verantwortungslosen Anhänger, gezeigt habe. Doch habe ich dies im Blick auf die Päpste meiner Zeit getan: - Ich tat dies im Blick auf den zwar energischen, aber gar nicht geistlichen Papst Julius II., der kein guter Hirte war, sondern ein Kriegsherr und Machtmensch. Ihm war sein Kirchenstaat wichtiger als das Evangelium Gottes und er wollte seine Macht in einem übergroßen Bauwerk, dem neuen Petersdom, ausdrücken. Diesen Vertreter nicht des Evangeliums von der Gnade Gottes, sondern der kriegerischen Gewalt und der Ausplünderung der Gläubigen habe ich auf meiner Romreise 1511 kennenlernen müssen, als ich selber noch päpstisch gefangen war und mir die Freiheit der Kinder Gottes durch Christus noch nicht aufgegangen war. - Ich tat dies im Blick vor allem auf den verschwenderischen Medici-Papst Leo X., der bereits als Kind Pfründe gesammelt hat und der auf seine Gelage und rauschenden Feste bedacht war und nicht auf das Heil der Gläubigen. Er speiste sein üppiges Leben durch den Handel mit Ablässen, mit Dekreten und Dekretalien, mit Dispensen und Gnadenbriefen. Ein Ausbeuter war er der hehren Christenheit und mein ganz persönlicher Gegner. Sein Mönchlein Johann Tetzel, Dominikaner, ein Hund seines Herrn, verkaufte das, was er als Gnade bezeichnete, Ablassbriefe genannt, in Magdeburg und Halberstadt, in der Nähe meines Wohnorts Wittenberg. Gegen ihn, aber letztlich gegen den Handel des Papstes, richteten sich meine 95 Thesen aus dem Jahr des Herrn 1517. - Ich tat dies auch im Blick auf seine Nachfolger Hadrian VI., Klemens VII. und Paul III., die Fürsten waren, aber nicht Fürsten Gottes, sondern Fürsten dieser Welt und des Teufels, moralisch verdorben und nicht einer Erneuerung der Kirche zugewandt, sondern allein einer Erneuerung ihrer Geldbörse durch die Ausplünderung des Volkes Gottes. Sie verkündeten k

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