text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Von Jesus zur urchristlichen Zeichenwelt "Neutestamentliche Grenzgänge" im Dialog von Theißen, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.10.2011
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
59,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Von Jesus zur urchristlichen Zeichenwelt

In diesem Buch nimmt der Autor Gerd Theißen das Gespräch mit kritischen Stellungnahmen zu seinen Arbeiten auf, die in dem Sammelband "Neutestamentliche Grenzgänge" veröffentlicht wurden. Theißen fasst seine bisherigen Arbeiten in einem Werkbericht zusammen. Diskutiert werden dabei die "Theorie der urchristlichen Religion", die Jesusforschung, die Sozialgeschichte des Urchristentums, die Literaturgeschichte des Neuen Testaments, die Religionspsychologie und die praktische Theologie. Am Ende stellt Theißen sein Projekt einer evolutionären Deutung der christlichen Religion vor. Es entsteht so ein exemplarisches Bild der gegenwärtigen neutestamentlichen Exegese. Dr. theol. Gerd Theißen ist Professor für Neutestamentliche Theologie an der Universität Heidelberg.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 237
    Erscheinungsdatum: 06.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783647550237
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Größe: 1777 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Von Jesus zur urchristlichen Zeichenwelt

13. Entmythologisierung und Mythenhermeneutik. Zu E. Faust: Globaler Klimawandel (S. 183-184)

Fragen der Mythentheorie und der Entmythologisierung werden meistens abstrakt erörtert, hier dagegen werden sie anhand eines konkreten Beispiels diskutiert. Es geht darum, wie mythische Bilder von Endzeitkatastrophen heute in Wissenschaft und Massenmedien die Diskussion um den Klimawandel beeinflussen. Mythische Denkkategorien haben sich ansonsten in andere Kulturbereiche zurückgezogen.

Die Entzauberung der Welt hat alle göttlichen numina aus der Natur "vertrieben"; es gibt keine besonderen Bezirke mehr, die durch die Anwesenheit von Nymphen und Gottheiten unberührbar gemacht werden. Nur im ästhetischen Erleben und Gestalten lebt die "Verklärung" der Welt neben einem nüchternen naturwissenschaftlichen Zugang weiter. Hier hat sie ihre Berechtigung und bringt nach wie vor ein authentisches Naturerleben zum Ausdruck, aber sie hat es schwer, ihre Legitimität neben der wissenschaftlichen Analyse der Welt zu behaupten.

Dennoch dringen mythische Bilder von Weltkatastrophen, von Sintflut und Apokalypse angesichts des Klimawandels in die Erklärungen von Wissenschaftlern und Politikern ein – teils um politisch für neue Gesetze, Vereinbarungen und Verhaltensänderungen zu werben, teils um emotionale Zukunftsängste zum Ausdruck zu bringen und zu bewältigen, teils aber auch nur, um mit einem Thema auf dem Markt der Massenmedien Aufmerksamkeit zu erzielen und Profit zu machen.

Dabei verändern sich die wissenschaftlichen Aussagen und werden etwas anderes. Aus der Natur wird eine vergeltende Gottheit, aus Hypothesen werden Gewissheiten, aus Prognosen werden Prophetien, aus Verhaltensempfehlungen unbedingte Imperative. Eberhard Faust zeigt, wie kontraproduktiv diese mythischen Bilder und Aufwertungen für eine verantwortliche und notwendige Klimapolitik sein können.

1) Mythische Bilder machen aus realistisch zu erwartenden begrenzten Katastrophen einen globalen Weltuntergang. Gegen begrenzte Katastrophen kann man etwas tun, gegen den Weltuntergang nichts.

2) Mythische Bilder stimulieren eine irrationale Angst und verhindern dadurch eine distanzierte kognitive Analyse der Probleme.

3) Mythische Übertreibungen dementieren sich auf Dauer selbst: Geht die Welt ihren alltäglichen Gang weiter, werden selbst berechtigte Problemanzeigen als übertriebene "Spinnerein" bagatellisiert.

Nun hat E. Faust vorwiegend mythische Katastrophenbilder im gegenwärtigen Klimadiskurs untersucht. Die Frage ist, ob deren ambivalente Wirkungen wirklich Auswirkung des mythischen Denkens per se sind oder nur einiger mythischer Bilder, die einseitig aus dem Kontext mythischer Weltinterpretationen gelöst und reaktiviert werden: Weltuntergang und Weltschöpfung gehören im mythischen Denken zusammen. In der jüdischen Apokalyptik ist das Ende der alten Welt Durchgang zu einer neuen Welt. Im Urchristentum beginnt diese neue Welt schon hier und jetzt. Die mythischen Bilder stehen hier immer in größeren Zusammenhängen. Auch die Schreckensbilder haben einen Ort, der sie relativiert.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen