text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Paulusstudien von Horn, Friedrich W. (eBook)

  • Verlag: Narr Francke Attempto
eBook (ePUB)
71,20 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Paulusstudien

Die in diesem Band vereinten Paulusstudien bewegen sich um drei inhaltliche Schwerpunkte und Fragen: Gibt es Wandlungen und Veränderungen im Denken des Paulus? Sind diese kontextuell zu erklären oder deuten sie auf gedankliche Weiterarbeit hin? Paulus entwirft eine Ethik für heidenchristliche Gemeinden. Diese kennt Adaptionen vorgegebener Werte, setzt aber doch innerhalb der Eschatologie und der Christologie eigene und neue Ausrichtungen. Paulus tritt für das Recht heidenchristlicher Gemeinden ein. Dieser Schritt verlangt nach persönlichen und grundsätzlichen Klärungen des Verhältnisses zum Judentum und zu den judenchristlichen Gemeinden. Friedrich W. Horn ist Professor für Neues Testament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Produktinformationen

Weiterlesen weniger lesen

Paulusstudien

1. Die frühesten christlichen Stellungnahmen zur Beschneidungsfrage

Es kann zunächst eine gewisse Eingrenzung getroffen werden. Die Frage der Beschneidung ist kein Thema der Verkündigung Jesu. Dieser Befund verdient Beachtung, weil Aussagen zu anderen sog. jüdischen 'identity markers ', etwa das Verhalten am Sabbat, die Fastenpraxis, der Umgang mit Sündern, durchaus auf die Verkündigung Jesu zurückgehen und von der palästinischen Gemeinde in Apophthegmata aufgenommen worden sind. Allerdings ist sogleich zu sagen: die rechte Auslegung des Sabbatgebotes oder der Fastenpraxis stellt zur Zeit Jesu ein innerjüdisches Problem dar, in das Jesus eingreift. Die Beschneidung hingegen ist im palästinischen Judentum nahezu außerhalb jeder Diskussion. 1 Dies bedeutet positiv: Wir müssen davon ausgehen, dass Jesus die Beschneidung selbstverständlich voraussetzt, gerade weil er sie nicht thematisiert. 2

Die Abgrenzung - sozusagen nach hinten - ist andererseits mit dem Apostelkonvent gegeben, über den Gal 2 , 1 - 10 und Apg 15 berichten. Nach beiden Berichten war das Thema des Konvents allgemein die Heidenmission (Gal 2 , 2 . 9 ; Apg 15 , 12 ). Auf dem Konvent allerdings tritt eine Gruppierung - Lk nennt sie "einige von der Partei der Pharisäer, die gläubig geworden waren" (Apg 15 , 5 ); Paulus sagt rückblickend "die falschen Brüder" (Gal 2 , 4 ) - mit der Forderung der Beschneidung der bekehrten Heidenchristen auf (Apg 15 , 5 b). 3 Dies bedeutet: die Frage der Beschneidung allein war wohl nicht der direkte Anlass des Apostelkonvents, wurde aber zu einem zentralen Diskussionspunkt durch das Auftreten der "falschen Brüder". 4 Sind die "falschen Brüder" erst durch das Auftreten des unbeschnittenen Heidenchristen Titus auf das Problem aufmerksam gemacht worden? 5 Wohl kaum. Da der Kontakt zwischen der Jerusalemer Gemeinde und der Gemeinde Antiochias, als deren Delegaten Barnabas, Paulus und Titus nach Jerusalem ziehen, eng war, ist vielmehr anzunehmen, dass die "falschen Brüder" auf dem Konvent bewusst Informationen aus Antiochia in die Diskussion bringen. 6 Die präzise Identifizierung der ialschen Brüder fällt nicht leicht. 7 Sie stehen in einer Linie mit den Leuten des Jakobus, die bald in Antiochia auftauchen (Gal 2 , 12 ), sind aber nicht mit ihnen zu identifizieren. Dies alles besagt nun für unsere Fragestellung: Die Person des Titus (Gal 2 , 3 ) und die Erwähnung (weiterer) unbeschnittener Delegaten aus Antiochia (Apg 15 , 5 ) zum Konvent sind ein klarer Hinweis, dass hier in Antiochia - einer hellenistischen Großstadt mit einem Anteil von ca. 50 000 Juden und zusätzlichen Phoboumenoi (Jos.Bell 7 , 46 ) - eine Gemeinde aus unbeschnittenen und beschnittenen Christen existiert. Dies ist freilich nur möglich, wenn die trennenden Faktoren des jüdischen Zeremonialgesetzes missachtet werden. Der sog. Antiochenische Streit , der nach dem Apostelkonvent stattfand 8 und über den Paulus in Gal 2 , 11 - 14 berichtet, zeigt am Beispiel der Speisefragen recht deutlich, dass in Antiochia ehemalige Heiden und Juden, die sich jetzt gemeinsam zu Christus bekennen, Speisegemeinschaft haben. Deutlicher aus der Perspektive des Zeremonialgesetzes gesagt: Reine und unre

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen